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Kaufhausbau am Wiener Platz ungewiss

Als Wiener Platz wird die Fläche zwischen Hauptbahnhof und Prager Straße bezeichnet. Mehr als über den Platz wird jedoch über das Wiener Loch diskutiert. Zur Gegenwart Der Wiener Platz hat sich stark verändert.

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Von Bettina Klemm

Als Wiener Platz wird die Fläche zwischen Hauptbahnhof und Prager Straße bezeichnet. Mehr als über den Platz wird jedoch über das Wiener Loch diskutiert.

Zur Gegenwart

Der Wiener Platz hat sich stark verändert. Der Hauptbahnhof wurde saniert und hat nach den Plänen des britischen Stararchitekten Norman Forster ein Membrandach erhalten. Der Bahnhofsvorplatz erfuhr nach den Entwürfen des Dresdner Architekten Siegbert Langner von Hatzfeldt eine Neugestaltung. Inzwischen sind die meisten der einst geplanten Gebäude errichtet.

In diesem Jahr wurde das Intercity-Hotel am Bahnhof eingeweiht. Stein des Anstoßes bildet jedoch noch immer eine riesige Baugrube in der Mitte des Platzes.

Das Wiener Loch

Ursprünglich sollte an dieser Stelle ein Kaufhaus errichtet werden. Die Baugrube wurde auf Wunsch von Investoren schon ausgehoben, dann haben sich die Pläne zerschlagen. Lange Zeit plante die Stadt als Ersatz einen Neubau, in dem die Dresdner Staatsoperette eine neue Spielstätte erhalten sollte. Doch im Oktober 2007 waren auch diese Pläne gescheitert.

Die Zukunft

In diesem Jahr hat der Stadtrat beschlossen, das Grundstück an die HLG Projektmanagement GmbH zu verkaufen. Das Unternehmen will ein rund 100 Millionen Euro teures Einkaufszentrum errichten. Allerdings hat es den Kaufvertrag, wie Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann bestätigt, noch immer nicht unterschrieben. „Wir halten aber an den Plänen fest“, versicherte kurz vor Weihnachten HLG-Projektleiter Christian Diesen.

„An der Westseite des Wiener Platzes planen wir einen zentralen Busbahnhof“, sagt Andreas Wurff, Leiter des Stadtplanungsamtes. 2010 könnte das Vorhaben realisiert werden.

Zur Geschichte

Ihr Bahnhofsvorplatz schien den Dresdnern immer wichtig zu sein. Schon auf dem freien Platz vor dem ersten Böhmischen Bahnhof, er wurde 1848 bis 1852 gebaut, erfreuten sich Sommerkonzerte großer Beliebtheit. 1892 begann der Bau des Dresdner Hauptbahnhofs, den König Albert von Sachsen am 23. April 1898, seinem Geburtstag, eröffnet hat. Ein kleiner Rundbau an der Nordseite bildete den ehemaligen Sondereingang zum königlichen Gleis. Später wurde der Königspavillon als Kino genutzt.

Zu seiner Entstehungszeit galt der Hauptbahnhof als das Modernste an europäischer Ingenieurleistung im wilhelminischen Deutschland. Die dreischiffige Stahlbogenhalle besaß schon damals 18 Bahnsteige. Das historische Empfangsgebäude umfasste eine Fläche von rund 4500 Quadratmetern. Für das Tragwerk wurden rund 17000 Tonnen Stahl verwendet, das Mauerwerk besteht aus Sandstein.

Einen besonderen Blickfang am Platz, der seit 1903 den Namen Wiener Platz trägt, bildete damals das Gebäude der Königlich Sächsischen Staatseisenbahn. Etwa um 1930 umrahmten zehn Gebäude den Platz, darunter das Haus der Dresdner Feuerversicherung und drei Hotels. Zum größten Teil wurde 1945 alles zerstört.

Zur DDR-Zeit

Ab Mitte der 1960er Jahre baute die Stadt Dresden an dem Platz und der sich anschließende Prager Straße Wohn- und Hotelhochhäuser. Als 1994 ein Denkmal für Wladimir Iljitsch Lenin, den kommunistischen Politiker und Begründer der Sowjetunion, errichtet wurde, erhielt auch der Platz den Namen Lenin-Platz.

Nach der Wende

Seit 1991 heißt er wieder Wiener Platz. Die Stadt Dresden hat das 120 Tonnen schwere Lenin-Denkmal aus karelischem Granit 1992 an einen Sammler aus Gundelfingen verschenkt.

Für die neue Gestaltung des Platzes lobte Dresden einen Wettbewerb aus. Das Kölner Architekturbüro Mronz ging damals als Sieger hervor. Auf der Grundlage seines Entwurfs sollte der Platz bebaut werden. Die Rathausplaner träumten Anfang der 1990er Jahre von der zweitgrößten Baustelle nach dem Potsdamer Platz in Berlin.

Doch die Rechnung ging nicht auf. Während vor Baubeginn noch die Leitungen verlegt werden mussten und ein Tunnel vor dem Bahnhof gebaut wurde, sanken sowohl die Nachfrage als auch die einst überteuerten Grundstückspreise. Der zur Vermarktung dieser Flächen eigens gegründeten Aufbaugesellschaft Prager Straße gelang es nicht, genügend Investoren zu gewinnen. Insgesamt kostete das Desaster Wiener Platz die Dresdner Steuerzahler zwischen 1996 und 2008 etwa 87 Millionen Euro.