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Kaufen? Bilder malt er selbst

Edward Zgonina malt wieder. Die Bilder des Hobbykünstlers bestechen durch ihre satten, kräftigen Farben.

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Von Dagmar Doms-Berger

Poststraße 10 in Leisnig. Hier wohnt, lebt und arbeitet Edward Zgonina. Kurz nach dem Betätigen des Klingelknopfes erscheint ein blonder Frauenschopf mit einer freundlichen Stimme aus dem Fenster des Obergeschosses. „Mein Mann ist schon unten in seinem Arbeitszimmer.“ Kurz darauf blickt der Maler selbst aus seinem Wirkungsbereich, der eher einer Werkstatt gleicht. Hier liegen fein sortiert lange Holzlatten auf der Ablage. Material und Werkzeug deuten eher auf einen Handwerker hin. Daneben finden sich Leinwände verschiedener Größen auf Vorrat, Bilderrahmen unterschiedlicher Machart, Farben, eine große Auswahl an Pinseln, die scheinbar unsortiert bereitliegen und die Staffelei mit einem Lehnstuhl im lichtdurchfluteten Bereich der Werkstatt.

Handwerker und Künstler

Edward Zgonina ist Maler im doppelten Sinn. Er ist der Mann fürs Grobe als auch fürs Feine. Das heißt, er kann das handwerkliche mit dem künstlerischen verbinden. Der 48-Jährige hat von der Pike auf das Malerhandwerk gelernt und praktiziert es bei einer Fertigteilhausfirma.

Die künstlerische Malerei hat er vor zweieinhalb Jahren wieder für sich entdeckt und widmet sich seinem Hobby seitdem wieder intensiver. Eine Schlüsselsituation gab den Ansporn dazu. „Meine Frau hat stets viel Bilder gekauft“, erinnert er sich. Daraufhin hat er zu ihr gesagt, dass sie sie nicht kaufen müsse. Denn Bilder malen könne er schließlich selbst. Gesagt, getan. Ehefrau Ilona machte Nägel mit Köpfen und schenkte ihrem Mann wenig später das passende Utensil: Ölmalfarbe. Edward Zgonina griff wieder zum Pinsel und füllte weiße Flächen mit satten und kräftigen Farben.

Unterschrift als Kunstobjekt

Genau genommen hat Edward Zgonina seine künstlerische Ader mit den Genen bekommen. Schon seine Mutter habe damals Wände mit Landschaften bemalt, erinnert sich Zgonina. Während der Schulzeit lebte er seine Begabung auf etwas skurrile Art aus. Er hatte es drauf, sämtliche Unterschriften der Eltern seiner Mitschüler nachzuahmen. „Noch heute ist das ein beliebtes Thema auf den Klassentreffen, das für allgemeine Erheiterung sorgt“, sagt der Maler schmunzelnd.

Während der Armeezeit fing Zgonina intensiv an zu malen. Er hatte Zeit, sich der Kunst hinzugeben. Dann aber passierte lange Jahre nichts. „Rund 20 Jahre habe ich die kleinen Pinsel nicht angefasst“, sagt Zgonina.

Die Fähigkeit, zu porträtieren und stimmungsvolle Landschaftsbilder zu malen, hat sich Edward Zgonina selbst angeeignet. Er besuchte weder Kurse noch Seminare. „Entweder du kannst es oder lässt es“, ist seine Devise. Gern gibt er seinen Bildern eine zweite Ebene, die nur aufmerksamen Betrachtern zugänglich ist. In seinem Hochwasserbild von Klosterbuch scheint der Geist des Wassers transparent, dennoch bedrohlich durch die Fluten. Edward Zgonina hat das Bild hoch oben in seiner Werkstatt aufgehängt.

Über 70 Werke entstanden

Beim diesjährigen Altstadtfest war Edward Zgonina mit seinen Bildern an einem Stand präsent. Er hatte den Eindruck, dass besonders die Porträts auf Interesse stießen. Anfragen für Auftragswerke gab es auch schon.

„Das Malen geschieht in Phasen“, sagt Zgonina. „Da kann es passieren, dass ich tagelang kaum aus meiner Werkstatt herauskomme und bis spät in die Nacht meine Zeit hier unten verbringe. Dann gibt es wieder Tage oder gar Wochen, in denen ich den Pinsel nicht anfassen kann.“

In seiner zweieinhalbjährigen Schaffensphase sind über 70 Werke entstanden. Zgonina sammelt seine Bilder um sich herum. Für die eigenen Bilder reicht seine Malerwerkstatt bei weitem nicht mehr aus.

Sein Stil ist die gegenständliche Malerei, die genaue Wiedergabe des Tatsächlichen. Als gläubiger Katholik hatte es ihm ein Bildnis des Pabstes angetan. Er nutzte es als Vorlage und zeichnete das Oberhaupt haargenau mit allen Falten und Furchen. Das fertige Bild rahmte er in Blau mit einem zarten Goldstrich und gab ihm einen würdigen Platz inmitten seiner anderen Bilder. Manche Bilder verschenke er auch, sagt Zgonina. Das Pabstbild gebe er nicht her. „Diese Porträts malt man nur ein Mal“, sagt der Hobbykünstler. Genauso wie das Bild von „Sitting Bull“. Farbenprächtig und stolz blickt der führende Indianerkopf von der Leinwand.

Walpurgisnacht ist Thema

Gegenwärtig malt Zgonina an seiner Walpurgisnacht. Das Bild zeigt eine mystische Nachtsituation mit einer vorbeischwebenden Hexe.

Seine Kunst verewigt der Leisniger nicht nur auf Leinwänden. Alte Milchkannen und Holztruhen sind ebenso Objekte seiner Kreativität. Die Holztruhen restauriert Zgonina selbst. Im Handwerksbereich gibt es kaum etwas, was der Leisniger nicht kann.