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Kaum Chancen für mehr Taschengeld

Ferienjobs sind in Görlitz Mangelware. Im Handel und auf Feldern gehen die Schüler meist leer aus.

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Von Katja Pautz

Juliane Krug hat wieder nichts gefunden. „Ehrlich gesagt hatte ich noch nie einen Ferienjob.“ Bei manchen Unternehmen habe sie sich zu spät beworben, viele böten gar nichts an. Und selbst aus der „Ernte als letzter Ausweg“ wollte nichts werden.

Hilfe höchstens bei Inventuren

So wie der 16-jährigen Görlitzerin geht es vielen Schülern, denn mit Ferienjob-Angeboten sieht es in diesem Sommer „richtig erbärmlich“ aus, sagt Jobvermittler Olaf Mierwaldt von der Arbeitsagentur. Ein Angebot habe es gegeben, wo Schüler Promotion und Umfragen für verschiedene Firmen durchführen könnten, aber die müssen schon 18 Jahre alt sein.

Ernte, Fließbandarbeit oder Regale einräumen gehören zu den Klassikern, mit denen sich Schüler in den Sommermonaten ein paar Cent dazu verdienen. Doch sowohl im Handel als auch auf den Feldern sieht es schlecht aus. Der Marktkauf in Görlitz bietet keine Ferienarbeit. „Früher gab es das, aber die allgemeine Marktlage lässt es nicht mehr zu. Schüleraushilfe nutzen wir höchstens noch zu speziellen Anlässen wie Feiertagen oder Inventuren“, sagt Chef Thomas Schröder. Das Kaufland in der Scultetusstraße sucht lieber Pauschalkräfte, also Schüler oder Studenten, die länger als nur ein paar Wochen arbeiten, sagt Ina Borchardt, stellvertretende Hausleiterin.

Ferienjobs bietet zwar das Schlesische Museum, doch die haben sich längst Schüler ergattert, teilt Verwaltungsleiterin Silke Schneider mit. Das Stadtgut, sonst eine angesagte Adresse für Ferienarbeiter, hält in diesem Sommer erstmals nichts parat. Buchhalterin Doris Sander: „Wir brauchen dieses Jahr keine, wir haben genügend Leute, so dass für Schüler nichts mehr übrig ist.“ Das könne aber 2006 schon wieder anders aussehen.

Als „Rarität“ bezeichnet Gritt Borrmann-Arndt, Sprecherin der Agentur für Arbeit Bautzen, die Ferienarbeit. Für 16- bis 18-Jährige gebe es überhaupt keine Angebote vom Amt. Das führt sie auch auf die aktuelle Marktsituation zurück. Schülern gibt sie den Tipp, direkt in die Betriebe zu gehen.

Vitamin B gehört dazu

Diese Erfahrung konnte auch die Görlitzerin Annabell Reichstein (19) machen. Und noch eine andere: „Einen Ferienjob sollte man sich lieber gleich in einer anderen Stadt suchen, und außerdem braucht man dafür viel Vitamin B.“ Mit einer Portion davon habe sie selbst im vergangenen Jahr vor der Dresdener Frauenkirche Fensterbilder mit Plauener Spitze verkauft.

Jan-Philipp Stein (17) macht das alles nichts. Der Gymnasiast nutzt seine Ferien zur Erholung. Aber Freunde verdienen sich beim Kellnern etwas dazu, sagt er. Oder machen Praktika. Das hat auch Juliane Krug jetzt vor. Die werden zwar nicht bezahlt, aber mehr Möglichkeiten gibt es, zum Beispiel im Naturkundemuseum oder in der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften.