merken
PLUS

Kein Blick zurück

Das einstige Rad-Idol Jan Ullrich feiert heute 40. Geburtstag. Mit der Vergangenheit beschäftigt er sich nicht mehr so gern.

© dpa

Von Ruben Stark

Er sei ein „Jetzt-Mensch“, betont Jan Ullrich – einer, der „nicht gern“ zurückschaut, „eher schon in die Zukunft“. Kurz vor seinem heutigen 40. Geburtstag ist das so etwas wie sein Lebensmotto geworden. Doch auf die Vergangenheit wird der Tour-de-France-Gewinner von 1997 immer wieder gestoßen. Seine Dopingvergehen sind auch bald sieben Jahre nach seinem Karriereende nicht vollständig aufgeklärt, was vor allem an dem einstigen Rad-Idol liegt. „Ich habe mit dem Thema abgeschlossen, meine Strafe genommen, es bereut und stehe auch zu meinem Fehler“, erklärt er.

Sachsenbessermachen.de
Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.
Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.

Hinsehen, Zuhören, Lösungen finden - gemeinsam. Sachsen besser machen!

Ullrich war der deutsche Rad-Kaiser, aber sein öffentliches Image ist längst ins Bodenlose gestürzt. Er wurde vergöttert und später verdammt wie selten ein Held zuvor. Der Umgang mit seiner Verwicklung in die Affäre um den Dopingarzt Eufemiano Fuentes, die seine Laufbahn jäh beendete, trug wesentlich dazu bei. Zum Bericht des französischen Senats, der ihn des Dopings bei der Frankreich-Rundfahrt 1998 überführte, äußert er sich nicht. „Ich muss mit dem Guten und Schlechten auskommen und kann damit leben, weil ich mit mir wieder im Einklang bin“, meint Ullrich. Er hat eine Burn-out-Erkrankung überwunden und seine persönliche Idylle am Bodensee gefunden. Mit seiner Frau Sara und den drei Söhnen lebt Ullrich in Kreuzlingen auf der Schweizer Seite. Mit ihnen feiert er auch seinen runden Ehrentag. Ullrich sagt, er versuche, ein „normaler Mensch“ zu sein. Auch wenn Ullrich weiß, dass das nicht immer geht. Der Olympiasieger von 2000 kümmert sich um seine Familie und diverse berufliche Engagements, beispielsweise Hobby-Radtouren mit Fans. „Insgesamt“, sagt Ullrich, der auf Fotos einen erstaunlich fitten Eindruck macht, „fühle ich mich total glücklich. Das Leben, was ich jetzt führe, wäre für viele Urlaub“.

Wenn mal wieder „die Welt ein Stück zusammenfällt“, wie nach seiner halbseidenen Beichte kurz vor der 100. Tour de France, dann ziehe es ihn „natürlich“ auch runter, gibt Ullrich zu. Wobei der Rostocker bis heute den Wirbel um das Interview nicht versteht. Nach seiner Ansicht sagte er „nichts Neues, und dann kommt so ein Boom. Es war eigentlich gar nichts, und das wurde so richtig aufgebauscht.“ (sid)