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Dresden: Ohne Impfung keine Schule und keine Kita

Der Bundestag hat die Masern-Impfpflicht beschlossen. Was das für Dresdner Eltern bedeutet.

Gesundheitspieks als Pflicht: Im Kampf gegen die Masern greift die Bundesregierung nun per Gesetz durch. Auch in Dresden nicht ohne Grund.
Gesundheitspieks als Pflicht: Im Kampf gegen die Masern greift die Bundesregierung nun per Gesetz durch. Auch in Dresden nicht ohne Grund. © dpa

Ohne Masern-Impfung keine Schule und kein Kindergarten: Der Bundestag hat am Donnerstag die Masern-Impfpflicht beschlossen. Die Impfpflicht gilt ab 1. März 2020 für Kitas, Schulen, bei Tageseltern und für Mitarbeiter in Flüchtlingsheimen. 

Dresdner Eltern müssen dann vor der Aufnahme ihres Nachwuchses in Kitas oder Schulen nachweisen, dass diese geimpft sind. Eltern von Kindern, die jetzt schon in der Kita oder in der Schule sind, müssen bis 31. Juli 2021 nachweisen, dass die Kleinen geimpft sind oder die Masern schon hatten. Wer also sein Kind partout nicht impfen lassen will, könnte es in Zukunft schwer haben. Bei Verstößen sollen Bußgelder von bis zu 2500 Euro drohen. Die Impfpflicht gilt auch für alle Mitarbeiter in Kitas, Schulen und für Personal aus Krankenhäusern.

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Wie viele Masern-Fälle gibt es in Dresden?

Laut Robert-Koch-Institut gab es in diesem Jahr in Dresden schon elf Fälle. Das klingt nicht viel. Doch zum Vergleich: 2018 gab es einen Fall und 2017 keinen Fall. In städtischen Klinikum mussten 2019 fünf Erwachsene 2019 wegen Masern behandelt werden. Eine Masernwelle gab es 2015, da erkrankten gleich 165 Dresdner. Die meisten waren nicht geimpfte Personen. 

Was bedeutet das Gesetz für Dresdner Eltern?

Kinder, die nicht gegen Masern geimpft sind, können vom Besuch von städtischen Kitas und Schulen ausgeschlossen werden, so Stadtsprecher Karl Schuricht. Eine Ausnahme gilt, wenn Kinder aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden dürfen. Auch das Rote Kreuz und die Arbeiterwohlfahrt, die jeweils vier Kitas in der Stadt betreiben, kündigen an, nur noch geimpfte Kinder aufzunehmen oder von den aktuellen Kita-Kindern den Nachweis zu verlangen. Ebenso soll es in der Kita vom städtischen Klinikum laufen. Die Zeit bis zum Inkrafttreten des Gesetzes will die Stadt nutzen, um ein einheitliches Vorgehen abzustimmen und alle Mitarbeiter zu schulen. Möglich sei außerdem, dass Kinder ohne Impfung Schulen und Kitas gar nicht mehr betreten dürfen, so die Stadt.

Wie viele Dresdner Kinder sind eigentlich gegen Masern geimpft?

Bis zum Schuleingang sollten Kinder vollständig gegen Masern geschützt sein, rät die Sächsische Impfkommission den Eltern. Verglichen mit allen anderen Bundesländern ist das spät, im restlichen Deutschland sollte die zweite und letzte Impfung spätestens mit zwei Jahren durchgeführt werden. Trotzdem waren in Dresden nur 86,2 Prozent aller im Jahr 2010 geborenen Kinder gegen Masern geimpft, als sie in die Schule kamen. Im Umkehrschluss heißt das, das jedes siebte Kind dieses Geburtenjahrgangs nicht gegen das Virus geschützt ist, wie Daten des Robert-Koch-Instituts zeigen. Allerdings scheinen die Bedenken gegen die Masern-Impfung in den vergangenen Jahren nachgelassen zu haben. Zum Start des aktuellen Schuljahres im vergangenen August waren mindestens 94 Prozent der Erstklässler geimpft und sogar fast 97 Prozent der Vierjährigen.

Wie gefährlich können Masern für Kinder werden?

Masern sind eine hochansteckende Krankheit. Bei etwa jedem zehnten Erkrankten treten Komplikationen auf. Zu Beginn zeigen sich zum Beispiel hohes Fieber, Husten und Schnupfen. Anschließend, etwa 14 Tage nach der Ansteckung, entstehen auf der Haut die typischen roten Punkte. Weil das Immunsystem geschwächt ist, haben es Bakterien leicht, sich im Körper auszubreiten. Zu den gefürchtetsten Komplikationen gehört die Gehirnentzündung, die tödlich enden kann. Der Kontakt von nicht geimpften Personen mit dem Virus führt mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit zu einer Erkrankung. Ausgenommen sind Menschen, die selbst schon einmal an Masern erkrankt waren. Die Krankheit ist fünf Tage vor und bis vier Tage nach Ausbruch des Hautausschlages ansteckend.

Was sagen Dresdner Mediziner zum neuen Gesetz?

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„Jede Initiative zur Stärkung der Impfprävention ist ausdrücklich zu begrüßen. Masern sind eine der ansteckendsten Infektionskrankheiten“, so Prof. Reinhard Berner von der Uniklinik. Mindestens eine von tausend Masernerkrankungen verlaufe tödlich, bei Infektion im ersten Lebensjahr sei die Sterblichkeit noch höher. „Nicht geimpft zu sein, bedeutet, nicht nur eine Gefährdung der ungeimpften Person selbst, sondern zusätzlich eine Gefährdung anderer nicht geschützter Personen, insbesondere von jungen Säuglingen“, so Berner. Die Impfung ist erst ab dem 13. Lebensmonat möglich. Er selbst sehe eine Pflicht aber kritisch, da er die größten Impflücken bei Jugendlichen und Erwachsenen bis zurück zum Geburtsjahrgang 1971 sehe und außerdem befürchte, mit einer Pflicht die Skeptiker noch mehr abzuschrecken.

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