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Karger Rügenurlaub und bange Geburt im Jahrhundertwinter

Viele Leser sind dem Aufruf der SZ nach Geschichten aus dem Winter 1978/79 gefolgt. Ilona Mick erlebte aufregende Tage.

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So sah es im Jahrhundertwinter in Stolpen aus.
So sah es im Jahrhundertwinter in Stolpen aus. © Repro: Frank Baldauf

Meine Eltern und meine jüngste Schwester wohnten in Stolpen. Weihnachten und Silvester in diesem Jahrhundertwinter 1978/79 verbrachten sie auf der Insel Rügen in einem FDGB-Ferienheim. Sie haben oft davon erzählt. Es gab kaum noch was zu essen. Oder besser gesagt, es gab aufgetaute Torte und Ähnliches, was in den Kühltruhen sonst vergammelt wäre. Über Umwege und tagelange Reise kamen sie irgendwann zu Hause in Stolpen an. Niemand hatte Schaden genommen.

Ich habe aber auch selbst so einiges erlebt in diesem Jahrhundertwinter. Mein Mann und ich studierten zu dieser Zeit im zweiten Studienjahr an der TU Dresden Maschinenbau mit Lehrberichtigung. Am Nachmittag des 31. Dezember 1978 machten wir die letzten Federstriche zu einer Belegarbeit, die Anfang Januar 1979 abzugeben war.

Ich war hochschwanger. Der errechnete Geburtstermin war schon paar Tage überfällig. Langsam fing es an, zu schneien. Wir aßen noch Abendbrot. Danach machten wir uns auf den Weg zu Tante und Onkel. Der Schneefall wurde immer dichter und es war kalt. Wie das aber in der Jugend so ist, machten wir uns wenig Gedanken. Auf dem Nachhauseweg sahen wir, dass im Kulturhaus des AWD (Arzneimittelwerk Dresden), auf der Gartenstraße in Radebeul, kein Licht mehr brannte. Nur ganz wenig Kerzenschein. Da muss wohl eine Sicherung durchgebrannt sein, dachten wir noch. Es schneite und wehte ungewöhnlich stark. Zu Hause in unserem kleinen Zimmer schliefen wir schnell ein. Am nächsten Vormittag bekam ich Wehen und wir brauchten einen Krankentransport. Über Stunden hinweg warteten wir. Irgendwie habe ich im Krankenhaus Radebeul meinen Sohn zur Welt gebracht. Um 20.52 war er das erste Kind im neuen Jahr 1979, das in Radebeul geboren wurde. Alles gesund und munter. Während der Geburt brannte kaum Licht und ein Notstromaggregat sollte es richten, Aber das Gerät funktionierte nicht.

Autorin Ilona Mick ist 61 Jahre alt und wohnt in Dresden.

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