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Kein Geld mehr fürs Altpapier?

Bislang finanzierten sich viele Kitas oder Vereine ein paar Extras mit dem Sammeln von Papier und Pappe. Diese Einnahmequelle versiegt nun immer mehr. 

Symbolfoto
Symbolfoto © dpa

Gunter Kloss schaut auf das Blatt Papier und schüttelt den Kopf. 11,90 Euro stehen da als Rechnungssumme. Ein kleiner Betrag, dennoch regt er den Friedersdorfer ziemlich auf. Das Geld soll Kloss an die Entsorgungsfirma Veolia zahlen als Gebühr für die Abholung eines Papiercontainers. Kloß, dessen Familie eine Raumausstattungsfirma betreibt, und ein weitererer Unternehmer aus Friedersdorf hatten zwei große Sammelcontainer je für Papier und Pappe aufstellen lassen. Dort entsorgte er bislang Pappverpackungen und Papier, auch Bürger aus dem Ort brachten Altpapier. Der Entsorgungsbetrieb Veolia, der in Löbau einen Stützpunkt hat, holte den Container immer ab. Die Friedersdorfer bekamen den Erlös für das Altpapier, Vereine profitierten davon und auch die Kindereinrichtungen. Seit vielen Jahren ging das so in Friedersdorf. "Die Leute sind bereit zu sammeln, wenn sie wissen, wo das Geld hingeht, dass es für einen guten Zweck im Ort ist." 

Bislang holte Veolia den Sammelbehälter jeden Monat kostenlos ab. Nun aber verlangt das Unternehmen eine Gebühr für die Leerung. Den 11,90 Euro, die dafür zu entrichten sind, stehen 6,75 Euro an Einnahmen gegenüber, die zum Beispiel die letzte Leerung einbrachte. Ist der Container rappelvoll, können schonmal rund 27 Euro erzielt werden, sagt Gunter Kloss. Wird nicht so viel gesammelt, kann es nun sogar ins Minus gehen. Denn die Leerungsgebühr wird jetzt gegengerechnet. "Das macht ja gar keinen Sinn, da braucht man nicht mehr zu sammeln", sagt Gunter Kloss. Weil er nun im Rückstand ist und nicht bezahlte, sind inzwischen auch schon Mahngebühren aufgelaufen. 

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Veolia bestätigt, dass es hier eine Änderung gegeben hat. In der Vergangenheit habe man die monatliche Leerung kostenfrei anbieten können. Dass nun eine Gebühr verlangt wird, hänge mit den stark sinkenden Marktpreisen für Papier, Pappe und Kartonagen zusammen. Seit zwei Jahren seien die Preise stark rückläufig. Der Entsorger, der den Rohstoff selbst weiterverkauft, nimmt damit weniger ein. "Zudem kam mit der Ausweitung der Lkw-Maut auf alle Bundesfernstraßen im Juli 2018 eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung auf die Unternehmen der Entsorgungswirtschaft zu, wodurch die Transportkosten sowohl bei der Sammlung als auch für die Verwertung gestiegen sind", erklärt Nadine Schaer von Veolia.

Aufgrund dieser Faktoren könne das Unternehmen die Leerung seit diesem Jahr nicht mehr kostenfrei anbieten. "Die Kosten für die Behälterleerung entsprechen den üblichen Transportpreisen bei der Veolia Umweltservice Ost", so die Unternehmenssprecherin.  Eine Vergütung aus der Vermarktung des Papiers gibt es für die Friedersdorfer aber immer noch - obwohl das eine Ausnahme sei. Man bedauere, dass aufgrund der Marktsituation bei der Gegenrechnung der Leerungskosten kein Ertrag aus der Papiervermarktung entsteht, der an die örtliche Schule oder Vereine weitergegeben werden könnte.

Das Papiersammeln ist generell bislang ein beliebtes Modell gewesen, um Geld für gemeinnützige Zwecke einzunehmen. An Schulen und Kitas finden sich vielerorts solche Großcontainer, in denen Altpapier abgegeben werden kann. Doch überall dort, wo es noch funktioniert, wird die Abholung gesponsert. 

Die Probleme auf dem Papiermarkt kennt auch Frank Ritter, Chef der EGLZ in Lawalde. Das ist der Entsorgungsbetrieb des Landkreises. Die EGLZ stellt zum Beispiel die "Blauen Tonnen" für die privaten Haushalte bereit und holt sie auch ab. Mit den Blauen Tonnen sammelt die EGLZ zwischen 20 und 25 Tonnen Papier und Pappe täglich ein. 

Das Papier verkauft die EGLZ ebenfalls weiter, an eine Papierfabrik in Eilenburg. Der Marktpreis pro Tonne liege derzeit bei unter 100 Euro, sagt Ritter. Trotz der schlechten Lage unterstützt das Landkreisunternehmen das Papiersammeln für gute Zwecke aber weiterhin. Schulen können für Sammelaktionen von drei oder vier Tagen einen Container bei der EGLZ bestellen. Sie bekommen den gesammelten Rohstoff dann vergütet. Holen und bringen des Containers sind für die Einrichtungen kostenfrei, so Frank Ritter. 

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Auch Reneé Jannasch, der einen Recyclingbetrieb in Ebersbach betreibt, stellt Schulen und Kitas weiterhin Sammelcontainer zur Verfügung. "Die Kindereinrichtungen bekommen das kostenlos, das sponsere ich." Alle anderen müssten zahlen, sagt Jannasch. Oder Papier und Pappe selbst auf den Recyclinghof bringen. 

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