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Radeberg

Kaum noch Frisörtermine frei

Nach Lockerungen der Corona-Vorschriften können Frisörsalons ab Montag wieder öffnen. Inhaberinnen rechnen mit einem Ansturm auf die Geschäfte.

Frisörin Yvonne Tzschoppe bereitet in ihrem Geschäft in Radeberg alles für die Wiedereröffnung am Montag vor.
Frisörin Yvonne Tzschoppe bereitet in ihrem Geschäft in Radeberg alles für die Wiedereröffnung am Montag vor. © Marion Doering

Radeberg. Der Eine kann kaum noch aus den Augen schauen, weil der Pony zu lang ist, beim Anderen stehen die Haare in alle Richtungen, und beim Dritten ist überhaupt keine Frisur mehr zu erkennen. Kein Wunder, der letzte Frisörbesuch liegt mindestens sechs Wochen zurück. Im März mussten die Frisöre wegen  Corona schließen. Noch eine knappe Woche, dann hat das Warten ein Ende. Ab nächsten Montag dürfen wieder Haare in Form gebracht werden. 

Für Viele dürfte es aber noch nichts werden mit dem frischen Schnitt. Denn die Terminkalender sind schon jetzt randvoll. "Die ersten 14 Tage nach der Wiedereröffnung am 4. Mai sind schon ausgebucht", sagt Anne-Kathrin Kühnert, Inhaberin eines Frisörgeschäftes in Radeberg. "Schon vor der Schließung im März klingelten die Telefone heiß. Jeder wollte noch drankommen. Jetzt ist das wieder so. Kein Wunder, bei den Meisten ist ein neuer Schnitt fällig", sagt sie. Vielen werde jetzt erst bewusst, wie wichtig ein guter Haarschnitt ist, um sich wohlzufühlen. Im Geschäft von Frisörin Jeannette Selbig in Radeberg sind noch einige Termine zu haben. "Noch", sagt sie. Denn je näher der Montag rückt, umso öfter wird das Telefon klingeln, ist sie sich sicher.

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 Sie ist schon jetzt täglich im Geschäft, um alles für den Start vorzubereiten. "Wir schaffen Desinfektionsspray, Mundschutze und alles, was sonst noch dazu gehört, an. Das sind hohe Ausgaben, die jetzt auf uns zukommen. Denn Vieles wird ja überteuert verkauft." Wie sie den zu erwartenden Andrang bewältigen wird, weiß sie noch nicht. "Wegen der Abstandsregeln muss ich einen Frisörstuhl freilassen. Da können wir weniger Kunden bedienen." Die Öffnungszeiten zu verlängern, ist keine Option. "Wir haben meist schon von 6.30 bis 20 Uhr im Zweischichtsystem geöffnet. Länger geht nicht." Yvonne Tzschoppe ist in ihrem Geschäft ebenfalls dabei, alles vorzubereiten. "Wir haben Plexiglas im Internet bestellt, wir hoffen, dass es noch rechtzeitig geliefert wird. Wichtig ist natürlich auch der Mundschutz. Einige selbst genähte Masken  haben wir vorrätig. Über eine Firma konnten wir auch einige kaufen, allerdings zu deutlich höheren Preisen als früher." Anne-Kathrin Kühnert hat unter anderem die Kundentoilette umgeräumt. Vor jedem Haareschneiden müssen die Hände gewaschen und desinfiziert werden. 

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Alle Drei freuen sich, dass es jetzt wieder losgehen kann. "Besonders am Anfang war die Unsicherheit groß. Das war zermürbend. Seit zwei Wochen wissen wir, dass wir wieder öffnen können. Seitdem habe ich wieder mehr Elan", sagt Jeanette Selbig. Wie das alles werden wird, wenn Frau oder Mann dann mit Mundschutz auf dem Frisörstuhl sitzt, weiß noch keine der Frisörinnen so recht. "Ich stelle mir das schwierig vor, wenn ich bei Herren beispielsweise über den Ohren die Haare schneiden soll. Dort sitzt ja das Gummiband. Vermutlich muss der Herr das Band auf der einen Seite abnehmen und solange halten, bis ich fertig bin", sagt Jeanette Selbig. "Ich werde dann in der Situation entscheiden, wie die Hygieneregeln eingehalten werden können, aber auch die Haare vernünftig geschnitten werden können." 

Yvonne Tzschoppe probiert etwas anderes aus. "Wir haben Klebemasken bestellt. Die werden auf das Gesicht geklebt, die Gummibänder entfallen. Natürlich muss jeder Kunde entscheiden, ob er sie auf seinem Gesicht haben möchte."Problematisch könnte nach Einschätzung von Jeannette Selbig das dauerhafte Tragen einer Maske sein. "Über längere Zeit den Schutz vor Mund und Nase zu haben ist nicht angenehm. Dann haben wir es durch den Föhn mit zusätzlicher Wärme zu tun. Ich hoffe, dass wir immer genug Sauerstoff bekommen." Die geforderte Kommunikation nur über den Spiegel stellt für die Frisörinnen kein Problem dar. "Das machen wir ohnehin schon", sagt Jeanette Selbig. Sie findet eher von Nachteil, dass durch die Maske nicht mehr die unmittelbare Reaktion der Kunden ablesbar ist. "Das Lächeln wird mir schon fehlen." 

Von einer Vorschrift hofft Anne-Kathrin Kühnert, dass sie sich langfristig durchsetzt. "Jetzt müssen wir vor jeder Frisur die Haare waschen, es sind also nur Nassschnitte erlaubt. Besonders bei manchen Herren ist das noch nicht so beliebt, für uns Frisörinnen hat das Vorteile. Es schneidet sich einfach besser, und es wird auch ordentlicher."

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