merken
PLUS Döbeln

Katzen-Chaos in Ostrau

49 Katzen wurden innerhalb von zwei Monaten im Tierheim abgegeben. So schlimm war es noch nie.

Seit Jahresbeginn wurden rund 100 Katzen im Tierheim Ostrau abgegeben. Carmen Posner mit einem besonders jungen Vierbeiner.
Seit Jahresbeginn wurden rund 100 Katzen im Tierheim Ostrau abgegeben. Carmen Posner mit einem besonders jungen Vierbeiner. © Dietmar Thomas

Von Rasmus Wittrin

Ostrau. Süß sehen sie aus, die kleinen Kätzchen. Und so hilflos. Wer ein Herz für Tiere hat, zögert oft nicht lange, wenn er oder sie Katzenjunge findet. Schnell werden die Tierchen eingepackt und ins Tierheim gefahren.

Reppe & Partner Immobilien
Reppe & Partner Immobilien
Reppe & Partner Immobilien

Bietet Ihnen das komplette Rundum-sorglos-Paket für Ihr Immobilieneigentum.

So wurden allein im Mai und Juni 49 Katzen im Tierheim Ostrau abgegeben – innerhalb von 61 Tagen. Das bedeutet fast jeden Tag einen Neuzugang. Im Juli wurden 15 Katzen abgegeben, im August bereits 28. Seit Jahresbeginn sind es insgesamt 100.

Dabei hat das Heim nur Platz für etwa 60 Tiere. Jetzt ist alles besetzt, sagt Tierheimmitarbeiterin Carmen Posner. „So schlimm ist es noch nie gewesen.“ Besonders schwierig sei die Situation bei den Kitten, also jungen Katzen. Die müssen in gesonderte Quarantäne-Boxen, damit sie sich nicht mit Krankheiten infizieren. Doch mittlerweile seien, so Posner, alle 17 Boxen belegt. Es gibt es nur noch Notfallplätze für kranke und verletzte Tiere.

Auch das Tierheim in Leisnig bekommt täglich Anfragen, ob ein kleiner Vierbeiner abgegeben werden kann, berichtet Mitarbeiterin Simone Landgraf. Doch dort können ebenso keine Katzen mehr aufgenommen werden. Vorrangiger Grund dafür ist aber eine Katzenkrankheit.

Als Hauptgrund für die Zunahme vermeintlich herrenloser Katzen vermutet Posner, dass zu viele Katzenbesitzer ihre Vierbeiner nicht kastrieren lassen. „Die Population ist zu hoch, es werden immer mehr“, so die Tierheimmitarbeiterin. Würde jeder Katzenbesitzer sein Tier – ob männlich oder weiblich – kastrieren lassen, wäre schon viel geholfen. Denn Katzen können mehrmals im Jahr Nachwuchs bekommen.

Posner betont allerdings: „Nicht jede freilaufende Katze ist herrenlos.“ Geschätzt die Hälfte der abgegebenen Katzen habe eigentlich einen Besitzer: Bei ihnen handle es sich häufig um Freigänger, die tagsüber herumstreifen und erst abends wieder nach Hause kommen. Dass es sich bei einem Vierbeiner um einen Freigänger und nicht um einen Streuner handelt, erkenne man daran, dass das Tier zutraulich ist und gepflegt aussieht.

Auch im Tierheim werden Freigänger versorgt, wenn sie sich in der Nähe aufhalten. Mit dem Unterschied allerdings, dass sie dort nicht in einem abgeschlossenen Raum gehalten werden. Denn drinnen würden sie verrückt werden, erklärt Posner: „Draußen können sie ihrem fröhlichen Katzenleben nachgehen.“

Ein anderer Grund für die vielen Fundkatzen könnte auch das warme Wetter sein. Dadurch, so vermutet die Frau, setzt die Rolligkeit bei Katzendamen früher ein als sonst. „Normalerweise ist September und Oktober die Stoßzeit für Katzenjungen“, erklärt sie. Dieses Jahr dagegen seien die ersten Katzenbabys bereits Mitte August gekommen.

Wenn jemand einen Vierbeiner sieht, und sich nicht sicher ist, ob er einen Besitzer hat, reicht es, erst einmal zu beobachten. Nur wenn sich die Vermutung bestätigt oder das Tier krank ist, sollte etwas unternommen werden.

Anstatt direkt bei einem Tierheim anzurufen, soll die zuständige Gemeinde benachrichtigt werden. Die trete dann mit einem Tierheim in Kontakt, um einen geeigneten Platz zu finden, erklärt Posner. Das Füttern fremder Tiere sei zwar gut gemeint, allerdings grundsätzlich keine gute Idee. Freigänger blieben häufig dort, wo sie das beste Essen bekommen — und kommen deshalb immer wieder, wenn sie ein paar Mal am selben Haus mit Leckerbissen versorgt wurden.

Nach ein paar Wochen, in denen sich noch sorgsam um die eigentlich fremde Katze gekümmert wurde, wird es oftmals dann doch zu viel; spätestens, wenn Junge kommen. Dann soll plötzlich das Tierheim zuständig sein und eine Katze wird abgegeben, während sich anderswo „ein Kind die Augen ausweint“, meint Posner.

Wegen der angespannten Lage muss Posner häufig darum bitten, gefundene Katzen selbst zu versorgen, bis ein Platz im Tierheim frei geworden ist. Wer sich einer Katze annehmen will, muss „nicht unbedingt Katzenerfahrung, dafür aber ein großes Herz“ mitbringen, sagt Carmen Posner. „Tierliebe“ sei die wichtigste Voraussetzung, um den Katzen aus dem Tierheim ein neues, behütetes Zuhause zu geben.

Vor allem Kitten können meist schnell vermittelt werden. Schwieriger ist es bei den Freigängern im Tierheim, weil sie scheuer sind und ein Leben in einer Wohnung nicht gewohnt sind.

Mehr zum Thema Döbeln