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Ärztemangel auch im Knast

Die JVA Zeithain hätte gerne einen anstaltseigenen Mediziner – bekommt aber keinen. Warum?

Patienten hinter Stacheldraht behandeln, darauf lassen sich in Sachsen nur wenige Ärzte ein. Auch die JVA Zeithain sucht seit Jahren vergebens einen Mediziner für eine feste Anstellung.
Patienten hinter Stacheldraht behandeln, darauf lassen sich in Sachsen nur wenige Ärzte ein. Auch die JVA Zeithain sucht seit Jahren vergebens einen Mediziner für eine feste Anstellung. © Sebastian Schultz

Zeithain. Wer krank wird, geht zu seinem Hausarzt und lässt sich untersuchen. Hinter Gittern ist das nicht ganz so leicht. Denn nicht jedes sächsische Gefängnis verfügt über einen festangestellten Arzt. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten André Wendt hervor. Danach können nur fünf der zehn sächsischen Haftanstalten mindestens einen hauseigenen Mediziner vorweisen. In Zeithain und vier weiteren JVA ist das allerdings nicht der Fall.

„Wir würden schon gern einen festangestellten Arzt haben“, so Benno Kretzschmar, der Pressesprecher der JVA Zeithain. Sie habe in der Vergangenheit mehrmals den Versuch unternommen, eine entsprechende Stelle zu besetzen. Immer mit dem gleichen Ergebnis: Kein Arzt zeigte Interesse, auf Dauer in den Knast zu gehen. Die gleiche Erfahrung mussten auch die Haftanstalten in Görlitz und Zwickau machen.

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Kretzschmar führt das auf den Ärztemangel im ländlichen Raum zurück. „Das Interesse der Ärzte, auf dem Land und in einer JVA zu arbeiten, ist offensichtlich nicht sehr groß“, sagt er und nennt einen weiteren Anwärter, wo bald ebenfalls dieser besondere Umstand eintreffen könnte. Er spricht von der Jugendstrafanstalt Regis-Breitingen. Dort sei es nur dem Engagement einer älteren Ärztin zu verdanken, dass wochentags ein Mediziner vor Ort ist.

Arbeit gibt es genug. Auch in der JVA Zeithain. Das belegen Zahlen der Landesregierung. Danach musste 2018 an den Wochenenden und Feiertagen der ärztliche Bereitschaftsdienst 47 Mal angefordert werden. Im gleichen Jahr 72 Mal sogar der Notarzt. Die Zahlen für 2019 sind noch unvollständig, bestätigen aber den Bedarf in der JVA Zeithain.

Patienten hinter Stacheldraht behandeln, darauf lassen sich in Sachsen nur wenige Ärzte ein. 
Patienten hinter Stacheldraht behandeln, darauf lassen sich in Sachsen nur wenige Ärzte ein.  © dpa

Doch ganz ohne Mediziner müssen die hiesigen Gefangenen nicht auskommen. „Wir haben mehrere Vertragsärzte, die in die Anstalt kommt“, sagt Kretzschmar. Mindest viermal pro Woche seien abwechselnd drei Allgemeinmediziner in der JVA Zeithain.

Zudem schauen regelmäßig ein Zahnarzt und eine Psychiaterin sowie je nach Bedarf ein Podologe und ein Physiotherapeut vorbei. Damit sei die ärztliche Versorgung gewährleistet. Bei den Vertragsärzten handele es sich um Mediziner aus der erweiterten Region, die nicht genannt werden möchten.

„Wir sind froh, dass wir sie haben“, betont der Pressesprecher. „Wir arbeiten schon über Jahre hinweg sehr gut mit ihnen zusammen.“ Das habe einerseits mit Vertrauen und andererseits mit medizinischer Kompetenz zu tun.

Dass Letzteres nicht selbstverständlich ist, bestätigt das Justizministerium. Dessen Mitarbeiter können sich für den Zeitraum vom 1. September 2018 bis zum 30. September 2019 an drei Fälle in Sachsen erinnern, in denen Behandlungsfehler nachgewiesen werden konnten.

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Ob es sich dabei um „nicht zufriedenstellende medizinische Behandlungen“ von festangestellten Anstaltsärzten oder von Vertragsärzten gehandelt hat, diese Unterscheidung macht das Dresdner Ministerium nicht. Es betont zudem, dass es im gleichen Zeitraum keinen Behandlungsfehler gab, der strafrechtliche Relevanz hatte. Für Kretzschmar wäre das auch ein Unding. „Leben zu retten, ist das oberste Gebot. Das gilt überall in Deutschland, auch im Gefängnis.“

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