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Kegler sind heiß auf die WM

Mit einem dumpfen Knall fällt die türkise Kugel auf die Bahn. Dann rollt sie schnurgerade nach hinten, wo sie krachend acht Kegel umwirft. An den Bahnen des Keglerheims herrscht reger Betrieb – doch Eberhard Nawroth vom Kegelverein Bautzen-West hat derzeit wenig Zeit, Punkte zu sammeln.

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Von Christoph Scharf

Mit einem dumpfen Knall fällt die türkise Kugel auf die Bahn. Dann rollt sie schnurgerade nach hinten, wo sie krachend acht Kegel umwirft. An den Bahnen des Keglerheims herrscht reger Betrieb – doch Eberhard Nawroth vom Kegelverein Bautzen-West hat derzeit wenig Zeit, Punkte zu sammeln.

Gemeinsam mit seinen Vereinsfreunden ist der Bautzener dabei, die Weltspitze der Kegler in seine Heimatstadt zu holen. 450Sportler und Funktionäre aus 17Nationen werden im Mai 2012 die Schützenplatzhalle bevölkern. „Bautzen konnte sich im Wettbewerb um die U-23-WM gegen mehrere Bewerber durchsetzen“, sagt Gerhard Gruber. Der Franke ist Generalsekretär des Kegler-Weltverbands WNBA, in dessen „Sektion Klassik“ 20 Länder um die Weltspitze kämpfen. Die meisten von ihnen haben ihren Besuch bei der WM in Bautzen schon eingeplant, die der Kegelverein Bautzen-West ausrichtet.

„Das wird eine große Aufgabe für uns. Aber wir packen das“, ist sich Organisator Eberhard Nawroth sicher. Gerade erst war er im kroatischen Rijeka, um sich anzuschauen, wie die diesjährigen Ausrichter die Kegel-WM meistern. Nun haben auch die Bautzener ein Organisations-Komitee gegründet, Pläne geschmiedet und die Aufgaben verteilt. Als erstes gilt es jetzt, Sponsoren für das internationale Ereignis zu finden. „Kegelbahn-Miete, Personal, Catering – das kostet alles eine Stange Geld“, sagt Eberhard Nawroth. Denn für eine WM reichen die vorhandenen Bautzener Bahnen nicht aus, dafür muss extra eine große Anlage in der Schützenplatzhalle aufgestellt werden.

Noch fehlt der Nachwuchs

Stadt und Kreis haben schon Unterstützung zugesichert – schließlich wird die Meisterschaft über das Sportliche hinaus ausstrahlen. „Bautzen wird in der Welt noch bekannter. Und außerdem haben auch die Hotels zwischen Schirgiswalde und Heideland etwas davon.“ Das ließ sich schon 2006 feststellen, als der Verein die Deutsche Jugendmeisterschaft ausrichtete.

Eine Herausforderung gibt es allerdings noch: Die Nachwuchssorgen, die die Kegler ganz besonders plagen. Um Kinder und Jugendliche an den Sport heranzuführen, soll es im Vorfeld der Meisterschaft eine „kleine WM“ geben, wo verschiedene Schulen gegeneinander antreten – ganz ähnlich, wie zuletzt bei der Fußball-WM. Dafür wollen die Kegler nun an den Schulen Werbung machen. „Die Kinder können dann bei uns im Keglerheim trainieren und treten 2012 für ein bestimmtes Land an“, sagt Eberhard Nawroth. Die Hoffnung: Vielleicht bleibt jemand dauerhaft beim Kegeln hängen. „Schließlich ist das auch ein richtiger Sport!“

Wer von den Bautzener Aktiven bei der WM dabei ist, steht noch nicht fest. Denn noch immer schwelt der Streit zwischen deutschem und internationalem Verband um das korrekte Punkt-Wertungssystem. Bis 2012 ist ja noch etwas Zeit – aber nicht mehr viel.