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Krisen-Treffen bei Kathleen

Bürgermeister und Politiker versuchen das Ende der Schokoladenfabrik in Oderwitz noch zu verhindern. Es gab ein erstes Gespräch. Wie geht's jetzt weiter?

Das Kathleen Schokoladenwerk in Oderwitz soll geschlossen werden.
Das Kathleen Schokoladenwerk in Oderwitz soll geschlossen werden. © Matthias Weber/photoweber.de

Wie rettet man ein Werk, wie die Schokoladenfabrik Kathleen in Oderwitz, dessen Unternehmensleitung schon offen den Schließungstermin bekannt gab? Im April 2022 soll die Produktion am Standort in Oderwitz eingestellt werden. Und schon im nächsten Jahr dieses Schicksal die von Kathleen aus gesteuerte Produktionsstätte im tschechischen Jablonec (Gablonz) ereilen. 

Wie von der Geschäftsführung von Riegelein-Rübezahl zugesagt, kam sie nun am Donnerstag nach Oderwitz zu einer Gesprächsrunde, an der neben dem Betriebsrat auch Bürgermeister Cornelius Stempel (parteilos) und CDU-Landtagsabgeordneter Stephan Meyer teilnahmen. 

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Beide Geschäftsführer von Riegelein-Rübezahl - Peter Riegelein und Claus Cersovsky - stellten am Vormittag, gleich zu Beginn der etwa zweistündigen Gesprächsrunde, die schwierige allgemeine Wirtschaftslage im Bereich der Süßwarenherstellung dar, die durch die Corona-Krise noch verschärft wurde.

Gemeinsame Umstimmungsversuche

"Wir haben gemeinsam versucht, die Geschäftsführung von ihren Plänen umzustimmen", schildert der Bürgermeister. Stephan Meyer habe die Bedeutung des Industriestandortes "Kathleen Schokolade" betont und bot für den Fall eines Weiterbetriebes staatliche Unterstützungen, wie etwa bei Modernisierungen an. Er hob auch hervor, dass Land, Landkreis und Kommune ein hohes Interesse daran haben, die Menschen in der Region zu halten, heißt es.

Cornelius Stempel hob unter anderem die starke Tradition der Schokoladenherstellung in Oderwitz hervor. Fast jede alteingesessene Familie im Ort besitzt Berührungspunkte mit dem Betrieb beziehungsweise seinen Vorgängern, schilderte er. "Deswegen ist es wichtig und fair, dass die Firmenleitung für alle Mitarbeiter individuelle Lösungen, wie einen Sozialplan, unabhängig von ihrem Alter oder Qualifizierungen erarbeitet und umsetzt", so der Bürgermeister.

Wie Cornelius Stempel aber auch berichtet, brachte die Geschäftsleitung eindeutig zum Ausdruck, dass der Entschluss zur Schließung definitiv ist und erst in den vergangenen drei Monaten gereift sowie final in der vergangenen Woche entschieden wurde. Oderwitz habe zudem noch einen Nachteil im Bereich Logistik und Infrastruktur gegenüber anderen Standorten.

"Danach nahm das Gespräch eine Wende. Denn es klang so, dass sie keinen Schritt mehr zurückgehen", sagt der Bürgermeister. Die Oderwitzer Mitarbeiter wurden ausdrücklich gelobt für ihre Motivation und Arbeitsmoral. Deswegen bietet die Geschäftsführung auch allen Stellen in anderen Filialen an.

Ob überhaupt, und wenn ja, wie viele Mitarbeiter davon Gebrauch machen, ist derzeit noch völlig unklar. Die Altersstruktur und die damit eng verwurzelte Heimatverbundenheit spielt dabei eine große Rolle, erklärt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Stefan Brussig.  

Etwa zwei Stunden hat die Geschäftsführung am Nachmittag noch separat mit dem Betriebsrat gesprochen. "Danach haben wir uns im Betriebsrat noch bis 17.30 Uhr beraten", erzählt Stefan Brussig. "Wichtig ist, die Arbeitsplätze im Ort zu halten - wie und in welcher Form auch immer", fügt er hinzu. 167 Mitarbeiter hat die Schokoladenfabrik Kathleen in Oderwitz.

Was wird mit der Wasserversorgung des Bades?

Bürgermeister Cornelius Stempel sprach gegenüber der Geschäftsführung auch die Folgeprobleme für die Gemeinde Oderwitz an. "Sie zeigten sich uns gegenüber in den Punkten Liegenschaft, Immobilie und bei der Wasserversorgung des Freibades gesprächsbereit", sagt er.  Es soll einen konstruktiven Dialog in den kommenden 22 Monaten geben, um diese Probleme möglichst lösen zu können.

Cornelius Stempel will sich das Wasserwerk von Kathleen, dass das Brunnenwasser für das Werk aufbereitet und auch das Freibad des Ortes speist, erklären lassen. "Die Immobilie können wir als Gemeinde natürlich nicht kaufen. Aber es muss eine Lösung geben", sagt er. 

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Die Mitarbeiter hatten es am Donnerstag erfahren. Die Produktion in Oderwitz wird aber nicht sofort eingestellt. 167 Beschäftigte sind betroffen.

Für den Bürgermeister verlief die Gesprächsrunde trotz bedrückter Stimmungslage sachlich und lösungsorientiert. "Es ist erst eine Woche seit der Ankündigung von der Schließung vergangen. Wir haben noch 22 Monate, um jetzt das Beste für unsere Mitarbeiter herauszuholen", meint der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Stefan Brussig.

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