SZ +
Merken

(K)ein Leben als Pressesprecher

Wie das Gerangel um den Wirtschaftsförderer meine Illusion zerstört. Ein niederschmetternder Rückblick.

Teilen
Folgen

Von Kevin Schwarzbach

Achtung, Achtung, liebe Leserinnen und Leser! Bevor wir in die heutige Kolumne einsteigen, schicke ich eine kleine Warnung vorweg – damit Sie sich nicht erschrecken: Meine Argumentation ist in den ersten Zeilen heute ungewohnt unlustig, fast schon sachlich, stellenweise einleuchtend, oftmals nichtssagend, aber durch und durch beschönigend!

Falls Sie sich jetzt fragen, warum das so ist, verrate ich Ihnen – insofern Sie es für sich behalten können – ein kleines Geheimnis. Da ich nun schon seit fast einem Jahr diese Kolumne schreibe, bin ich geistig am Ende, ideenlos und ausgelaugt – ich brauche eine neue Herausforderung. An welche ich da denke? Ich möchte mich als Pressesprecher der Stadt Riesa bewerben. Denn schon lange träume ich davon, alles, was in Riesa im Zusammenhang mit der Stadtverwaltung passiert, gänzlich unkritisch betrachten zu können. Einfach nur die positiven Seiten sehen – selbst, wenn sie gar nicht vorhanden sind. Und was gibt es heutzutage Beeindruckenderes als eine Initiativbewerbung. Ich zeige einfach ungefragt, was ich auf dem Kasten habe.

Aber keine Angst: Einschlafen werden Sie nicht – es wird früher oder später trotzdem albern. Genug der Vorrede, auf zum langangekündigten Text:

Wer eine Stadt voranbringen und weiterentwickeln will, benötigt Geld. Wer Geld einnehmen will, ist darauf angewiesen, dass möglichst viele Unternehmen im Stadtgebiet sesshaft werden und Steuern entrichten. Wer Unternehmen in sein Hoheitsgebiet locken will, benötigt einen Wirtschaftsförderer. Und wer möglichst viele Firmen im eigenen Stadtgebiet ansiedeln will, der benötigt einen besonders guten Wirtschaftsförderer.

Eine Vision, die auch die Riesaer Stadtverwaltung hegt: Sie will wohl den intelligentesten, attraktivsten, intellektuellsten, bezauberndsten, dynamischsten, elegantesten, mitreißendsten und verführerischsten – kurzum: den besten und wundervollsten Wirtschaftsförderer überhaupt. Verständlich, wenn Sie sich jetzt fragen, wo der denn zu finden sei. Das Gleiche habe ich mich auch gefragt.

Doch die Riesaer Stadtverwaltung fand mittels des Ausschreibungsprozesses im Amtsblatt, dem Riesaer, eine simple Antwort auf diese offenbar schwierige Frage: Der Gesuchte muss bereits im Altkreis Riesa leben – er hat sich bisher nur bedeckt gehalten. Nun gelang es tatsächlich, den bis dato im Verborgenen gebliebenen, die finanzielle Erlösung bringenden Wirtschaftsförderer zu finden: Dirk Zschoke, Sie wissen schon – der langjährige Leiter des Stauchitzer Wirtschaft- und Bauamts. Doch als Riesa schon unter einem aufgehenden Stern zu stehen schien, zog Zschoke seine Kandidatur dann doch zurück – die Opposition warf ihm und der Stadt Gemauschel vor, hielt ihn für ungeeignet.

Apropos Eignung. Als angehender Riesaer Pressesprecher habe ich noch eine Frage an die Stadtverwaltung: Wie erkläre ich der hungrigen Medienmeute, dass wir den Beamtenposten des Wirtschaftsförderers nicht über „bund.de“, das Stellenportal des Bundesverwaltungsamtes im Internet, ausgeschrieben haben? Schließlich hat diese Seite über elf Millionen Zugriffe im Monat. Wie viele Leser das Amtsblatt wohl hat? Ich sollte mich von meinem Traum, Pressesprecher der Stadt Riesa zu werden, wohl doch verabschieden. So viel Ungereimtheiten kann ich einfach nicht beschönigend darlegen und erklären. Oder wie sehen Sie das?

Diese Woche kann wohl kaum niederschmetternder werden.