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Kartoffeln gesammelt für einen Elefanten Holger Menzer

Ich bin auf einem Bauernhof am Kalkberg in Bärenstein, der zur LPG gehörte, groß geworden. Der Vierseitenhof bestand aus einem Wohnhaus für mehrere Familien, Ställen und Scheunen. Die Scheunen war für uns Jungs natürlich ein phantastischer Abenteuerspielplatz.

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Ich bin auf einem Bauernhof am Kalkberg in Bärenstein, der zur LPG gehörte, groß geworden. Der Vierseitenhof bestand aus einem Wohnhaus für mehrere Familien, Ställen und Scheunen. Die Scheunen war für uns Jungs natürlich ein phantastischer Abenteuerspielplatz. Als Mutprobe sprangen wir aus gut fünf Metern Höhe vom Dachgebälk hinunter ins Heu.

In meiner Kinderzeit fuhren nur weinige Autos auf der Straße vor unserem Haus. Mit drei konnte ich deshalb noch unbesorgt mit dem Dreirad die Dorfstraße hinabsausen.

Im Winter war sie ein beliebter Rodelberg. Sobald der Teich mitten im Dorf eine geschlossene Eisdecke hatte, düsten wir mit Schlittschuhen darauf herum. Als Erstklässler las ich in der Zeitschrift „Bummi“, dass der fleißigste Kartoffelleser einen Elefanten bekommen sollte. Gleich nach der Schule rannte ich zur Erntezeit jeden Tag auf die umliegenden Äcker. Mit dreckigen Fingern direkt am Feldrand gegessen, waren die Vesperbrote von LPG-Köchin Helene Hauß besonders lecker. Den Zettel mit der Bestätigung, wie viele Kilo Knollen ich gelesen hatte, schickte Mutter an die Redaktion der Kinderzeitung. Kurz vor Weihnachten kam ein Päckchen. Darin war ein kleiner Elefant aus Stoff. Die Beine und der Rüssel ließen sich abnehmen. Ich war mächtig stolz auf dieses schwer erarbeitete Spielzeug.

Besonders gern bin ich am Wochenende und in den Ferien zu den Großeltern nach Dresden gefahren. Als Abteilungsleiter bei der LPG hatte Vater besonders im Sommer nur wenig Freizeit. Mutter war Unterstufenlehrerin. Während der Ernte packte sie nach der Arbeit noch im Stall oder auf dem Feld mit an. Dann kümmerten sich die Großeltern um mich und später um meine beiden jüngeren Schwestern. Sie wohnten in Laubegast. Einen Zettel mit ihrem Namen und der Telefonnummer in der Tasche, fuhr ich als Sechsjähriger zum ersten Mal allein mit dem Zug von Bärenstein nach Niedersedlitz. Dort musste ich in die Straßenbahn umsteigen und später noch mit der Fähre die Elbe überqueren. Das war ein großes Abenteuer.

Bei den Großeltern wurde es nie langweilig. Wir sind auf der Elbe gepaddelt, im Elbsandsteingebirge gewandert und oft ins Puppentheater gegangen. Mit acht bekam ich von ihm ein kleines transportables Theater und einige Puppen zum Geburtstag. Damit trat ich nur kurze Zeit später bei Familienfesten und sogar bei einigen LPG-Weihnachtsfeiern auf.

An eine Reise nach Moskau, gemeinsam mit Vater, erinnere ich mich ebenfalls noch gut. Genau zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution besuchten wir 1967 einen Onkel. Die große Parade auf dem Roten Platz und das mit tausenden Lichtern geschmückte Hauptpostamt beeindruckten mich.

Ab der achten Klasse arbeitete ich in den Ferien und am Wochenende oft im Schweine- und Kälberstall der LPG. Von dem erarbeiteten und gesparten Geld kaufte ich mir mit 14 mein erstes Moped, eine Jawa20. Stolz wie ein Spanier düste ich damit dann durchs Dorf.

Notiert von Karin Grießbach.