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Riesa

Eingezogenes Schülerticket sorgt für Unmut

Ein Busfahrer zieht die Fahrkarte eines Gymnasiasten ein. Auf Elternseite ist der Ärger groß. Das Verkehrsunternehmen sieht keine Verfehlung.

Ein Bild wie dieses ist Alltag in der Region: Viele Kinder und Jugendliche nehmen den Bus, um zur Schule und wieder nach Hause zu fahren. Beim Fahrpersonal müssen sie ihr Schülerticket einlesen. Doch das funktioniert nicht immer.
Ein Bild wie dieses ist Alltag in der Region: Viele Kinder und Jugendliche nehmen den Bus, um zur Schule und wieder nach Hause zu fahren. Beim Fahrpersonal müssen sie ihr Schülerticket einlesen. Doch das funktioniert nicht immer. © Archivfoto: Arvid Müller

Gröditz. Eva Kraft* ist noch immer extrem verärgert über diesen Freitag vor Pfingsten. Eigentlich hatte ihr Sohn da wie sonst auch mit dem Bus vom Gymnasium aus Großenhain nach Hause fahren sollen. Von dort habe der Busfahrer ihren Jungen aber nicht mitgenommen. „Eiskalt stehengelassen“ habe er den Fünftklässler und mit ihm einen weiteren Jungen, so die Gröditzerin.

Eva Kraft bringt das in Rage, weil ihr Sohn eigentlich ein Schülerticket besitzt. „Das haben wir ja auch schon vor Beginn des Schuljahres bezahlt.“ Doch das Ticket war dem Jungen an jenem Freitag vor Pfingsten abgenommen worden: Auf der morgendlichen Hinfahrt von Gröditz in die Schule hatte es der Busfahrer eingezogen. Das bestätigt die Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM). Von dort heißt es, die Fahrkarte sei „geknickt und nicht lesbar gewesen.“ Und damit nicht mehr gültig.

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Dazu muss man wissen: Seit zwei Jahren sind diese Tickets nicht mehr wie einst schlichte Papierkarten mit Passfoto. Es handelt sich vielmehr um elektronisch lesbare Chipkarten, die von Größe und Haptik an Kredit- oder EC-Karte erinnern. Wie die Geldkarten enthalten auch die elektronischen Tickets einen Chip. Der kann aus kurzer Distanz von entsprechender Technik im Bus ausgelesen werden. Das hat bei Eva Krafts Sohn aber nicht funktioniert.

Etwas, das nach VGM-Angaben hin und wieder vorkommt. Von mehreren Tausend elektronischen Fahrkarten, die an Schüler im Kreis Meißen ausgegeben sind, seien seit August 2018 mehr als 300 Stück als nicht lesbar registriert worden. Bei 120 davon sei der Grund dafür nicht feststellbar, so das Unternehmen. Bei 200 Stück lag es laut VGM daran, dass die Karte gerissen, zerschnitten oder geknickt war. – Geknickt soll auch die Karte von Eva Krafts Sohn gewesen sein, weswegen sie an jenem Freitag eingezogen wurde. Die Mutter bestreitet einen Schaden an der Karte, sie sei in Ordnung gewesen.

Die Gröditzerin erzählt, dass auch schon andere Eltern aus ihrem Bekanntenkreis erleben mussten, dass die Fahrkarten eingezogen werden. Um die Fahrkarte zurückzuerhalten beziehungsweise Ersatz zu bekommen, hätten die Bekannten nach Meißen gemusst. Das Verkehrsunternehmen zu kontaktieren, wie es ein Informationsbeleg empfiehlt, den der Busfahrer ihrem Sohn mitgegeben hat, widerstrebt der Gröditzerin. Die VGM habe schließlich das bezahlte Ticket eingezogen. Deshalb müsse sich das Unternehmen bei ihr melden, findet sie.

Die VGM verweist auf die geltenden Regeln. Und die sähen vor, dass die Eltern sich an das Unternehmen wenden, damit eine Ersatzkarte ausgestellt werden kann. Nach Meißen müsse man dafür nicht kommen. Es sei zum Beispiel möglich, diese im VGM-Betriebshof in Riesa abzuholen. Auch das Zuschicken nach Hause sei eine Option. Möglich sei allerdings, dass das etwas kostet: Für Duplikate der Fahrkarte werden Gebühren von bis zu 7,50 Euro erhoben. – Ein Mehrfaches der Kosten läuft derweil für Eva Kraft und ihre Familie derzeit auf. Damit ihr Sohn trotz eingezogenen Schülertickets mit dem Bus fahren darf, braucht er gültige Fahrscheine. Die kauft er nun jeden Tag. Eva Kraft setzt darauf, dass sie das Geld von der VGM erstattet bekommt. Das sei auch möglich, erklärt das Unternehmen – wenn die Beschädigung oder Nichtlesbarkeit der eingezogenen Fahrkarte vom Verkehrsunternehmen verursacht ist. Doch das dürfte eher nicht der Fall sein. Die VGM erklärt, sie rate den Eltern in jedem Fall dazu, schnell den Kundenservice zu kontaktieren.

Ob der Busfahrer Eva Krafts Sohn und dessen Freund an dem Freitag vor Pfingsten in Großenhain wirklich eiskalt hat stehenlassen, will das Unternehmen noch einmal prüfen. Sollte sich herausstellen, dass es so war, werde man mit dem Fahrer sprechen, dass es so nicht geht. Die Mitarbeiter seien eigentlich angewiesen, Schüler mitzunehmen – notfalls auch ohne gültiges Ticket, so die VGM.

* Name geändert

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