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Kein Geld fürs Schützenhaus

Die Beiersdorfer wollen sich nicht an der Sanierung des Gebäudes beteiligen. Zumindest noch nicht.

Von Carina Brestrich

Beiersdorf. Ins Beiersdorfer Schützenhaus gehen die Schmutzlers immer nur, wenn es ein Kreuzchen auf einem Wahlzettel zu machen gibt. Auch vor Kurzem war das so. Diesmal allerdings ging es nicht um die Besetzung irgendwelcher politischer Ämter, sondern um das Schützenhaus selbst. Die Beiersdorfer sollten entscheiden, ob sie sich finanziell an der Sanierung des einzigen Veranstaltungshauses im Ort beteiligen möchten. Nun ist es amtlich: Die Mehrheit der Beiersdorfer will nicht für das Schützenhaus zahlen. Die Zukunft des Gebäudes ist damit ungewiss.

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Dabei wären die Beiersdorfer die Rettung gewesen für das längst baufällige Kulturhaus, das überwiegend Vereine, aber auch Privatleute für ihre Veranstaltungen nutzen. So sah der Plan vor, Fördermittel für die Sanierung zu beantragen. Mit den Geldern hätte ein Dreiviertel der geschätzten Bausumme von 520 000 Euro bezahlt werden können. Den übrigen Eigenanteil wiederum hätten die Beiersdorfer selbst zahlen sollen. Die Beiträge wären je nach Grundstückgröße festgesetzt worden.

Rechtlich ist dieses Finanzierungsmodell möglich. Denn Beiersdorf ist in einer Sondersituation. Seit 1997 nimmt die Gemeinde als eine von wenigen Kommunen im Landkreis am sogenannten Flurneuordnungsverfahren teil. Ziel ist, unter anderem durch die Neuaufteilung von Flurstücken und den Bau von Wegen oder Gemeinschaftsanlagen das Leben auf dem Land attraktiver zu gestalten. Mitziehen müssen dabei alle, die im Ort ein Grundstück besitzen oder erbbauberechtigt sind.

Doch nun für die aufwendige Sanierung des Schützenhauses die Geldbörse zu öffnen – das ging offenbar vielen der knapp 600 betroffenen Beiersdorfer zu weit: Zwei Drittel der 404 Leute, die ihren Stimmzettel abgegeben haben, sprachen sich gegen eine finanzielle Beteiligung der Bürger aus. Auch Jutta und Norbert Schmutzler. Mit ihrem 500 Quadratmeter großen Grundstück hätten sie über drei Jahre verteilt rund 110 Euro zu den Bauarbeiten beisteuern müssen. Nach Angaben von Jutta Schmutzler sei diese im Vorfeld der Abstimmung mitgeteilte Summe noch eine der geringeren. „In Beiersdorf gibt es viele Leute mit riesigen Grundstücken. Die müssten teils mehr als tausend Euro zahlen.“

Norbert Schmutzler selbst geht es aber vor allem ums Prinzip. „Wir nutzen das Schützenhaus nicht. Für uns hat es keine weitere Bedeutung“, sagt er. Zudem gebe es in den benachbarten Orten wie Lauba und Oppach genügend sanierte Veranstaltungshäuser, die selbst nicht voll ausgelastet sind. „Dazu kommt, dass so ein Gebäude nach der Sanierung auch erhalten werden muss. Das kostet auch wieder Geld.“

Aber ob es je zu einer Sanierung kommt, ist nach der Entscheidung der Beiersdorfer unklar. „Die Gemeindeverwaltung Beiersdorf muss nun über weitere Schritte entscheiden“, sagt Steffen Schneider von der zuständigen Abteilung Flurneuordnung beim Landratsamt. Dass sie selbst die Kosten für die Arbeiten übernimmt, scheint unwahrscheinlich. Denn vor der Abstimmung hatte Bürgermeister Matthias Rudolf (parteilos) erklärt, dass die Gemeinde den Eigenanteil angesichts der Finanzlage der Gemeinde derzeit nicht stemmen kann.

Eine Sanierung in kleinen Schritten bevorzugt die Interessengemeinschaft (IG) Schützenhaus. Sie hatte sich 2010 gegründet, um das Gebäude zu erhalten. Seitdem haben die Mitglieder viele Arbeitsstunden und Geld investiert, um Reparaturen selbst zu erledigen.

Eine Sanierung auf Kosten der Beiersdorfer lehnt die IG ab. Überhaupt sei das Vorhaben nach den aktuellen Plänen völlig übertrieben und übereilt. „Es geht nicht darum, ein besonders tolles, aufwendig saniertes Gemeinschaftshaus zu haben“, sagt Heiko Kettmann von der IG. Wichtig sei, dass vorrangig etwas für die Statik getan werde.

Wie das nötige Geld dafür zusammen kommen kann, dafür hat die Interessengemeinschaft bereits Ideen. So könnten Spenden gesammelt und Sponsoren aufgetrieben werden. Dass einige Beiersdorfer bereit wären, freiwillig und ohne Druck Geld für das Schützenhaus zu geben, da ist sich die IG zumindest sicher.