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Corona: Handarbeitsladen in Görlitz durfte wieder öffnen

„Karin's Kinderstübchen“ musste erst schließen. Doch nun ist es systemrelevant. Und vom Freistaat kommt jetzt auch Hilfe.

Karin Bock hat ihr Geschäft "Karin's Kinderstübchen" jetzt wieder eingeschränkt geöffnet, denn sie verkauft auch Stoff, aus dem Masken genäht werden können.
Karin Bock hat ihr Geschäft "Karin's Kinderstübchen" jetzt wieder eingeschränkt geöffnet, denn sie verkauft auch Stoff, aus dem Masken genäht werden können. © Nikolai Schmidt

Eigentlich ist Karin Bock immer sehr optimistisch. „In jüngster Zeit wollte mir das aber nicht so ganz gelingen“, sagt die Inhaberin von „Karin’s Kinderstübchen“, dem beliebten Handarbeitsladen auf der Kunnerwitzer Straße 3 in der Görlitzer Südstadt. „Ich brauche 1.000 Euro im Monat, um alle Kosten zu decken“, erzählt sie.

Doch seit sie – wie so viele Läden – am 19. März wegen der Corona-Lage schließen musste, sind ihre Einnahmen drastisch zurückgegangen. Bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) hat sie zwei Soforthilfe-Anträge eingereicht: Am 23. März auf ein Darlehen und am 31. März auf einen Zuschuss. Bis Montag hatte sie noch keine Rückmeldung.

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Bedarf nach Schutzmasken ist groß

Doch die 65-Jährige weiß sich zu helfen – und kann sich dabei der Hilfe ihrer Tochter und vieler anderer gewiss sein. „Tatsächlich ist für meinen Laden gerade jetzt Bedarf da“, sagt Karin Bock. Arztpraxen, Pflegedienste, aber auch viele Privatpersonen haben sich bei ihr gemeldet, weil sie Schutzmasken benötigen oder selbst herstellen wollen. Auch beim Landratsamt ist sie in der Liste derer, die Masken nähen können, aufgeführt. Also rief sie bei der Gewerbeaufsicht an, trug ihre Situation vor – und bekam ganz schnell die Zusage, wieder öffnen zu dürfen, allerdings mit Auflagen. Unter anderem darf immer nur ein Kunde im Laden sein. Das war am 25. März.

Seither hat sie sich vier „Standbeine“ aufgebaut: Sie verkauft im Laden (nach telefonischer Voranmeldung) Stoff und Gummibänder zum Nähen von Masken, sie liefert Waren aus, sie näht selbst ebenfalls Masken – und verkauft Gutscheine. Bei Letzteren helfen ihr Lausitz Matrix und die Agentur Machtwort, die den Gutscheinverkauf im Internet ankurbeln. Auf deren Internetseite gutescheine-goerlitz.de können Händler wie Karin Bock ihr Angebot präsentieren und Gutscheine verkaufen. „Das hilft mir wirklich sehr“, sagt sie.

Das wichtige Ostergeschäft fehlt dieses Jahr

Doch trotz vier Standbeinen: „Mit dem normalen Ostergeschäft ist es nicht zu vergleichen.“ Ihre Branche sei saisonal: Gerade von Herbst bis Frühling wird viel gebastelt. Im Sommer ist es ruhiger: „Das finanzielle Polster des Ostergeschäftes wird mir fehlen.“ Jetzt kommt noch ein weiteres Problem dazu: Das Gummiband ist fast ausverkauft, Nachschub momentan nicht in Sicht. „Wir stehen auf der Warteliste, müssen uns aber gedulden“, sagt Karin Bock.

Am Dienstag ist nun die Sache mit der SAB ins Rollen gekommen. SAB-Sprecherin Beate Bartsch hat den Fall auf SZ-Nachfrage geprüft – und festgestellt, dass der elektronische Antrag auf Zuschuss gar nicht bei der SAB angekommen ist. Wahrscheinlich lag es an einem fehlenden Knopfdruck. Karin Bock hat das am Dienstag sofort nachgeholt. „Daraufhin haben wir den Zuschussantrag bewilligt und ausgezahlt. Am Mittwoch dürfte das Geld auf dem Konto sein“, sagt Beate Bartsch.

"Karin's Kinderstübchen" : Telefon 03581 401231

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