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Katholischer Pfarrer gibt Abschied mit Trödelmarkt

Nur noch zwei Monate ist Pfarrer Krystian Burczek in Niesky. In seinen zehn Jahren hier hat er viel für die Stadt getan. Vor allem ein Projekt lag ihm am Herzen.

Am Sonnabend lädt Pfarrer Krystian Burczyk zum Trödelmarkt ein. Angeboten wird all das, was er nicht zu seiner nächsten Station in Cottbus mitnehmen möchte.
Am Sonnabend lädt Pfarrer Krystian Burczyk zum Trödelmarkt ein. Angeboten wird all das, was er nicht zu seiner nächsten Station in Cottbus mitnehmen möchte. © André Schulze

Krystian Burczek lacht, ist aufgeregt und vergnügt zugleich. Im Pfarrhaus werkelt sein Bruder aus der polnischen Heimat. Zusammen mit zwei Angestellten bringt er die Fenster in Ordnung und sorgt für neue Farbe. "Als Geschenk für meinen Nachfolger", erklärt der Pfarrer. Dabei wird er nachdenklich. Aber nur ein bisschen. Denn seitdem klar ist, dass er am 1. September im Cottbuser Knast als Gefängnis-Seelsorger anfängt, ist er noch mehr beschäftigt als sonst.

Burczek ist ein Mann, der an vielen Fronten kämpft. Die aktuell vordringlichste ist die Vorbereitung des kleinen Trödelmarktes, der am Sonnabend von 9 bis 17 Uhr auf dem Pfarrhof der Katholischen Kirche St. Josef stattfinden soll. Wer ein bisschen Kleingeld mitbringt - natürlich sind auch größere Summen erlaubt - kann eine alte Wanduhr bekommen, Bücher aus historischer und moderner Zeit, dazu Bilder, Gemälde, Porzellanfiguren. Außerdem ein Jahrzehnte alter Koffer, der einst dem Transport von Messgewändern diente. Und natürlich noch viel mehr. Der Erlös - das ist Burczeks Art - kommt Niesky, seiner Heimat auf Zeit, zugute. "Ein Teil wird für die Erhaltung unserer Holzkirche verwendet, der andere für den Aufbau des Autobahnschildes", hat sich der 55-Jährige festgelegt.

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Krystian Burczek und sein großes Anliegen. Zusammen mit Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann enthüllt er das touristische Hinweisschild für Niesky, das an der Autobahn aufgestellt werden soll. Mit verschiedenen Aktionen hatte der Pfarrer Geld dafür gesammel
Krystian Burczek und sein großes Anliegen. Zusammen mit Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann enthüllt er das touristische Hinweisschild für Niesky, das an der Autobahn aufgestellt werden soll. Mit verschiedenen Aktionen hatte der Pfarrer Geld dafür gesammel © André Schulze

Der touristische Hinweis, auf dem auch das mit seiner Holzkonstruktion so seltene Gotteshaus zu sehen ist, hat den Pfarrer viel beschäftigt in der letzten Zeit. Er sei wichtig, um Besucher auf die Stadt aufmerksam zu machen, sagt er. Deshalb hat er daran mitgewirkt, das Schild auf den Weg zu bringen und die unterschiedlichsten Aktionen dafür initiiert. Unter anderem ein Konzert mit Lichtspektakel. Das brachte ein paar hundert Euro ein. So konnte die braune Metalltafel zumindest angefertigt werden. Zu sehen ist sie seitdem im altehrwürdigen Holzkonsum an der Wachsmannstraße. Der gehört Burczek. Und er möchte, dass hier auch nach seinem Abschied Leben ist. "Ich will einen Freundeskreis für die Holzbauten der Firma Christoph und Unmack gründen. Gespräche gibt es schon. Das wäre eine tolle Sache für die Stadt. Schon jetzt kommen Menschen aus aller Welt, um sich unsere 'Holzbauten der Moderne' anzusehen."

Burczek hat viel erlebt in seinen zehn Jahren als Pfarrer der katholichen Gemeinde St. Josef. Für ihn war es nach Reichenbach-Mengelsdorf die zweite Pfarrstelle in Deutschland. "Ich wollte eine neue Herausforderung, hatte bei meinem Vorgänger schon ein paar Mal als Prediger ausgeholfen - kannte also Kirche und Gemeinde", erinnert sich der Mann, der aus Oppeln (Opole) stammt und dort 1989 seine Priesterweihe erhielt. Nach Deutschland kam er, als der inzwischen verstorbene Bischof Huhn im Nachbarland um Pfarrer warb. Seine Dienstjahre in Niesky, Rothenburg und weiteren 23 Orten der Umgebung beschreibt er als eine "sehr interessante, aber auch mit vielen Aufgaben gespickte" Zeit.

Zu Ostern hatte Krystian Burczek auf dem Gelände der Katholischen Kirche die 14 Stationen des Kreuzwegs aufgebaut. Die 15. Station war mit der Auferstehung ein Symbol der Hoffnung in der aktuellen Krisenzeit. Zugleich gab es für die Spaziergänger kleine G
Zu Ostern hatte Krystian Burczek auf dem Gelände der Katholischen Kirche die 14 Stationen des Kreuzwegs aufgebaut. Die 15. Station war mit der Auferstehung ein Symbol der Hoffnung in der aktuellen Krisenzeit. Zugleich gab es für die Spaziergänger kleine G © André Schulze

Gleich zu Beginn begann er das Pfarrhaus zu sanieren. Das Hauptaugenmerk legte er aber auf die von der Nieskyer Firma Christoph und Unmack erbaute Kirche. Unter seiner Regie fand das Bauwerk Eingang in die "Holzhausfamilie" der Stadt. Beginnend 2012 wurde "aus dem Rohdiamant eine Perle", wie Burczek die Entwicklung des Gebäudes beschreibt. Der Pfarrer ist froh, dass er diesen Weg beschritten hat: "Erst am vergangenen Sonntag, ich war gerade beim Essen kochen, klopften acht Leute aus Dresden an meine Tür. Sie fragten, ob sie die Kirche besichtigen können. Natürlich habe ich ihnen das Haus gezeigt."

Abschied der Schafe vom Rothenburger Pfarrhof. Als der Wolf den Bestand in der Naturschutzstation Förstgen dezimierte, sagte Krystian Burczek sofort Hlfe zu und verschenkte die kleine Herde.
Abschied der Schafe vom Rothenburger Pfarrhof. Als der Wolf den Bestand in der Naturschutzstation Förstgen dezimierte, sagte Krystian Burczek sofort Hlfe zu und verschenkte die kleine Herde. © André Schulze

Geklopft haben im Laufe der Zeit auch noch andere Menschen an des Pfarrers Tür. 2015 standen, mitten in der sich abzeichnenden Flüchtlingswelle, plötzlich 30 junge Männer auf dem Pfarrhof. "Keiner wusste richtig damit umzugehen. Ich habe sie erstmal reingelassen. Nachdem sie verteilt wurden, sind sie ins Pfarrhaus immer wieder zum Deutschunterricht gekommen." An eine ähnliche Situation erinnert sich Burczek in Rothenburg. "Es war der 8. August. Wir feierten gerade Mariä Himmelfahrt. Da hielt ein Auto, aus der eine elfköpfige Großfamilie aus Tschetschenien stieg." Im Pfarrhaus fanden sie eine Unterkunft. Mit dem Vater, einem Imam, sprach der Katholik zu Weihnachten sogar ein Friedensgebet.

Die Ökumene lag Krystian Burczek während seiner Nieskyer Zeit sehr am Herzen. Zusammen mit Pfarrerin Christine Pietsch von der Brüdergemeine initiiete er manches Projekt.
Die Ökumene lag Krystian Burczek während seiner Nieskyer Zeit sehr am Herzen. Zusammen mit Pfarrerin Christine Pietsch von der Brüdergemeine initiiete er manches Projekt. © André Schulze

Über all die Jahre ist die Ökumene für Krystian Burczek sehr wichtig geblieben. "In Niesky haben wir einen ökumenischen Konvent, der sich zweimal im Jahr zusammensetzt und ganz unkompliziert verschiedene Dinge bespricht. Diese Runde werde ich ganz bestimmt vermissen." Nicht nur, weil die evangelischen Kollegen froh waren, als sein 2017 vom Bistum geplanter Wechsel nach Guben nicht zustande kam. Diesmal wird es nicht wie damals eine spontane Freudenrunde im Pfarrgarten geben. "Die Versetzung nach Cottbus steht fest", sagt Burczek. Und er ist auch ein bisschen froh darüber. Denn auf die Stelle als Gefängnis-Seelsorger hat er sich gezielt beworben. "Ich mache das nebenbei ja schon seit 1999 für die Insassen der Görlitzer Vollzugsanstalt. Und weiß deshalb, auf was ich mich da einlasse." Im Laufe der Jahre hat er den Unterschied kennengelernt. "Draußen läuft man den Menschen oft hinterher. Drinnen kommen sie zu mir."

Pfarrer Krystian Burczek war in seiner katholischen Gemeinde St. Josef immer für die Jugend da. Hier beschäftigen sich die Kinder mit der Vielfalt der Europäischen Union sowie den Flaggen, die dahinter stehen.
Pfarrer Krystian Burczek war in seiner katholischen Gemeinde St. Josef immer für die Jugend da. Hier beschäftigen sich die Kinder mit der Vielfalt der Europäischen Union sowie den Flaggen, die dahinter stehen. © André Schulze

In Niesky wird Krystian Burczek jedoch fehlen. Christine Pietsch, die Pfarrerin der Brüdergemeine, schätzt seine offene, ehrliche Art. Und dass er stets für gemeinsame Projekte beider christlichen Kirchen zu begeistern war. "Wir haben viele Dinge zusammen gestaltet, wenn ich nur an den Martinstag oder die Bibelwoche denke." Claudia Wieltsch, die Chefin des Wachsmannhauses, empfindet den Weggang des beliebten Pfarrers als großen Verlust. "Er hat ja nicht nur die katholische Kirchgemeinde in der Stadt geprägt. Für uns war er auch als Partner des Holzhausbaus sehr wichtig." Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann hat vor allem sein Engagement für das Autobahnschild schätzen gelernt. Noch ist es nicht aufgestellt. Aber bevor Burczek geht, hofft sie, dass sie ihm den Abschied mit einer positiven Mitteilung etwas erleichtern kann.

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