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Kein Anti-Lärmplan fürs Rödertal

Die Autobahn dröhnt nicht laut genug in die Wohngebiete. Auch Ohorn klinkt sich aus. Die Gründe liegen aber anders.

Von Reiner Hanke

Ein monotones Rauschen liegt in der Luft. Unweit der Southwall-Straße im Großröhrsdorfer Gewerbegebiet verläuft die Autobahn 4 am Stadtrand. Durch die Bäume zwischen Autobahn und Stadtgebiet ist die Blechlawine zu beobachten. Laster und Pkws dröhnen vorbei. Nur selten ist an diesem Morgen eine nennenswerte Lücke zwischen den Fahrzeugen zu entdecken. Dass Lärm krankmachen kann, ist schon lange bekannt. Die Europäische Union hat das erkannt und schon vor zehn Jahren damit begonnen, lärmgeplagte Bürger per Richtlinien vor dem Lärm zu schützen, den Straßenlärm mit eingeschlossen. Auf dieser Grundlage sind auch in Sachsen Lärmkarten entstanden. Für alle Hauptverkehrsstraßen mit einem Verkehrsaufkommen von über drei Millionen Kraftfahrzeugen im Jahr wurde ermittelt, wo die Anwohner besonders stark vom Lärm betroffen sind. Die Kommunen sind jetzt angehalten, Lärmaktionspläne auf den Weg zu bringen, um ihre Bürger vor Straßenlärm zu schützen. In der ersten Stufe vor Autobahnlärm. Für Großröhrsdorf ist der Autobahnabschnitt zwischen den Anschlüssen Pulsnitz und Ohorn relevant. Dort haben die Fachleute der Firma „CDF Schallschutz“ aus Dresden die entsprechenden Werte ermittelt. Allerdings nicht per Messung vor Ort, sondern mit Berechnungsmodellen.

Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden

Zur langen Einkaufsnacht unter dem Motto "Late Night Shopping" lädt das City Management Dresden am Freitag, 1. Oktober, in die Dresdner Innenstadt ein. Vom Neumarkt an der Frauenkirche bis zur Prager Straße beteiligen sich zahlreiche Händler und die großen Einkaufsgalerien an der Aktion.

Die nächste aufgelockerte Wohnbebauung sei in Großröhrsdorf etwa 400 Meter von der A 4 entfernt, so die Einschätzung der Stadt. Dabei komme nur ein Gebäude im Gewerbegebiet überhaupt in die Lärmgefahrenzone. Zumindest nach den Lärmrichtlinien von EU und Bund. Eine Wohnung mit zwei Personen sei betroffen. Aber auch dort seien die Lärm-Werte unter dem Grenzwert geblieben, wenn auch nicht allzu weit. Damit seien aus Sicht der Stadt keine negativen Einflüsse auf die Gesundheit zu erwarten. Die Stadt entschied sich deshalb dagegen, einen Lärmaktionsplan zu erarbeiten. Der könnte zum Beispiel Lärmschutzwände oder Schallschutzfenster beinhalten. Zweifel am Sinn dieser ganzen Aktion kommen aus der Fraktion der Freien Wähler Gegenwind. Zweifel vor allem an der Messmethode nicht vor Ort, sondern am Computer, so Holger Poitzsch. Er zweifelt am Sinn der Lärmaktion. Das sei zu pauschal und gehe am Ziel des Lärmschutzes vorbei. Vor Ort müsse gemessen und nicht über den Daumen gepeilt werden.

Die Fachleute aus dem Büro CDF Schallschutz verteidigen unterdessen die Methode. Sie sei letztlich sogar genauer, als vor Ort zu messen. Dieter Friedemann erklärt das Berechnungsverfahren. Dort fließe das durchschnittliche Verkehrsaufkommen ein, die Geschwindigkeiten, die Beschaffenheit Straßenoberfläche und viele andere Parameter. „Das ist ein zuverlässiges Verfahren“, versichert Friedemann. Eine Messung vor Ort gebe nur schlaglichtartig die Situation zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder. Schon die Windrichtung könne das Ergebnis maßgeblich beeinflussen.

Die nächsten aktuellen Ergebnisse für Großröhrsdorf sollen erst 2017 vorliegen. Dass in Ohorn Grenzwerte überschritten werden, steht indes schon fest. Betroffen seien Wohngebiete zwischen Bretniger- und Hauswalder Straße, so Alt-Bürgermeister Frank Jäger. Dennoch habe sich der Rat vor Kurzem gegen gezielte Maßnahmen entschieden: „Die ganzen Kosten bleiben letztlich an der Kommune hängen, das ist für uns nicht zu stemmen, so Jäger, „Es tut mir wirklich leid für die Anwohner und ist bedauerlich, aber die Realisierbarkeit geht gegen Null.“ Die Gemeinde habe versucht, etwas für die Leute anzuschieben. Aber, wenn die Kommunen mit den Kosten allein gelassen würden, sei der ganze Aktionsplan nur Aktionismus.