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Kaulquappen in Not

Die Naturschutzbehörde rettet zigtausenden Wechselkröten das Leben. Der Laich hatte sich in Tümpel der Eugal verirrt.

Susan Krüger, Steffen Wesser und Thomas Kramp von der Naturschutzbehörde des Kreises setzen mit Mitarbeitern der Firma Gascade an der Eugaltrasse mehrere tausend Kaulquappen der Wechselkröte um in die Talsperre Nauleis.
Susan Krüger, Steffen Wesser und Thomas Kramp von der Naturschutzbehörde des Kreises setzen mit Mitarbeitern der Firma Gascade an der Eugaltrasse mehrere tausend Kaulquappen der Wechselkröte um in die Talsperre Nauleis. © Thomas Kramp

Ermendorf/Marschau. Eine außergewöhnliche Rettungsaktion ereignete sich jetzt an der Eugal-Gas-Trasse bei Marschau/Ermendorf. Zuerst sollte es nur eine kleine Pfütze sein. In dieser waren von einer Anwohnerin Kaulquappen der Wechselkröte gesichtet worden – einer seltenen und streng geschützten Art. Die Frau rief bei der Naturschutzbehörde im Landkreis an, und Mitarbeiter Thomas Kramp machte sich deshalb auf den Weg. „Denn die Lehmpfütze drohte, bei der großen Hitze schnell auszutrocknen. Wir mussten rasch handeln“, so der Sachbearbeiter Naturschutz.

Als die Kröten mit einem Kescher gefangen und in die Talsperre Nauleis umgesetzt wurden, stellte Kramp eine noch viel größere Population in Wasserlöchern des Rohrgrabens fest. Die Kröten laichten hier. Doch auch im fünf Meter tiefen Rohrgraben lauerte das rasche Austrocknen. 

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Das war als Ein-Mann-Show nicht mehr zu machen. Hier musste die ökologische Baubegleitung der Firma Gascade, die die Eugal baut, mit ran“, so Kramp. Im Gespräch mit dem Bauleiter konnte er diesen rasch überzeugen, dass große Technik gebraucht wird. Zum einen musste das Wasser aus dem Graben abgepumpt werden – dafür wurden die Verlegearbeiten der Gasleitung freilich unterbrochen. 

Zum anderen wurde auch neben der Gasleitung eine große Pfütze von der Baufirma baulich gesichert und mit Wasser versorgt. „Hier brauchten die Kaulquappen nicht vollständig abgesammelt werden“, erläutert Thomas Kramp.

Doch für die Krötenaktion in der eigentlichen Baustelle hatten die Naturschützer durch die Hitze nur wenig Zeit. „Es waren drei Stellen auf einer Strecke von etwa 50 Metern, in denen sich zigtausende Kaulquappen aufhielten“, macht der Mitarbeiter die gewaltige Aufgabe deutlich. Die Baustelle sollte auch nicht unnötig stillgelegt bleiben. So orderte Kramp seine Kollegen Susan Krüger und Steffen Wesser aus der Verwaltung und hatte 

Dieser Laich der geschützten Krötenart wurde massenhaft gerettet.
Dieser Laich der geschützten Krötenart wurde massenhaft gerettet. ©  Thomas Kramp
Baugrube nach Abschluss der Aktion
Baugrube nach Abschluss der Aktion ©  Thomas Kramp

Mit Keschern und Eimern wurden die Kröten manuell eingesammelt und umgesetzt. Vier Tage lang waren die Naturschützer damit beschäftigt. „Wir konnten die Absprachen gut mit der deutschen Bauleitung klären, mit den italienischen Bauleuten selbst war die Kommunikation schwierig“, gibt Thomas Kramp zu. Doch auch er selbst hatte so etwas noch nie erlebt. Klar war nur: Um jeden Preis musste die seltene und streng geschützte Art gerettet werden.

Holger Schön vom beauftragten Ökobüro Lange erklärt die Außergewöhnlichkeit des Einsatzes: „So was hat es noch nicht gegeben, denn hier waren Fachleute für Pumpentechnik am Werk.“ Das Wasser musste gezielt so abgepumpt werden, dass die Kaulquappen dabei nicht eingesaugt werden.

Mehrere Filterpumpen kamen zum Einsatz, die auch mehrfach umgestellt werden mussten. „Der Leitungsbau durfte ja erst weitergehen, wenn alle Tiere aus der Grube gebracht sind“, so Holger Schöne. Doch allein wäre der Laich vermutlich nicht die steilen Hänge des Rohrgrabens emporgekommen.

Der ökologische Baubetreuer ist „begeistert“ von der Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde. „Sie und die Baufirma haben rasch und gut reagiert“, so Schöne. Auch bei der Zentrale der Baufirma Gascade in Kassel hört man Lob über die gelungene Aktion.

Die Wechselkröte, auch Grüne Kröte genannt, ist ein Froschlurch innerhalb der Familie der Kröten. Es handelt sich um eine Artengruppe aus mehreren evolutionären Linien. Sie steht auf der Roten Liste des Artenschutzes. Als Pionierbesiedler vegetationsarmer Trockenbiotope leiden Wechselkröten unter dem Fehlen oder zu raschen Austrocknen geeigneter Laichgewässer. Außerdem unter der Verbuschung und Beschattung ihrer Lebensräume, unter Rekultivierung oder Umnutzung von Brachland.

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