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Hoyerswerda

Kein "Dorfrock" in Dörgenhausen

Ein Unfall auf der Straßenbaustelle 2018  hat Konsequenzen. Auch das Dorffest findet nicht wie gewohnt statt.

Die Bauarbeiten  auf der Wittichenauer Straße durchschneiden Dörgenhausen gewissermaßen in der Mitte.
Die Bauarbeiten auf der Wittichenauer Straße durchschneiden Dörgenhausen gewissermaßen in der Mitte. © Archivfoto: Uwe Schulz

Dörgenhausen. Seit dem 15. Februar 2018 und damit seit weit mehr als einem Jahr wird das Leben im Hoyerswerdaer Ortsteil Dörgenhausen maßgeblich von einer Baustelle und der damit verbundenen Vollsperrung der Wittichenauer Straße bestimmt. Diese hält zwar den ungeliebten Durchgangsverkehr auf der gewöhnlich recht stark frequentierten Staatsstraße 95 fern. Andererseits durchschneidet sie aber auch das Dorf gewissermaßen in der Mitte. „Hier kommt man kaum noch von A nach B. Der Weg von einer Seite des Ortes auf die andere führt über den Adler-Berg oder durch Groß Neida“, beschreibt Matthias Kochta die aktuelle Situation. Gemeinsam mit weiteren Mitgliedern des 15-köpfigen Dorfclubs Dörgenhausen hatte er jetzt zu einem Vor-Ort-Termin auf den Festplatz eingeladen, um auf die prekäre Situation aufmerksam zu machen. Von der sind unter anderem Unternehmer betroffen. „Wären wir nicht selbst so kreativ, könnten wir unsere Firmen dichtmachen“, sagt Dorfclub-Chef und Unternehmer Bernd Graf. Zwar sei das Verhältnis zur Baufirma gut, von der Stadt fühlen er und andere sich aber im Stich gelassen. „Niemand hat mal in all den Monaten gefragt, was man tun kann.“

Unterstützungs-Angebote gab es hingegen für den Jugendclub Dörgenhausen, den es in diesem Jahr ganz hart trifft. Der üblicherweise Ende Juni stattfindende „Dorfrock“, eines der größten Jugend-Open-Airs in der Region, muss ausfallen, zum ersten Mal seit 27 Jahren. Nachdem im Vorjahr ein 17-Jähriger auf der Straßenbaustelle in eine Grube gefallen war, will niemand riskieren, dass sich so etwas wiederholt.

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Von der Stadt habe es Ausweich-Angebote gegeben, unter anderem war das der Festplatz am Gondelteich in Hoyerswerda, ist vom Jugendclub-Vize Christoph Kochta zu erfahren. Allerdings wäre das für die Veranstalter logistisch nicht zu bewältigen. Und überhaupt: Der „Dorfrock“ ist nun mal kein Festival, das man an einer x-beliebigen Stelle durchführen kann und will. Nicht komplett abgesagt, aber extrem im Programm gekürzt wird das diesjährige Dorffest am 18./19. Mai. Ärgerlich für die Veranstalter vom Dorfclub war es, dass sie erst spät erfuhren, dass es aufgrund der Straßenbaustelle nicht im gewohnten Umfang stattfinden könne. Festzelt und DJ waren da bereits gebucht, auch ein Hundeverein eingeladen. Zum Glück entstanden dem Dorfclub durch die Absagen keine Kosten, lässt Matthias Kochta wissen. Nunmehr reduziert sich das Programm des Dorffestes auf das Maibaumwerfen, ein Kinderfest, Gaudi-Vereinswettkämpfe, den Frühschoppen, Fußball, das Entenrennen auf der Elster und einen Tanzabend – das alles in einem viel kleineren Rahmen als gewohnt. Die Elsterwettkämpfe als besonderer Publikumsmagnet finden nicht statt.

Die Konsequenz: Dem Dorf geht nicht nur ein geselliger Höhepunkt verloren, sondern dem Dorfclub auch eine wichtige Einnahmequelle. Die aber wird benötigt, um das Vereinsleben übers Jahr zu finanzieren. Das Gleiche gilt für den Jugendclub, dem in diesem Jahr die „Dorfrock“-Einnahmen komplett verloren gehen. „Schade, dass man es von der Bauplanung nicht hinbekommen hat, wenigstens diese Festivitäten sicherzustellen“, ärgern sich Matthias Kochta und seine Mitstreiter. „Da hilft nur das Motto: Augen zu und durch! Was anderes können wir eh nicht machen.“ Stattdessen richtet sich ein kämpferischer Blick nach vorn. „Der Löwe holt mal Luft“, formuliert es Matthias Kochta und kündigt an: „Im nächsten Jahr wird wieder gebrüllt.“