merken
PLUS Leben und Stil

Kasse zahlt Vorsorge ab dem ersten Zahn

Der neue Barmer-Report zeigt: Kitas und Schulen unterstützen bei der Zahnpflege. Doch verantwortlich sind die Eltern.

Die Zahngesundheit der Jüngsten im Freistaat Sachsen ist laut Barmer insgesamt besser geworden.
Die Zahngesundheit der Jüngsten im Freistaat Sachsen ist laut Barmer insgesamt besser geworden. © Patrick Pleul/dpa

Kindern fallen oft unzählige Dinge ein, die sie lieber tun als Zähneputzen. Dabei sollte die Zahnpflege als Ritual im Tagesablauf der Kleinen verankert werden, sobald der erste Milchzahn durchbricht. Auch der Besuch beim Zahnarzt für Untersuchungen der Früherkennung sind ab diesem Zeitpunkt möglich. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen vom sechsten bis zum 30. Lebensmonat zwei, ab anderthalb Jahren bis zum sechsten Lebensjahr noch einmal drei Kontrollbesuche. Und doch warten viele Eltern oft zu lange, bis sie mit dem Nachwuchs einen Zahnarzt aufsuchen, wie der aktuelle Barmer-Zahnreport ergeben hat. „Es ist ein Irrglaube, dass Karies im Kindesalter nicht dramatisch wäre, weil die Milchzähne ausfallen. Milchzahnkaries oder auch ungünstige Zahnstände können lebenslange Folgen haben“, sagt Fabian Magerl, Geschäftsführer der Barmer Sachsen.

Die Zahngesundheit der Jüngsten im Freistaat ist laut Magerl insgesamt besser geworden. Wesentliche Gründe dafür seien die verstärkte Aufklärung, das Bewusstsein für die Kariesgefahr und die Kommunikation zwischen Ärzten und jungen Eltern. Allerdings: „Wir stehen vor der Frage, wie wir vor allem die Erziehungsberechtigten erreichen, die mit ihren Kindern den Weg in die zahnärztliche Praxis nicht schaffen“, sagt Iris Hussock, Kieferorthopädin und Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege des Freistaates Sachsen (LAGZ). Obwohl genügend Angebote der Zahngesundheitsförderung existierten, würden nicht alle Eltern diese wahrnehmen.

sz-Reisen
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken

Bei SZ-Reisen findet jeder seine Traumreise. Egal ob Kreuzfahrt, Busreise, Flugreise oder Aktivurlaub - hier bekommen Sie für jedes Reiseangebot kompetente Beratung, besten Service und können direkt buchen.

Gruppenprophylaxe schafft Chancengerechtigkeit

So sind Kinderärzte seit 2016 verpflichtet, bei den U-Untersuchungen auch auf die Zähne der kleinen Patienten zu schauen und – wenn notwendig – eine Empfehlung für einen Zahnarztbesuch auszusprechen. Um Familien nach der Geburt des Kindes zu sensibilisieren, hat die LAGZ bereits 2009 einen blauen Zahnvorsorgepass entwickelt, der Eltern zusammen mit dem gelben Kindervorsorgepass übergeben wird. Er enthält Tipps zur Zahnpflege, listet alle Zahnvorsorgeuntersuchungen bis zum zwölften Lebensjahr auf und soll zur Dokumentation der Früherkennungsuntersuchungen dienen.

Ein Großteil der Heranwachsenden wird auch über die Gruppenprophylaxe erreicht, die landesweit in Kitas und Schulen angeboten wird. Dabei werden die Kinder altersgerecht und spielerisch über Mundhygiene aufgeklärt. Im vergangenen Schuljahr waren die Patenschaftszahnärzte und Zahnärzte der Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienste in 3.418 Kindergärten und Schulen im Einsatz. Eine Dreiviertelmillion Zahnbürsten, 150.000 Zahnpastatuben und 107.000 Fluoridlacke und -gele wurden verteilt, heißt es im Barmer-Report. „Mit den Bildungsimpulsen zur Mundgesundheit erreichen wir sehr viele Kinder, vor allem diejenigen, in deren Familien die Zahnpflege einen nicht so großen Stellenwert einnimmt“, sagt Birte Eckardt, Geschäftsführerin der LAGZ. Unter dem Gesichtspunkt der gesundheitlichen Chancengerechtigkeit spiele die Gruppenprophylaxe deshalb eine entscheidende Rolle.

Gesund Kochen mit Sarah Wiener

Auch über zahngesunde Ernährung wird bei der Gruppenprophylaxe aufgeklärt. Nach Ansicht der Barmer könnten sich verbindliche Qualitätsstandards für Essen in Gemeinschaftseinrichtungen positiv auf die Zahngesundheit auswirken. Aus diesem Grund hat die Krankenkasse die Ernährungsinitiative „Ich kann kochen!“ gemeinsam mit der Spitzenköchin Sarah Wiener ins Leben gerufen. Allein in Sachsen wurden seit 2016 rund 1.800 pädagogische Fachkräfte aus rund 1.000 Kitas, Grundschulen und Horten zu Genussbotschaftern ausgebildet.

Weiterführende Artikel

Kinder gehen zu spät zum Zahnarzt

Kinder gehen zu spät zum Zahnarzt

Die Barmer hat aktuelle Zahlen für den Landkreis Görlitz vorgelegt. Und appelliert an die Eltern.

Sachsens Kinder haben gesündere Zähne

Sachsens Kinder haben gesündere Zähne

Zwar geht Karies bei Kindern in Sachsen zurück. Doch noch zu wenige Eltern nutzen mit ihren Kindern die Vorsorge. Und auch soziale Unterschiede werden sichtbar.

„Jugend- und Kinderferienlager müssen ebenfalls im Sinne der Kinder- und Jugendzahngesundheit eingebunden werden“, empfiehlt Kieferorthopädin Iris Hussock. Das beste Mittel gegen schmerzende, kariöse Zähne sei Prävention. Laut der Medizinerin gehörten neben täglicher Zahnhygiene wie Zähneputzen auch regelmäßige Zahnarztbesuche dazu. „Denn aus Kindern mit kaputten Zähnen werden häufig auch Erwachsene mit Zahnproblemen“, sagt Fabian Magerl.

Mehr zum Thema Leben und Stil