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Kauft Radebeul den Bahnhof West doch?

Eigentlich ist das Gebäude bereits an eine Privatperson vergeben. Der Stadt bleibt aber noch eine Möglichkeit.

© Arvid Müller

Von Ines Scholze-Luft

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Lange wurde der Bahnhof in Radebeul-West von seinem Eigentümer angepriesen. Nun ist er verkauft. An einen privaten Investor. Aber die Stadt hat noch eine Chance, in den Besitz der Immobilie zu kommen. Durch die Nutzung ihres Vorkaufsrechts, das jedoch nur begrenzte Zeit gilt. Deshalb hat die SPD-Fraktion einen Antrag im Stadtrat zum Erwerb des Bahnhofsgebäudes eingebracht. Um den Prozess zu beschleunigen, wie SPD-Fraktionschef Thomas Gey sagte. Die Stadträte stimmten zu, den Antrag in die Ausschüsse zu verweisen. Parallel dazu wird jetzt juristisch geprüft, ob die Stadt das Vorkaufsrecht wahrnehmen kann. Einer ersten vorsichtigen Einschätzung zufolge könnte der Kauf möglich sein, sagte OB Bert Wendsche.

Die Angelegenheit hat in der Öffentlichkeit schon länger Wellen geschlagen. Denn wenn die Einwohner von Radebeul-West gefragt werden, was sie in ihrem Stadtteil am meisten stört, lässt eine Antwort nicht lange auf sich warten: Das vor sich hingammelnde Bahnhofsgebäude.

Dabei hatten nicht wenige schon nach den ersten Kaufbemühungen der Stadt in dem historischen Haus den Ausgangspunkt für einen Aufschwung in West gesehen. Der Bahnhof – seit Längerem nicht mehr als solcher genutzt – könnte zum Zentrum des künftigen Sanierungsgebietes West werden. Das waren die Erwartungen mit Blick nach Radebeul-Ost, zu den nicht nur baulich erfreulichen Entwicklungen rund um den Kulturbahnhof. Und noch im März vor zwei Jahren sah es ganz danach aus, als ob das bald auch in West möglich wäre. Da nämlich stimmte der Stadtrat mit klarer Mehrheit für den Kauf des vorderen Bahnhofsteils.

In den Kaufpreis von zuletzt 170 000 Euro für die rund 1 500 Quadratmeter Gebäudefläche wollte sich die Stadt mit einem weiteren Käufer, dem Radebeuler Architekten Thomas Scharrer, teilen. Zwei Drittel hätte Radebeul übernommen. Doch dann sprang Scharrer ab, weil ihm der ganze Prozess zu lange dauerte. Und im Stadtrat regte sich vor allem Unmut über die möglichen Sanierungskosten. Da hieß es, sie würden ähnlich hoch wie in Ost liegen, also bei mindestens drei Millionen Euro. Stadträte von Bürgerforum/Grüne, SPD und Linken sahen die Stadt mit dem Vorhaben überfordert. Der Kauf kam jedenfalls nicht zustande. Zuvor hatten Denkmalschutzverein und Stadtplaner bei einer Bürgerversammlung im Bahnhof Vorschläge zu dessen Nutzung zusammengetragen. Vom Einzug der Stadtbibliothek war da die Rede, von Läden und Büros.

Der bisherige Bahnhofsbesitzer, Patrol Capital, ein britisches Unternehmen mit deutscher Tochter Main Asset Management, suchte nach dem Zögern der Stadt erneut nach Interessenten. Ab Sommer 2014 auch mit einem Schild direkt am Bahnhofsgebäude.

Doch jetzt scheint die Zeit zu drängen, um städtische Pläne noch zu verwirklichen. Zumindest hat SPD-Mann Thomas Gey das diese Woche im Stadtrat angesprochen, als er den Antrag seiner Fraktion zum Erwerb des Bahnhofsgebäudes und seiner Entwicklung zu einem Stadtteilzentrum vorstellte. Da erfuhren auch alle bis dahin Unwissenden, dass der Bahnhof inzwischen verkauft ist und die Stadt jetzt nur noch durch Nutzung des Vorkaufsrechts in seinen Besitz kommen kann. Was allerdings bald sein sollte, so Gey, weil die Stadt wohl bereits vor einiger Zeit vom Kaufvertrag erfahren habe und nun die Zeit drängt. Außerdem schlägt die SPD vor, beim Bahnhofsprojekt ähnlich wie in Ost mit einem privaten Investor zusammenzuarbeiten, weil noch Millionen-Investitionen in Schulen und Straßen anstehen.

OB Bert Wendsche (parteilos) zeigte sich überrascht. Zum einen beschäftige sich eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe schon länger mit dem Thema. Zum anderen war der SPD-Antrag in nichtöffentlicher Sitzung vorgesehen, so der OB. Dass Thomas Gey den öffentlichen Teil für die Information nutzte, sei schlechter Stil.

„Die juristische Prüfung des Vorkaufsrechts läuft mit voller Kraft, die Zeit dafür ist da“, sagte der OB. Allerdings ist für den Kauf dann noch ein Beschluss des Stadtrates nötig. Der OB erwartet, dass eine große Mehrheit zustimmt. Nur wenn der Rat grundsätzlich dahinter steht, habe es Sinn, das Sanierungsgebiet zu entwickeln, sagte Bert Wendsche.

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