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Kein Kuss für Karpfen Kurt

Eine Dresdnerin hat ein Kinderbuch mit ihrem Vater geschrieben. Der hat seine Zeichenkunst noch bei der Defa gelernt.

Sie schrieb, er zeichnete: Gemeinsam arbeiteten Kathleen Biermann-Jung und ihr Vater Christian Biermann an der illustrierten Geschichte um Karpfen Kurt.
Sie schrieb, er zeichnete: Gemeinsam arbeiteten Kathleen Biermann-Jung und ihr Vater Christian Biermann an der illustrierten Geschichte um Karpfen Kurt. © Christian Juppe

Kathleen Biermann-Jung ist eine Frau, die lieber anfängt, als abschließt. „Ich habe immer zu viele Gedanken im Kopf. Mir fällt es schwer, bei der Sache zu bleiben“, sagt sie. Und so hat es fast vier Jahre gedauert, bis aus der fixen Idee, eine Geschichte über freiheitsliebende Karpfen zu schreiben, mit dem jüngst erschienenen Kinderbuch „Die Abenteuer des Karpfen Kurt“ ein fertiges Druckwerk wurde.

Moment! Karpfen? Ja, tatsächlich machen sich zwei dieser schillernden Prachtexemplare in Kathleen Biermann-Jungs Geschichte auf eine abenteuerliche Heldenreise. „Die Idee kam mir, als ich im Herbst von der Autobahn aus einen abgefischten Karpfenteich gesehen habe“, sagt sie. Sofort habe sich im Kopf der hauptberuflichen Filmemacherin eine Handlung rund um die schillernden Schuppentiere entsponnen. „Was, dachte ich, wenn sich auf dem schlammigen Grund junge Karpfen versteckt haben und jetzt versuchen wollen, auszubrechen?“

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Heldenreise eines Fisches

Schnell stand für Kathleen Biermann-Jung der Name ihres risikofreudigen Heldens fest: Kurt sollte er heißen. Gemeinsam mit seiner Karpfenfreundin Kala macht der sich, nachdem er beim Abfischen seine Familie verloren hat, auf den Weg in die Freiheit. Unterwegs trifft er auf allerhand Süßwasserbewohner, die meisten von ihnen freundlich, einige aber auch mit Vorsicht zu genießen. Trotz aller Fantasie orientiert sich die Geschichte an der Realität. „Bücher sind eine schöne Art, Wissen weiterzugeben. Persönlich mag ich es auch nicht, wenn Geschichten zu fantastisch sind“, sagt die Autorin.

Eigentlich sollte Karpfen Kurts Freundin Kala (r.) einen Kussmund und lange Wimpern bekommen. Doch nach einer längeren Diskussion fanden die Autorin Kathleen Biermann-Jung und ihr zeichnender Vater Christian Biermann: Das wäre dann doch zu lieblich.
Eigentlich sollte Karpfen Kurts Freundin Kala (r.) einen Kussmund und lange Wimpern bekommen. Doch nach einer längeren Diskussion fanden die Autorin Kathleen Biermann-Jung und ihr zeichnender Vater Christian Biermann: Das wäre dann doch zu lieblich. © Christian Biermann/Hein-Verlag Ostrau
Bild aus dem Kinderbuch „Die Abenteuer des Karpfen Kurt“
Bild aus dem Kinderbuch „Die Abenteuer des Karpfen Kurt“ © Christian Biermann/Hein-Verlag Ostrau
Bild aus dem Kinderbuch „Die Abenteuer des Karpfen Kurt“
Bild aus dem Kinderbuch „Die Abenteuer des Karpfen Kurt“ © Christian Biermann/Hein-Verlag Ostrau
Bild aus dem Kinderbuch „Die Abenteuer des Karpfen Kurt“
Bild aus dem Kinderbuch „Die Abenteuer des Karpfen Kurt“ © Christian Biermann/Hein-Verlag Ostrau
Bild aus dem Kinderbuch „Die Abenteuer des Karpfen Kurt“
Bild aus dem Kinderbuch „Die Abenteuer des Karpfen Kurt“ © Christian Biermann/Hein-Verlag Ostrau

Und so fand Kathleen Biermann-Jung ganz praktische Inspiration an einem Naturteich in der Toskana. An dessen Ufern verbrachte sie im April 2016 viel Zeit mit Schreiben. Schließlich lag die Geschichte fertig vor ihr: „In diesem Ambiente war es echt nicht schwer, den Karpfen Kurt fertigzuschreiben.“ Und auch die Frösche, die an diesen ersten Frühlingstagen am Seeufer zu quaken begannen, haben im fertigen Werk ihren Platz gefunden: Dort feiern sie nun eine vielstimmige Party auf einem Seerosen-Blatt.

Wie das aussieht, bleibt nicht allein der Fantasie überlassen. Mit ihrem Vater, dem ehemaligen Defa-Trickfilmzeichner Christian Biermann, hatte Kathleen Biermann-Jung einen Vertrauten an ihrer Seite – noch dazu einen Könner, der ihre Figuren in farbenfrohen Illustrationen zum Leben erweckte. „Und in Handarbeit“, wie sie betont. Diese Qualität, findet sie, sieht man den Bildern im Vergleich zu Computerillustrationen deutlich an. Aber sie braucht auch ihre Zeit: „Die Technik, die mein Vater verwendet hat, ist sehr aufwendig. Und ich bin furchtbar perfektionistisch.“

Den Senior schreckte das nicht ab. „Sie war eine gute Chefin“, sagt er. Und das, obwohl es zwischen Vater und Tochter nicht immer gänzlich harmonisch herging: „Wir hatten schon einige harte Auseinandersetzungen“, sagt Christian Biermann. „Kala, die Freundin von Kurt, geriet mir ein bisschen zu lieblich. Ich hatte ihr einen Kussmund gemalt und lange Wimpern. Aber letztlich haben wir immer einen Kompromiss gefunden.“ Einen, mit dem auch Kathleen Biermann-Jung zufrieden ist: „So ein Text ist wie ein Diamant. Man schleift immer wieder daran herum“, sagt sie. „Genau so war es mit den Zeichnungen meines Vaters. Aber jetzt haben wir eine Stimmigkeit zwischen Bild und Text.“

Der zweite Teil ist in Arbeit

Vier bis fünf Tage arbeitete Christian Biermann daraufhin an einer einzelnen Zeichnung. Gerade einmal zwei der über 20 Darstellungen waren fertig, als sich ein Verlag bereiterklärte, die Geschichte von Karpfen Kurt zu verlegen. Besonders Christian Biermann brachte das in zeitliche Bedrängnis. „Den ganzen Sommer habe ich in meinem Atelier unter dem Dachfenster gesessen und gezeichnet“, sagt der. „Mein Nachbar hat sich schon gefragt, warum ich mich nicht mehr um meinen Garten kümmere.“

Die Belohnung für all die Mühe trudelte pünktlich zur Frankfurter Buchmesse bei Kathleen Biermann-Jung ein: „Diese Geschichte war ein Herzensprojekt. Das fertige Buch schließlich in den Händen zu halten, hat mich sehr berührt.“

Mit dem Ergebnis sind Vater und Tochter nun so zufrieden, dass sie bereits an Teil zwei der Geschichte arbeiten. Während der erste Teil sich ganz der Idee widmet, Kindern den Glauben an sich selbst zu vermitteln, will Kathleen Biermann-Jung im zweiten Teil der Geschichte um Karpfen Kurt den Fokus stärker auf Aspekte des Umweltschutzes legen. Ein wenig mehr Mystik verspricht sie außerdem und zeigt eine erste Zeichnung des sagenumwobenen Karpfenkönigs, den die jungen Leser in Teil zwei kennenlernen werden. „Ich warte darauf, dass ich im neuen Jahr endlich losschreiben kann“, sagt Kathleen Biermann-Jung. Diesmal, verspricht sie, bringt sie die Geschichte schneller zu Ende.

Kathleen Biermann-Jung: Die Abenteuer des Karpfen Kurt. Hein-Verlag Ostrau, 102 Seiten, 12,50 Euro

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