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„Kein Grund zu Beunruhigung“

Tagesgespräch

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Herr Opitz, Landrat Bernd Lange hat in der vergangenen Woche große Bedenken zur steigenden Zahl von illegal aufgegriffenen Einwanderern geäußert. Teilen Sie diese Befürchtung?

Ich schätze nicht, dass die Einwanderer jetzt nach der Grenzöffnung in einer großen Zahl ankommen werden. Daher sehe ich in den aufgegriffenen Tschetschenen keinen Grund zur Beunruhigung.

Die Sorge des Landrats vor Folgekosten für den Landkreis teilen Sie also nicht?

Doch, ich kann das schon verstehen. Ich denke, es ist notwendig zu schauen, wie die aufkommenden finanziellen Belastungen zu verteilen sind. Ich habe aber eher weniger Bedenken, dass das Geld durch erhöhte Kosten wegen illegaler Einwanderung woanders fehlen könnte, sondern das ist eine grundsätzliche Frage, die geklärt werden muss. Aber das sehe ich nicht in meinem Verantwortungsbereich und denke, dass der Landrat mit seinen guten Kontakten da schon nicht auf taube Ohren stoßen wird.

Was ist mit der Pauschale, die die Kommune für die Unterbringung illegaler Einwanderer vom Land bekommt?

Die Höhe dieser Pauschale für Flüchtlinge ist schon lange ein Problem. Sie wurde in den vergangenen Jahren immer weiter gekürzt. Auch aus diesem Grund ist es gut, einmal zu überprüfen, woher Unterstützung für die Beherbergung von Flüchtlingen noch kommen kann.

Waren Sie schon im Asylbewerberheim bei den Tschetschenen?

Ich will in diesen Tagen dort mal hin. Es ist wichtig, dass die Leute jetzt eine gesundheitliche Pflege bekommen. Aber das läuft, habe ich gehört. Ich möchte unter anderem gern noch versuchen, bei der Sprachvermittlung zu helfen.

Überrascht Sie der Aufgriff der Tschetschenen eigentlich?

Nein. Tschetschenien kann man schon als existenzgefährdende Region bezeichnen. Die Menschen sind ja schließlich nicht grundlos auf der Flucht aus ihrer Heimat. Und das Problem dort wird durch solche Ereignisse wie dem Aufgriff dieser Menschen hier schlaglichtartig deutlich. Es ist eben nicht so, dass dieses Problem weit weg ist. Es ist hier vor unserer Tür. Und auch dort vor Ort müssen Lösungen gefunden werden, denn das scheint ja derzeit augenscheinlich nicht zu klappen.

Gespräch: Jenny Ebert