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Feuilleton

So war das Konzert von Katie Melua in Dresden

Eine schöne Millionärin mit Gitarre verzaubert das Publikum in der Jungen Garde. Ab und zu hätte etwas Schmerz gut getan.

Katie Melua wurde bekannt durch Lieder wie "Nine Million Bicycles".
Katie Melua wurde bekannt durch Lieder wie "Nine Million Bicycles". © Thomas Kretschel

Von Johannes Gerstengarbe

Am Dienstagabend stand eine spanisch anmutende Frau mit fast schwarzen Haaren und einem roten langen Kleid auf der Bühne der Jungen Garde in Dresden. Sie wirkte etwas verloren und hatte eine Lagerfeuergitarre umhängen. Ihr Name: Ketevan „Katie“ Melua. Geboren in Georgien, aufgewachsen auf den, bald ehemalig zur EU gehörigen, britischen Inseln. Sie sang sehr schön.

Am Anfang gelegentlich etwas schief, aber es war nie schlimm. Im Laufe des Konzertes wurde sie auch intonatorisch immer sicherer. Die Ansagen waren extrem höflich. Es gibt Bands, die das Konzept der Publikumsbeschimpfung perfektioniert haben. Bei Katie Melua ging es eher in die andere Richtung: Loben, was das Zeug hält. Da das Publikum, außer in lauer Abendluft sitzend angenehmer Musik zu lauschen und gelegentlich zu applaudieren, nichts leisten musste, kann man sogar von Einschleimen sprechen. 

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Das war aber gar nicht nötig, der Großteil der fast ausverkauften Garde guckte sowieso von Anfang an verliebt in Richtung Bühne. Die Band aus Bass, Schlagzeug, E-Gitarre und Keyboards begleitete die Sängerin perfekt bei ihren schwärmerischen, ruhigen Liedern.

© Thomas Kretschel

Das Publikum bekam das mit großartigem Sound serviert. Und zwar von einer Frau hinter den Reglern: Bryony October. Frauen am FOH (Front of House), dem Mischpult für den Klang im Publikum, sind in der Musikbranche leider immer noch eine Seltenheit. Wenn anzutreffen, dann kann man sich meist auf einen warmen, ausgeglichenen Klang freuen.

Apropos warmer Klang: Zurab Melua spielte eine sehr geschmackvolle Leadgitarre. Der Bruder von Katie ist ansonsten eher rockig unterwegs. Mit ihrem Ehemann spielt er in der Band Toseland. In Dresden überzeugte er mit Sounds, die auch bei Norah Jones passen würden.

Überhaupt war der Gestus ähnlich wie auf den frühen Norah-Jones-Alben, bloß mit einem Hauch mehr Adrenalin.

© Thomas Kretschel

Die beiden ersten Zugaben gab Katie Melua alleine mit Gitarre. Das letzte Lied war wieder mit Band. "What a wonderful world" sang die Millionärin mit der glockenhellen Stimme. Und meinte es sicher auch so. Irgendwie fehlte dabei der Schmerz. Die Tiefe eines Louis Armstrong. Das Kaputte, die andere Seite der Medaille. An diesem Abend gab es sie nicht, von Liebeskummer abgesehen. Das Publikum genoss es sichtlich, die schweren Gedanken mal vergessen zu können.

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