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Kassenhäuschen ist abgesoffen

In Glashütte wurde der Prießnitzdamm angestaut – zur Probe. Über das Ergebnis wundern sich Einwohner.

© Frank Baldauf

Von Maik Brückner

Was ist hier los? Das fragte sich Heinz Bernard, als er vor einigen Tagen am Prießnitzdamm vorbeikam. Obwohl es in den Tagen zuvor hier nur wenig geregnet hatte, war hinter dem Damm so viel Wasser zusammengelaufen, dass sich ein kleiner See gebildet hatte und das Kassenhäuschen des seit einem Jahr geschlossenen Stadtbades halb unter Wasser stand. Heinz Bernard wurde misstrauisch. Als Jäger und Wanderer kommt er viel rum und das Prießnitztal kennt er wie seine Westentasche. Er wunderte sich nicht nur. Er wollte das geklärt haben. Denn er befürchtet, dass das aus Holz gefertigte Häuschen den Anstau nicht überstehen wird. Das wäre schade. Denn das Bad soll ja wieder aufgebaut werden. Deshalb griff der Glashütter zum Hörer und rief die für den Damm zuständige Landestalsperrenverwaltung (LTV) an.

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Dort wurde ihm erklärt, dass man ganz planmäßig die Prießnitz anstaue, um die Messeinrichtungen im Damm, der vor Kurzem in dieser Größe fertiggestellt wurde, testen wolle. „Es war ein sehr freundliches Gespräch“, erinnert sich Bernard. Er habe die Gelegenheit genutzt, um die LTV darauf hinzuweisen, dass es besser gewesen wäre, die Bürger rechtzeitig über das Anstauen zu informieren. Denn erst einige Tage nach dem Beginn des Anstauens gab es eine entsprechende Mitteilung. Katrin Schöne, LTV-Sprecherin, bestätigt das. Der Staatsbetrieb hat am 19. Mai darüber informiert. Mit dem Einstau wurde bereits am Nachmittag des 16. Mai begonnen. „Erst an diesem Tag wurde von der Probestaukommission aufgrund der Wettervorhersagen die Entscheidung getroffen, mit dem Probestau zu beginnen“, erklärt sie. Grund war, dass man die für den 17. und 18. Mai vorhergesagten Niederschläge nutzen wollte. Die zeitliche Verzögerung der Mitteilung stellte aus Sicht der LTV kein Problem dar, da keine Einschränkungen für Anlieger zu erwarten waren. Auch die Stadt Glashütte wusste Bescheid, denn sie gehört der Kommission an. „Die Stadtverwaltung hatte Kenntnis, dass das Bad und die Anlage an der Peripherie eingestaut werden.“ Heinz Bernard kann es nicht fassen. Wenn man dort Bescheid gewusst habe, dann hätte man reagieren müssen. „Dieses Kassenhäuschen musste doch nicht geopfert werden“, sagt er. Viele wären froh, wenn sie so ein Häuschen in ihrem Garten stehen hätten. Warum, so fragt er sich, wurde es nicht abgebaut? Oder kann man darauf verzichten, weil es für die Sanierung des Bades so viele Fördermittel gibt? „Diese Fragen werden nicht nur von mir so gestellt“, sagt Bernard.

Der stellvertretende Bauamtsleiter Lutz Grämer hat dazu die Antworten. Es sei richtig, dass Glashütte schon zeitig in die Anstaupläne eingeweiht worden war. Bereits im April sei man darüber informiert gewesen. Deshalb habe der Bauhof „alle nichtüberflutungsbeständigen Gegenstände“ aus dem Badgelände entfernt. Den im Badgelände verbliebenen Gegenständen, wie zum Beispiel den Spielgeräten aus Metall, macht die Überflutung nichts aus, erklärt er. Anders verhält es sich beim Kassenhäuschen. „Es ist mindestens 15 Jahre alt und hat schon zwei Überflutungen überlebt“, sagt Lutz Grämer.

Das Häuschen wurde von der Talsperrenverwaltung vor Auftrieb gesichert. Sollte es nach dem Anstau nicht mehr brauchbar sein, wäre es für den Zweck ohnehin nicht mehr tauglich. Über kurz oder lang müsse es ersetzt werden. „Abbau, Abtransport, Lagerung und Wiederaufbau sind wegen des relativ geringen Wertes des Häuschens nicht vertretbar“, argumentiert der Bauamtsmitarbeiter. Deshalb habe man es stehengelassen.

Der Probestau indes verläuft weiter nach Plan. „Es gibt keine Auffälligkeiten“, sagt LTV-Sprecherin Katrin Schöne. Am Freitagvormittag befanden sich etwa 50 000 Kubikmeter Wasser im Becken. So viel Wasser konnte der Prießnitzdamm vor seiner Erweiterung zurückhalten.