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Kein Komparse, sondern Darsteller

Die Oldtimer von Peter Patz haben schon in vielen Filmen mitgespielt. Jetzt kommen beide Originale in den Filmpalast.

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Von Dominique Bielmeier

Seine Begeisterung für alte Autos begann auf einer alten Drehleiter der Riesaer Feuerwehr. „Als Jugendlicher bin ich gerne mit ihr rausgefahren – meine Schulkumpel sollten mich ja auch sehen!“ Peter Patz muss lachen, wenn er an diese Zeit zurückdenkt. Es fällt nicht schwer, sich den energiegeladenen 56-Jährigen als Teenager vorzustellen – man muss sich eigentlich nur den Zwirbelschnauzer wegdenken.

Als seine geliebte Drehleiter 1983 verschrottet werden sollte, sprachen Patz und seine Kameraden sich dagegen aus. Doch es blieb an ihm hängen, das Fahrzeug auch zu restaurieren. So wurde der Funke gezündet, der seitdem seine Liebe für Oldtimer am Lodern hält. Diese hat ihm inzwischen nicht nur einen ganzen Fuhrpark, schon auch einige Auftritte in Filmen beschert. „Seit 1987 bin ich jedes Jahr mindestens zweimal im Fernsehen“, erzählt Patz lachend. „Es ergibt sich einfach immer so und ich habe meinen Spaß dran.“ Für eine Premiere kommt er im März ins Riesaer Kino – und bringt ein berühmtes Auto mit.

Zum Film kam der Geschäftsführer einer Mess- und Regeltechnikfirma, weil sein Sohn ihn einst ermunterte, seine Fahrzeuge auf einer Internetseite für Komparsen einzutragen. Seitdem bekommt er immer wieder Anfragen für Kino- oder Fernsehfilme. „Meist sehr kurzfristig.“ Für die Verfilmung des Romanbestsellers „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak musste er an einem Mittwoch im letzten Jahr mit seinem Opel P4 beim Dreh in Babelsberg sein. Von seinem Glück erfahren hatte er erst am Sonntag vorher.

Dafür kann Patz jetzt behaupten, einen Filmstar in seiner Garage stehen zu haben. In einer Szene aus der „Bücherdiebin“ parkt der Oldtimer am Straßenrand einer fiktiven Stadt in Nazideutschland – darin sitzt Patz in zeitgenössischer Kleidung.

Dass er inzwischen ein alter Hase im Filmgeschäft ist, merkt jeder, der ihm eine Weile zuhört. Dann fallen Begriffe wie „Schlüsselszene“ oder „Liveschalte“. Er erinnert sich an die tollen Drehbedingungen am Set der „Bücherdiebin“: „Da gab es kein lautes Wort und alle bekamen das gleiche Essen.“ Beim Dreh von „Dresden“ sei das anders gewesen. Während den Schauspielern groß aufgetafelt wurde, bekamen die Komparsen bloß Suppe.

Eines stellt Peter Patz aber gleich richtig, wenn auch halb im Scherz: „Ich bin keen Komparse – ich bin Darsteller!“ Wer mit eigenem Fahrzeug am Dreh beteiligt sei, dürfe sich nämlich so nennen. Abgehoben ist der 56-Jährige wegen seiner Filmerfahrung trotzdem nicht, auch wenn er schon mit Schauspielern gedreht hat, „die sich in Hollywood um den Oscar strubbeln“. Mit jedem Satz macht er deutlich, wie beeindruckt er nach all den Jahren noch immer von den Filmsets ist: die realistischen Fassaden, die ja eigentlich nur aus Papier bestehen, oder die winzigen Details in den Schaufenstern der Läden. Patz ermutigt deshalb jeden, sich einmal als Komparse auszuprobieren. „90 Prozent bei so einem Dreh sind zwar absolute Langeweile“, gibt er zu. „Die restlichen zehn Prozent sind aber so spannend, die wirst du in deinem ganzen Leben nicht mehr los.“

Und weil er seine Begeisterung so gerne mit anderen teilt, wird er zur Premiere der „Bücherdiebin“ am 13. März auch selbst in den Filmpalast kommen, im originalen Bühnenoutfit. Im Gepäck hat er außerdem seinen Opel P4 aus dem Jahr 1937 – und viele spannende Geschichten vom Set.

Einen Termin für seine nächste Rolle hat Peter Patz bisher aber noch nicht. Langweilig wird dem umtriebigen Oldtimerfan deshalb sicher nicht. Er engagiert sich weiter in der Feuerwehr, leitet ein Unternehmen und schraubt in seiner Freizeit weiter an schönen alten Autos. „Ich habe mir jetzt zum Vorsatz genommen, jedes Jahr ein Fahrzeug zu restaurieren“, kündigt er an. Seine Familie unterstützt die Bastelei. „Wenn meine Frau mir das Hobby zur Katze machen würde, könnte ich aufhören“, scherzt Patz.

Besonders stolz ist er auf seine beiden Söhne, Florian und Maximilian, die auch bei der Feuerwehr sind. „Mein Flori hat mit 21 schon seinen Lkw-Führerschein gemacht“, erzählt Papa Patz. „Damit er die Drehleiter fahren kann.“