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Görlitz

Kein Ansturm auf Görlitzer Altstadtkneipen

Der erste Kneipenabend seit der Corona-Schließung bringt ein paar Überraschungen - ein Erlebnisbericht.

Das Fassbier fleißt wieder, wenn auch weniger als gedacht.
Das Fassbier fleißt wieder, wenn auch weniger als gedacht. © dpa

Endlich wieder auf! Leckeres Essen vom gelernten Koch statt Selbstversuche in der Küche, frisches Fassbier statt jenes aus der Flasche! Das war unser Plan am vergangenen Wochenende. Ein befreundetes Pärchen für den Sonnabendabend war schnell gefunden, die Kinderbetreuung organisiert. Aber war am Freitagvormittag, noch ein Platz in einer der Görlitzer Altsstadtkneipen für Sonnabendabend zu bekommen, wenn wegen der Corona-Einschränkungen die Zahl der Tische überall deutlich reduziert werden muss und in normalen Zeiten Plätze so kurzfristig schon rar sind?

Schließlich sprach das Stimmungsbild im Bekanntenkreis von regelrecht ausgehungerten Görlitzern, denen in den vergangenen Wochen nichts mehr gefehlt hatte als der gemütliche Abend mit Freunden in einem Restaurant. Außerdem gab es ja derart viele Solidaritätsbekundungen mit den von Corona gebeutelten Wirten, dass zu vermuten war, dass viele solidarische Görlitzer jetzt auch mit Umsatz für ein Lächeln bei den Wirten sorgen würden. 

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Aber Überraschung: Gleich der erste Anruf bei einem beliebten Görlitzer Restaurant war erfolgreich. Ein Tisch für vier? Kein Problem, lautete die Antwort im "Filetto" . Bitte das Restaurant mit Maske betreten, hieß es noch. Der Autor durfte sich von Ehefrau und Bekannten unverdient als Corona-Held feiern lassen, weil er das Unmöglich erscheinende Problem einer Reservierung lösen konnte.

Am Sonnabendabend betrug der Weg mit Maske keine zehn Meter, dann saßen wir vier  am Tisch. Vieles war dann wir vor der Corona-Krise: Das Essen war lecker, die Gespräche entspannt, sogar die Preise waren entgegen der Befürchtungen nicht erhöht. Aber auch: Das Lächeln der freundlichen Kellnerin war hinter ihrer Maske nur zu erahnen. Das so beliebte Restaurant wirkte wegen der Abstandsregeln zwischen den Tischen ungewohnt leer. Und selbst die wenigen Tische waren nicht komplett reserviert. Kurzfristig entschlossene Gäste bekamen noch Plätze.

Einziger Wermutstropfen: Fassbier gab es am zweiten Tag der Wiedereröffnung noch nicht. Also: Absacker im Salü! Aber dort ist doch am Sonnabendabend immer voll! Ein spontaner Anruf brachte Gewissheit: "Schön, dass ihr kommt, ich mache Euch gleich einen Tisch fertig", antwortete Salü-Wirt Tobias Göhlich am Telefon. Aus dem Absacker wurden zweieinhalb Stunden, natürlich gab es auch Fassbier. 

Und - Sensation für einen Görlitzer Salü-Kenner: Wir waren um Mitternacht tatsächlich die allerletzten Gäste! "Der erste Abend war wirklich gut, aber heute war noch Luft nach oben", sagte Tobias Göhlich und erklärte: Dass die Touristen fehlen, ist deutlich zu spüren. Und die meisten Görlitzer bleiben wie alle Jahre in den warmen Monaten wohl eher zu Hause oder im Kleingarten, wo der Grill angefeuert wird.

Fazit des Abends: Schön, gemütlich, lecker, unkompliziert, ungefährlich - und die Görlitzer könnten mehr Solidarität mit ihren Wirten auch ganz praktisch zeigen. Wenigstens, wenn sie wegen Corona keine großen Einkommenseinbußen haben.

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