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Kasperiade an vier Tagen

Anderswo fallen Veranstaltungen wegen Corona aus. In Radebeul werden sie verlängert. Zusätzlich gibt es einen Weinboulevard auf der Hauptstraße.

Am Wochenende tanzen vor dem Kulturbahnhof in Radebeul-Ost wieder die Puppen. Und nicht nur dort: Auch rund um die Hauptstraße wird gespielt.
Am Wochenende tanzen vor dem Kulturbahnhof in Radebeul-Ost wieder die Puppen. Und nicht nur dort: Auch rund um die Hauptstraße wird gespielt. © Arvid Müller

Endlich ruft mal jemand an, nicht um abzusagen. Das hat Helmut Raeder in den letzten Wochen oft gehört, als er Künstler anfragte, ob sie zur 33. Radebeuler Kasperiade auftreten wollen. Die meisten Puppenspieler waren in den letzten Monaten arbeitslos, überall fielen Veranstaltungen wegen der Corona-Pandemie aus. Bei der Kasperiade soll es anders sein. Sie findet in diesem Jahr sogar länger statt: Nicht wie sonst an einem, sondern gleich an vier Tagen.

Damit sollen die Veranstaltungen entzerrt und zu große Menschenansammlungen vermieden werden, erklärt der künstlerische Leiter Raeder. Los geht’s mit dem ersten Teil an diesem Wochenende. Das Puppentheaterfestival verlässt – auch coronabedingt – seine gewohnten Spielstätten, geht ins Freie und kehrt damit genaugenommen zu seinen Wurzeln zurück. Denn vor 33 Jahren, als die Kasperiade zum ersten Mal stattfand, war das Fest für draußen konzipiert, erinnert sich Radebeuls Marktverantwortliche Cornelia Bielig. Gespielt wurde auf der Hauptstraße, die damals noch Ernst-Thälmann-Straße hieß.

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Musik und Theater auch auf der Hauptstraße

 Nun wird sie erstmalig nach vielen Jahren wieder ins Festgelände eingebunden. Sieben verschiedene Spielstätten gibt es, darunter Orte, die für die Veranstaltung ganz neu entdeckt wurden. Gespielt wird zum Beispiel in den Hinterhöfen vom Musikhaus Horn und der Weinhandlung Andrich. Die Aufführungen finden ohne Bühnen und Strom statt. „Einfach und unkompliziert“ soll es laut Helmut Raeder sein. „Wir denken, dass das Fest damit umso charmanter und unaufgeregter wird.“

Neu in diesem Jahr ist auch, dass die ansässigen Händler ins Festgeschehen eingebunden sind. Viele Geschäfte haben am Samstag bis 18 Uhr geöffnet. „Wir freuen uns, dass wieder Leben einkehrt“, sagt Friseurmeisterin Sabine Luft. Auch wenn alle Geschäfte seit einiger Zeit wieder geöffnet sind, seien viele Kunden noch zögerlich, manche auch ängstlich, sagt sie. Die Veranstaltung am Wochenende soll die Leute einladen, doch auch mal wieder in einem Laden vorbeizugucken, in dem sie vielleicht länger nicht waren. 

Viele haben sich kleine Überraschungen überlegt. Das Sonnenstudio in den Sidonienhöfen schenkt Cocktails aus, die Gaststätten bieten Speisen und Getränke auch draußen an. „Es ist an jeder Ecke etwas los“, freut sich Sabine Luft. Außerdem entsteht auf der gesperrten Hauptstraße ein gemütlicher Weinboulevard, bei dem acht Radebeuler Winzer zu dem ein oder anderen Gläschen Wein inmitten von Musik- und Theatergenuss einladen. Ähnlich wie vor zwei Wochen in Altkötzschenbroda sorgen Straßenmusiker für Unterhaltung.

Das verspricht das Programm

Die Aufführungen der Kasperiade finden am Samstag und Sonntag ab 13 Uhr statt. Auf der Haupt-, Ecke Wichernstraße erzählt Christian Bahrmann die Geschichte von Kasper und Dino. Märchenhaft wird es mit Rapunzel, dem Froschkönig, Dornröschen und russischen Märchen in den Höfen. Auch der Karl-May-Hain gehört zum Festgelände. Dort kommt der Schriftsteller persönlich vorbei und erzählt Geschichten. Eine Besonderheit auf dem Gelände der Grundschule Friedrich Schiller: Darstellerin Anne Klinge zeigt ihr Stück dort komplett mit den Füßen. Mit ihrem Fußtheater ist sie sonst weltweit auf Tour.

Als Höhepunkt spielen die Landesbühnen Sachsen am Samstagabend um 20.30 Uhr das Chansonprogramm „Ich war noch niemals in New York aber schon zweimal in Paris“ vor dem Kulturbahnhof. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei, die Künstler freuen sich aber über eine Spende in den Hut.

Kulturveranstaltungen gehen weiter

Kasperiade und Weinboulevard finden in diesem Jahr im Rahmen der „Radebeuler LebensArt“ statt, einem Programm, mit dem die Stadt das kulturelle und wirtschaftliche Leben nach dem Corona-Shutdown wieder in Schwung bringen will. Der zweite Teil des Puppentheaterfestivals ist für den 18. und 19. Juli geplant. Vorher wird es am 4. und 5. Juli erneut einen Weinboulevard in Altkötzschenbroda und ein musikalisches Picknick auf den Streuobstwiesen geben. Am 11. Juli findet dann noch einmal der Frischemarkt auf der Bahnhofstraße statt, die Sternwarte veranstaltet ein Sommerkino und Radebeuler Künstler laden zum Tag der Offenen Ateliergärten ein.

 Alle Programme unter www.kasperiade-radebeul.de und www.radebeul.de/lebensart

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