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Kaum noch Hoffnung für Freibad

Das Gelände des Lommatzscher Bades soll frühestens nach 2024 wieder genutzt werden. Aber nicht als Bad.

Geschlossene Gesellschaft: Das Terence-Hill Bad in Lommatzsch ist seit neun Jahren dicht.
Geschlossene Gesellschaft: Das Terence-Hill Bad in Lommatzsch ist seit neun Jahren dicht. © Claudia Hübschmann

Lommatzsch. Nun ist der von vielen ersehnte Hochsommer da,  und vor allem in Lommatzsch blicken manche wieder wehmütig auf ihr Freibad. Die nach dem Ehrenbürger Terence Hill, der einige Jahre seiner Kindheit in Lommatzsch verbrachte, benannte Anlage fristet ein kümmerliches Dasein. Seit Jahren ist das Bad geschlossen, weil das Kunststoffbecken kaputt ist, die Stadt aber kein Geld für eine Reparatur hat. Vor allem aber sind die laufenden Betriebskosten auf Dauer zu hoch. 

Rettungsversuche mit einem extra gegründeten Badverein scheiterten. Dieser wollte das Becken mit Hilfe von Sponsoren und Spendern wieder in Ordnung bringen und dann mit Vereinsmitgliedern betreiben. Nach einem Jahr sollte dann geprüft werden, ob das auf Dauer funktioniert. 

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Wenn nicht, sollte das Bad wieder an die Stadt zurückgegeben werden.  Dann hätte die Stadt das Freibad wieder in ihrer Verantwortung gehabt und  die sanierte Anlage aus Kostengründen schließen müssen. Die Verwaltung setzte diesem "Taschenspielertrick" einen anderen entgegen. Sie bot dem Verein das Bad zum Kauf an für einen Euro. Das lehnte dieser wiederum ab. Der Verein hat sich inzwischen aufgelöst.

Laufende Kosten sind das Problem

Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP) hatte immer wieder betont, dass die Stadt im Jahre 2024 praktisch schuldenfrei sein werde. Dann könne man erneut über das Badgelände nachdenken. Doch dass es dort tatsächlich wieder ein Freibad geben wird, diesen Zahn hat sie jetzt in einem Beitrag des Lommatzscher Amtsblattes ihren Bürgern gezogen. Die Stadt erhalte das Gebäude, im Becken sei Wasser, das man auch als Gießreserve  nutze. 

Trotzdem sei das Becken, insbesondere die Kunststoff-Oberfläche, kaputt. Über die Förderung der Sanierung von Freibädern werde immer wieder diskutiert. "Unser eigentliches Problem ist aber die Betreibung des Bades. Ein Zuschussbedarf von rund 70.000 bis 80.000 Euro pro Jahr ist mehr als realistisch und darf auch nicht schöngerechnet werden. 

Diese freiwillige Aufgabe übersteigt unsere finanziellen Möglichkeiten nach wie vor", schreibt sie. Die Stadt habe sich in den vergangenen Jahren auch deshalb so gut entwickeln können, weil eben diese finanziellen Mittel für andere Aufgaben zur Verfügung standen. 

Eine Aufnahme aus besseren Tagen. Solche Bilder wird es wohl aus Lommatzsch nicht mehr geben.
Eine Aufnahme aus besseren Tagen. Solche Bilder wird es wohl aus Lommatzsch nicht mehr geben. © Archivfoto: Claudia Hübschmann

Inzwischen hätten sich viele Lommatzscher einen eigenen Pool gebaut. Auch der Badbus zum Freibad nach Riesa sei eine Alternative für alle die, wie Jugendliche und Rentner, nicht mit dem eigenen Auto fahren können. Wenn der Bus in diesem Jahr wieder gut genutzt werde, wolle die Stadt das Angebot auch im nächsten Jahr beibehalten. 

Mit dem Auto seien sechs Bäder in 20 bis 30 Minuten erreichbar: Riesa-Weida, Oschatz, Döbeln, Nossen, Miltitz und Coswig. Zudem plane Meißen derzeit ein neues Freibad.  Und es gibt sogar ein siebentes, das die Bürgermeisterin vergaß.

 Die kleine Gemeinde Niederau leistet sich das Waldbad und den Campingplatz in Oberau. "Deshalb bin ich der Meinung, es gibt ausreichend Schwimmangebote. Den Schwimmunterricht der Grundschule müssen wir ohnehin wetterunabhängig mit dem Besuch der Schwimmhalle absichern", so die Amtschefin.

Ideen auf dem Papier

 Spätestens ab dem Jahr 2024, wenn die Lommatzscher Schulden fast völlig getilgt seien, solle ein Konzept zur Nachnutzung des Bades als Freizeitgelände entwickelt werden. "Mir ist dabei die breite Beteiligung der Bürger wichtig. Erste Ansätze gab es vor einigen Jahren, in dem schöne Ideen aufs Papier kamen, wie ein Wasserspielplatz mit Grillplatz ", so Anita Maaß.  

Weder der Bau noch die Betreibung eines solchen Freizeitgeländes seien kostenlos. Aber sollten für die Errichtung von derartigen Erholungsmöglichkeiten Fördermittel zur Verfügung stehen, und die jährlichen Betriebskosten unter denen eines Freibades liegen und damit in den finanziellen Rahmen passen, sollte ernsthaft darüber nachgedacht werden. Es bleibt also viel "wenn" und "aber". Vor allem aber: Von einem Freibad ist jetzt keine Rede mehr. 

Das Ende des seit  rund 110 Jahren bestehenden Bades ist damit offenbar besiegelt. Das deutete sich schon vor knapp drei Jahren an, als die Stadt Fördermittel zurückgab. Diese waren an die Voraussetzung gebunden, dass das Badgelände touristisch genutzt wird. Seit 2011 ist die Einrichtung geschlossen. In den 1990er Jahren wurde das Bad umfassend saniert und den bundesdeutschen Vorschriften angepasst. Nach einem Besuch in Lommatzsch spendete Terence Hill 10.000 Dollar für eine Rutsche.  Auch diese rottet nun  vor sich hin. 

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