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Karasek-Museum profitiert von altem SED-Vermögen

Die Seifhennersdorfer Einrichtung hat schwere Zeiten hinter sich. Nun bekommt sie Geld für einen zweiten Fluchtweg.

© SZ-Archiv/tompic

Von Holger Gutte

Seifhennersdorf. Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst erhält 16 Millionen Euro aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen aus der ehemaligen DDR. Das hat die Staatsregierung am 14. August so entschieden. „Das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst hat dem Finanzministerium die Vorhaben, von denen sie glauben, dass ihnen die Gelder dringend helfen, vorgeschlagen und sind zufrieden, dass die Vorschläge angenommen wurden“, teilte CDU-Landtagsabgeordneter Stephan Meyer mit. Wie er berichtete, bekommt das Karasek-Museum 117 000 Euro von dem Vermögen. „Das Museum trägt zur Identität von Seifhennersdorf bei und ist ein wichtiger Bestandteil der Tourismusinfrastruktur“, so Stephan Meyer. Die SZ sprach darüber mit Museums-Leiterin Ina Köhler.

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Frau Köhler, wie haben Sie die Nachricht von dem Geld für das Karasek-Museum aufgenommen?

Wenn das so ist, freuen wir uns natürlich sehr darüber. Wir haben es bisher aber nur aus der SZ erfahren. Aber wir bekommen ja als Verein, der nur das Museum betreibt, nicht das Geld, sondern die Stadt als Eigentümer. Es wäre schon wünschenswert, dass wir wieder zu unserer normalen Arbeit zurückkehren und den Gästen alle Ausstellungsräume anbieten können.

Was könnte mit dem Geld im Museum gemacht werden?

Das wird wohl allein für die Brandschutzauflagen gebraucht werden. Ins Karasek-Museum müssen drei besondere Brandschutztüren eingebaut werden, die eine bestimmte Rauchdichte gewährleisten – einmal vom Keller zum Erdgeschoss, dann zwischen Erd- und Obergeschoss und die dritte Tür im Obergeschoss an der Giebelseite zur Nordstraße für den zweiten Rettungsweg. Für den wird hier eine Treppe angebaut. Außerdem müssen noch mehrere Feuermelder eingebaut werden.

Seit November 2017 ist das Obergeschoss des Museums, in dem sich mit der Karasek-Ausstellung das Aushängeschild der Einrichtung befindet, bis auf Weiteres für die Öffentlichkeit gesperrt. Wie wirkt sich das eingeschränkte Angebot für die Besucher aus?

Natürlich kommen seitdem deutlich weniger Gäste zu uns. Über Facebook und die andere mediale Welt hat sich schnell herumgesprochen, dass wir nur eingeschränkt geöffnet haben. Wir versuchen dennoch, auf unserer Internetseite und die der Stadt auf unsere DDR-Ausstellung und die geologische Ausstellung hinzuweisen. Wir haben auch die Eintrittspreise für Erwachsene von drei auf 1,50 Euro und für Kinder von 1,50 Euro auf 50 Cent gesenkt.

Wie groß ist der Besucherrückgang?

Konkrete Zahlen können wir derzeit keine nennen. Je nach Monat haben wir seit November 2017 etwa nur noch ein Viertel bis die Hälfte der Besucher gegenüber den Vorjahreszeiträumen. Die Busreiseunternehmen kommen nun nicht mehr, weil im Haus für die Gäste die Sanitäreinrichtungen nicht mehr zur Verfügung stehen. Die befinden sich ja im Obergeschoss. Auch die Kindergruppen vom Kindererholungszentrum Querxenland fehlen uns. Das waren immerhin etwa 500 Kinder im Jahr. Ausgeblieben sind auch die gern genutzten Wandertage von Grundschulen zu uns.

Wann meinen Sie, könnte es nun mit den Arbeiten für die Brandschutzmaßnahmen losgehen?

Vor Oktober auf keinen Fall. Wir wären schon froh, wenn 2019 der Museumsbetrieb wieder normal laufen würde. Davor müssen wir aber mächtig die Werbetrommel rühren, damit die Leute es erfahren.

Was plant das Museum bis dahin? Gibt es dennoch etwas Neues?

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Für den 16. September ist eigentlich unser 20. Leinewebers Pilzwochenende mit dem Naturmarkt geplant. Wir werden in der nächsten Woche entscheiden, ob die große Pilzausstellung stattfindet oder nicht. Es wäre schade, wenn sie ausgerechnet zum Jubiläum ausfällt, weil es keine Pilze gibt. Karaseks 62. Naturmarkt wird es aber geben. Zwei geführte Wanderungen ins Karasek-Revier sind auch noch 2018 geplant. Um unsere geologische Ausstellung interessanter für die Gäste zu machen, können wir jetzt auch einen Film über die geologische Vielfalt Seifhennersdorfs und im Naturpark Zittauer Gebirge zeigen. Den 15-minütigen Film hat der Zittauer Klaus Müller für uns gedreht. Wir haben ein neues Logo für das Museum. Es zeigt den historisch Kopf von Karasek zweifarbig. Und auch der beliebte Seifhennersdorfer Kalender ist schon raus. Er ist auf 200 Stück limitiert. Wer ihn haben will, sollte erfahrungsgemäß nicht bis Weihnachten warten.