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„Karneval ist für uns harte Arbeit“

Tanja Kühn und Henry Polster vertreten den Riesaer Karnevalklub – und sorgen sich um das wachsende Desinteresse.

Das Prinzenpaar Tanja und Henry sowie das Kinderprinzenpaar Elena und Maxim repräsentieren den Riesaer Karnevalsklub in seiner 39. Saison.
Das Prinzenpaar Tanja und Henry sowie das Kinderprinzenpaar Elena und Maxim repräsentieren den Riesaer Karnevalsklub in seiner 39. Saison. © Sabine Herrmann

Riesa. Seit dem 11.11. fließt königliches Blut in ihren Adern. Denn mit Beginn der 39. Saison des Riesaer Karnevalklubs Sachsendreier (RKK) und Übergabe des goldenen Rathausschlüssels wurden Tanja Kühn und Henry Polster zum diesjährigen Prinzenpaar gekrönt. Zu Prinzessin Tanja und Prinz Henry. Doch während die ersten beiden Monate etwas ruhiger verliefen, beginnt erst jetzt so richtig das närrische Treiben in der Region.

Der Terminkalender des Prinzenpaares ist voll. Einen großen Auftritt hatte das Paar bereits Anfang Februar beim traditionellen Karnevalsempfang des Ministerpräsidenten in der Staatskanzlei, bei dem Michael Kretschmer natürlich auch den Riesaer Karnevalsorden verliehen wurde. 

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Außerdem stehen im Februar und März Foto- und Friseurtermine, Jubiläumsveranstaltungen, Festumzüge, Auftritte bei privaten oder Firmenfeiern und nicht zuletzt die eigenen Veranstaltungen des RKK an. „Das ist viel Arbeit“, gibt Prinz Henry zu. Doch er und seine Prinzessin sind Karnevalsprofis und närrischen Stress gewöhnt.

Seit 14 Jahren schon ist Tanja Kühn Teil des Riesaer Karnevalklubs, während ihr Ehemann beim befreundeten Strehlaer Carnevals Klub (RCC) aktiv ist. Dort ruft man allerdings „Strehla – Hella – Hello – Hellau “ während der fünften Jahreszeit, in Riesa dagegen „Riesa – Hellau“. 

Das ruft auch Tanja Kühn als Protokollführerin und Vizepräsidentin des Karnevalklubs mit insgesamt 16 Vereinsmitgliedern des Öfteren. Sie sei in die Ämter irgendwie reingerutscht, sagt sie selbst. Und schließlich machen ihr Verkleiden und „ein bisschen Blödsinn machen“ von jeher Spaß. „Wenn dann noch richtig Stimmung ist, finde ich das gut“, sagt die gebürtige Riesaerin. 

Zum dritten Mal bereits ist die Kellnerin Karnevalsprinzessin, das Kleid hat sie sich nach eigenen Vorstellungen in Zabeltitz schneidern lassen. Natürlich in den RKK-Farben Grün und Weiß.

Prinzenpaar mit Erfahrung

Grün-weiß ist auch der Anzug von Prinz Henry. Allerdings steckt dahinter noch eine ganz besondere Geschichte: Das Kostüm ist angelehnt an die Offiziersuniform der sächsischen Kavallerie im 18. Jahrhundert, erklärt Henry Polster. „Die war eigentlich blau, wegen der Vereinsfarben habe ich mich aber für Grün entschieden.“ 

Geschneidert wurde das Kostüm in Altenburg – und es ist ebenfalls bereits das Dritte für Henry Polster. Denn auch er ist bereits zum dritten Mal RKK-Prinz, allerdings zum ersten Mal an der Seite von Tanja Kühn.

Erst vor knapp sechs Jahren entschied sich der Polizeihauptmeister, im Karnevalsklub mitzumischen. Bei einem Tag der Vereine in der Riesaer Stadthalle Stern sei man ins Gespräch gekommen. Das Interesse aber reicht viel weiter zurück. „Ich war von Kindheit an immer beim Fasching dabei“, erinnert er sich, „verkleiden, tanzen, Spaß machen. Das habe ich wohl von meinem Opa geerbt. Der konnte schon im Zweiten Weltkrieg den ganzen Saal unterhalten. 

Deshalb finde ich es traurig, dass die Resonanz hier so gering ist.“ Den Umzug durch die Stadt gibt es längst nicht mehr, der Karnevalsklub schrumpft immer weiter… Für Henry Polster ist der Fasching ein wichtiges Brauchtum, das in Riesa auszusterben droht.

Zwillinge als Kinderprinzenpaar

Vielleicht liegt es an der Altersstruktur in Riesa, mutmaßt Henry Polster. Oder daran, dass Riesa eine Arbeiterstadt ist, der zudem ein schöner Saal zum Feiern fehlt. Die Stadthalle Stern anzumieten sei für den RKK nämlich finanziell nicht zu stemmen, zumal dort auch erst noch die Cateringfrage zu klären wäre, erklärt Tanja Kühn. 

In kleineren Orten wie Strehla funktioniere das Thema Fasching jedenfalls besser. Obwohl es auch da nicht nur ums Feiern und Trinken gehe. „Der Karneval ist für uns harte Arbeit. Die meisten Veranstaltungen gehen bis Mitternacht. Da trinke ich das erste Bier 0.30 Uhr“, sagt Henry Polster – und nicht nur, weil er für das Thema Prävention bei der Polizei zuständig ist. 

Mit Alkohol wird die Zunge schnell schwer und eine anständige Moderation unmöglich, erklärt er. Und schließlich wolle man den Leuten was bieten – das treibt den RKK und seine Mitglieder letztlich an. Und vielleicht steigt die Faschingseuphorie ja demnächst wieder.

Schließlich konnte der Riesaer Karnevalklub in seiner 39. Saison erstmals wieder ein Kinderprinzenpaar für sich gewinnen. „Das Thema habe ich mir ja ein wenig auf die Fahnen geschrieben“, sagt Tanja Kühn. 

Zum Glück hat eine befreundete Familie sofort zugestimmt, deren Kinder Elena und Maxim nun bei allen wichtigen Veranstaltungen dabei sind. „Die Zwillinge sind erst drei und machen schon toll mit“, schwärmt Tanja Kühn von den Knirpsen. Deren nächster großer Auftritt wird beim Kinderfasching in Gohlis sein.

Eine tolle Woche

Sonnabend, 2. März: 15 bis 17 Uhr Kinderfasching im Gasthof Gohlis, Eintritt: 3 Euro.

Sonnabend, 2.März: Faschingstanz in der Gaststätte Am Humboldtring Riesa, kleines Programm vom RKK.

Dienstag, 5. März: Offizieller Fototermin im Autohaus Gruma in Oschatz – Zuschauer sind erwünscht.

Aschermittwoch, 6. März: Rückgabe des goldenen Rathausschlüssels an Riesas OB Marco Müller.

Sonnabend, 9. März: Auskehrball im Bürgergarten Riesa, Eintritt: 12 Euro.

Tickets und Infos:  0172 9954748.