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Karneval im Kino

Jahrelang feierten die Langebrücker in ihrem Lichtspielhaus. In diesem Jahr wird der Verein Latollka 50 Jahre alt.

© Willem gr. Darrelmann

Von Thomas Drendel

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Vor 30, 40 Jahren, immer zur Faschingszeit, da muss Langebrück ein Außenposten des Rheinlands gewesen sein, ein Vorort von Köln gewissermaßen. Da ging man abends nicht einfach zur Faschingsparty, Langebrück war Fasching. 1964 hatte sich das angedeutet. In diesem Jahr luden ein paar Enthusiasten zum Karneval in die alte Turnhalle neben dem Hotel Lindenhof ein. Es war voll, allen hat es gefallen. 1966 wurde dann der Karnevalsverein Latollka gegründet. Er ist damit der älteste Verein dieser Art im Rödertal. Beschlossen wurde das 1965 in der Jahreshauptversammlung des Turnvereins. Bis heute ist die Verbindung zwischen den Langebrücker Turnern und den Karnevalisten sehr eng. Man hilft sich gegenseitig. Einige Langebrücker sind in beiden Vereinen Mitglied. Den richtigen Schub bekamen die Langebrücker Narren fünf Jahre später. Der Langebrücker Kinobetreiber Wilfried Krüger öffnete sein Haus für den Karneval. Bei dem Kino handelte es sich um das heutige Bürgerhaus. Ab sofort wurde dort mehrere Tage lang Fasching gefeiert. „Was da für ein Aufwand getrieben wurde“, erinnert sich Hans-Egbert Korb, einer der positiv Faschingsverrückten in Langebrück. Die vorderen Stuhlreihen im Kinosaal wurden abmontiert, um Platz zum Tanzen zu schaffen. „Die Dinger waren höllisch schwer“, erinnert er sich. Wochenlang waren die Organisatoren damit beschäftigt, die Dekoration herzustellen. „Das waren richtige Kulissen aus Papier und Holz. Teilweise waren sie dreh- oder verschiebbar.“ Nicht immer waren die Vorbereitungen ungefährlich. Um die richtige Partyatmosphäre zu erhalten, wurde im Kinosaal eine Glitzerkugel aufgehangen. „Dazu mussten wir im Dachgeschoss über schmale Balken balancieren. Ein Fehltritt und wir wären durch den Gipskarton der Decke bis runter in den Saal gerauscht. Glücklicherweise ist alles gutgegangen.“ War der Saal hergerichtet, kamen die Langebrücker aus dem Feiern nicht heraus. Fünf Tage lang von Freitag bis Dienstag hieß es am Abend ab in den Saal. „Am Sonntag oder am Montag fragte man sich manchmal, muss das sein? Dann war es wieder herrlich“, erzählt Hans-Egbert Korb, der 1988 Präsident von Latollka wurde. Die Faschingsthemen orientierten sich an damaligen Ereignissen. Das Erste lautete passenderweise „Fasching in der Flimmerkiste“. Aber auch zum „Fröhlichen Jagen“ wurde geblasen oder es gab „Fasching am Heiderand“. Dass man mit einem Faschingsprogramm ins Fettnäpfchen treten konnte, wurde den Organisatoren schnell bewusst. „Die Polizei, oder wer auch immer da dahinter steckte, wollte das Programm immer vorher lesen. Allzu politische Anspielungen wurden rausgestrichen.“ Hans-Egbert Korb erinnert sich noch an ein Programm, bei dem aus Büchern von Karl Marx und von Karl May zitiert wurde. „Das kam bei manchem Amtsträger nicht so gut an. Aber der Saal hat getobt.“

Schlank und rank: Die erste Funkengarde sorgte in der Turnhalle am Lindenhof für Stimmung. © privat
Wer nicht spurte, wurde beim Langebrücker Fasching gefedert und geteert. © privat
Die Langebrücker Funken beim Röckeschwenken. Den Besuchern hats gefallen. Hunderte sahen sich das Programm an. © privat

Später, in dem Jahr als der damalige sowjetische Staatschef Leonid Breshnew starb, durfte über ihn nichts im Faschingsprogramm vorkommen. „Sonst wird der Abend abgebrochen, hat man uns gesagt.“

Ältester Karnevalverein im Rödertal

Eine Durststrecke begann mit der Schließung des Kinos 1988. „Wir mussten uns nach anderen Spielstätten umsehen.“ So gastierte der Langebrücker Fasching unter anderem im Speisesaal der Schule in Schönborn, er war in der Rödertalschänke in Liegau zu Gast, im Bürgerhaus in Klotzsche und in der Langebrücker Schule. „Das war schon nicht einfach. Wir konnten in die Räume nicht so rein, wie wir wollten, und mussten kurzfristig unsere Dekoration aufbauen. Zum Transport der Besucher haben wir sogar Bustransfer organisiert. Wir hatten in der Zeit weniger Gäste und weniger Platz.“ Mit der Eröffnung des Bürgerhauses in Langebrück 2003 war das kein Problem mehr. Der Langebrücker Fasching war wieder eine Institution. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Besucher etwas zurückgegangen, doch jetzt freut sich der älteste Karnevalverein im Rödertal auf die Saison. Sie steht unter dem Motto: „Latollka zeigt der ganzen Welt, was Mann und Frau zusammenhält.“ „Natürlich geht es dabei um das ewige Spannungsverhältnis zwischen den Geschlechtern im Beruf, bei der Arbeit oder selbst im Familienalltag.“Aus Anlass der 50-jährigen Vereinsgründung gibt es am 7. Februar zunächst eine Jubiläumsfeier. Dabei wird unter anderem der Historiker Hans-Werner Gebauer über die vergangenen Jahrzehnte sprechen. „Außerdem zeigen wir alte Karnevalsutensilien“, sagt Hans-Egbert Korb. Anschließend wird im Bürgerhaus gefeiert. Was sonst.

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