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Kaschel feiert wie in einer großen Familie

Das anhaltend milde Spätsommerwetter kam am Wochenende den Kascheler Bürgern bei ihrem Oktoberfest noch einmal entgegen: „Bei uns friert niemand“, sagte Annemarie Bahlo schmunzelnd der SZ, „denn unser...

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Von Jost Schmidtchen

Das anhaltend milde Spätsommerwetter kam am Wochenende den Kascheler Bürgern bei ihrem Oktoberfest noch einmal entgegen: „Bei uns friert niemand“, sagte Annemarie Bahlo schmunzelnd der SZ, „denn unser Festzelt können wir auch beheizen“.

Es war bereits das fünfte Oktoberfest, das der 1999 gegründete „Verein Einigkeit Kaschel e.V.“, dem heute 56 Mitglieder aller Altersgruppen angehören, auf die Beine stellte. Mit der Vereinsgründung beschloss man zugleich, das erste Oktoberfest zu feiern und das ist, wie auch viele andere Veranstaltungen, die der Verein organisiert, zur jährlichen Tradition geworden. Annemarie Bahlo ist die Vorsitzende und ihr steht ein rühriger Vorstand zur Seite. Ziele des Vereins sind vor allem die Pflege der Traditionen, Bräuche und Sitten sowie die Förderung des dörflichen Zusammenhalts.

Wie gut der funktioniert, zeigte sich beim Oktoberfest erneut. Das ist vereinsoffen, und eingeladen sind dazu alle Bürger der Gemeinde Klitten. Die ersten Besucher, die auf ihren Drahteseln angestrampelt kamen, waren Klittener: Hans-Jürgen Berg und seine Familie wurden mit großem Hallo begrüßt. Bei einer Tasse Kaffee und einem Schwätzchen mit den Nachbarn wollten sich Bergs das Oktoberfest nicht ganz entgehen lassen. Das Festzelt war schön geschmückt worden, fast so schön wie die Kirche es am nächsten Sonntag beim Erntedankfest auch sein wird. Äpfel, Birnen, Quitten, Walnüsse und Kürbisse hatten die Bürger bereit gestellt. Mit herbstlichen Ranken und trockenem Schilf wurde ein herbstliches Flair herbei gezaubert. Da machte das Schwätzchen bei Kaffee, Kuchen und Discomusik besonders viel Spaß.

Den Kuchen brachten die Oktoberfestbesucher mit. Die Frauen in Kaschel hatten gebacken. Auch Familie Katrin und Falk Mucke kam mit einem großen Teller voll Schokoladenkuchen und Tochter Caroline durfte die Brotschneidemaschine tragen, denn am Abend gab es dann auch noch belegte Brote.

Emma Rehle (85), Alma Winkler (84) und Elfriede Mirtschink (78) gehörten zu den ältesten Besuchern des Oktoberfestes. Weil sie nicht mehr so gut zu Fuß sind, brachten sie die Enkel mit dem Auto. „So oft ist man nicht mehr zusammen, wenn man älter wird“, sagte Frau Mirtschink der SZ. „Doch beim Oktoberfest sind wir immer dabei, da ist es sehr schön, und es gibt auch Überraschungen.“ Die gab es auch am Sonnabend. Die Evangelische Kirchgemeinde Klitten hatte dem Verein ihren Bus zur Verfügung gestellt und damit ging es gemeinsam mit den Senioren auf Rundfahrt in die nähere Umgebung.

Zur kulinarischen Tradition des Oktoberfestes gehörten wieder Fischsuppe und geräucherter Karpfen, am Abend dann Bratwurst und Schaschlik vom Grill und natürlich belegte Brote. Schließlich hatte die kleine Caroline ja die Brotschneidemaschine mitgebracht. DJ Frank sorgte für den guten Ton beim Nachmittagsprogramm „Kascheler Allerlei“ und bei den Spielrunden sowie für die Musik bis in die Nacht, denn es konnte im Festzelt natürlich auch getanzt werden.

Vereinschefin Annemarie Bahlo dankte den Sponsoren für ihre Unterstützung des Oktoberfestes und den aktiven Vereinsmitgliedern für die Hilfe bei der Vorbereitung. Die beginnt, wenn das Fest vorbei ist, gleich für das Folgejahr.

Christa und Gerd Woithe, beide sind selbst Vereinsmitglieder, betonten gegenüber der SZ, „dass in Kaschel gefeiert wird wie in einer großen Familie“. Der Zusammenhalt der Dorfbewohner zeige sich auch sonst bei vielen Anlässen, wenn Stunden der Gemütlichkeit gemeinsam verbracht werden., sagt das Ehepaar. Nach der Wende sei das gesellschaftliche Leben in Kaschel weitgehend eingeschlafen gewesen. „Doch mit der Vereinsgründung haben wir es wieder belebt. Deshalb ist das Oktoberfest auch keine Eintagsfliege, sondern es gibt im Jahreslauf eine Vielzahl von Veranstaltungen, die sich sehr großer Beliebtheit erfreuen.“