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(Kein) Bock auf Politik

Es gibt sie: Junge Menschen, die sich politisch engagieren.Doch den Mitgliederschwund bei den Parteien kann das nicht stoppen.

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Von Sebastian Kositz

Gerade einmal 15 Jahre war Louise Wende alt, als die Radeberger Schülerin vor zwei Jahren bei den Jusos eintrat. In der Jugendorganisation der SPD hat die heute 17-Jährige ihren ersten Erfahrungen in der Politik gesammelt. Im Mai des vergangenen Jahres ist sie schließlich auch der Radeberger SPD beigetreten. Um etwas zu verändern. In der Gesellschaft, aber auch in der Partei selbst, wie sie betont. Gerade jetzt, wo die Sozialdemokraten ihre Ausrichtung in der politischen Landschaft neu justieren, möchte sie mit anpacken. Dafür sorgen, dass die Partei wieder mehr nach links rückt. Im Radeberger Ortsverein fühlt sie sich gut aufgehoben. „Die sind froh, wenn neue Leute mitmachen“, sagt die Gymnasiastin.

Für die hiesigen Kreisverbände der Parteien sind junge Leute wie Louise Wende ein Glücksfall. Denn junge Menschen in der aktiven Politik sind rar gesät. Im Kreisverband der CDU sind gerade einmal vier Prozent der Mitglieder zwischen 16 und 29 Jahre alt. Dafür ist die Partei stark überaltert. Knapp drei Viertel der Mitglieder sind älter als 50 Jahre, jeder Vierte gar über 70. Ein Dilemma, das sich mittelfristig auch auf die Mitgliederzahl auswirkt und weitreichende Folgen haben kann. Wenn in den nächsten Jahrzehnten die älteren Mitglieder wegsterben und der Nachwuchs ausbleibt, nagt das am Unterbau der Parteien. Dann fehlen nicht nur Mitstreiter für Wahlkämpfe. Auch die Suche nach Kandidaten für Wahlen und Parteiämter könnte sich als schwierig erweisen.

Im vergangenen Jahr zählte die CDU im Landkreis 1254 Mitglieder – 18 weniger als noch 2010. Mit in die Statistik zählen auch zehn Sterbefälle. „Die Überalterung ist zunehmend problematisch“, sagt Kreisgeschäftsführer Thomas Israel. Es fehlten einfach die jungen Mitglieder. Ähnliche Sorgen plagen Die Linke. Hier reduzierte sich die Mitgliederzahl von 907 auf 860. „Der Rückgang begründet sich vor allem darin, dass Mitglieder versterben oder aus gesundheitlichen Gründen austreten“, klagt Landesgeschäftsführerin Antje Feiks.

Besonders hart traf es auch die SPD. Dort hatten Ende 2010 noch 225 Genossen ein Parteibuch. Ein Jahr später waren es nur noch 205. Dabei stehen vier Austritten zunächst fünf Eintritte entgegen. „Alles junge Leute“, wie SPD-Kreisgeschäftsführer Klaus Hirschnitz betont. Doch die acht Todesfälle und die Wegzüge aus dem Kreis Bautzen machen den Sozialdemokraten einen Strich durch die Rechnung. „Die jungen Leute tun sich schwer, sich an Parteien zu binden. Vielleicht kommen aber auch Traditionsbewusste Parteien wie die SPD weniger an. Andere scheinen attraktiver zu sein“, sagt Hirschnitz. Die Grünen oder die Piraten zum Beispiel. Bei den Grünen wuchs die Zahl der Mitglieder 2011 um drei auf nun 45. Mit einem Altersdurchschnitt von 44 Jahren ist die Partei insgesamt sehr jung, sagt Grünen-Sprecher Domenico Gruhn.

Nach ihrem Erfolg bei der jüngsten Berliner Abgeordnetenwahl befinden sich die Piraten auch im Kreis Bautzen im Aufwind. Knapp 25 Mitglieder hat die Partei hier inzwischen – Tendenz stark steigend, wie Piraten-Sprecher Stefan Hofmann verrät. Zwischen 20 und 60 Jahre seien die Mitglieder alt. In Kürze wollen die Piraten in Bautzen einen Kreisverband gründen.

Federn lassen mussten im Vorjahr hingegen die Liberalen. Die Mitgliederzahl sank von 184 auf nun aktuell 172. Überalterung ist bei der FDP weniger ein Problem. Stattdessen macht Sprecher Dirk Düring vor allem die Schwierigkeiten seiner Partei auf Bundesebene verantwortlich.Auf ein Wort