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Kein Mann der großen Klappe

Stadtrat Axel Hackenberg hält keine großen Reden. Aber viele hören auf den Schulleiter.

Axel Hackenberg, der Leiter der Schachtschule, bewirbt sich erneut als Stadtrat. Die CDU dürfte froh sein, dass sie den Parteilosen hat.
Axel Hackenberg, der Leiter der Schachtschule, bewirbt sich erneut als Stadtrat. Die CDU dürfte froh sein, dass sie den Parteilosen hat. ©  Anne Hübschmann

Großenhain. Axel Hackenberg gibt den Startschuss. Es ist Gründonnerstag Mittag, und die Kinder und Jugendlichen machen sich im Großenhainer Stadtpark auf zum Frühlingslauf. Natürlich ist ihr Schulleiter dabei. So kennen sie ihn, immer mittendrin, auch wenn der 61-Jährige eigentlich ein stiller Mensch ist, zumindest keiner, der große Reden hält und sich in Szene setzt. Eine Beschreibung, die durchaus auch auf den Stadtrat Axel Hackenberg zutrifft.

Auch hier ist er der Pragmatiker im Hintergrund. Grundsatzreferate überlässt er lieber anderen. Bewirkt hat er in den zehn Jahren als Stadtrat allerdings eine ganze Menge, manches wahrscheinlich sogar nahezu von der Öffentlichkeit unbemerkt. Die Idee eines Bildungsstandortes „Am Schacht“ hat seine Schule angestoßen, auch den geplanten Sportplatzbau am Schacht hat er so lange ins Spiel gebracht, bis schließlich alle Stadträte von der Idee überzeugt waren. Mehrheiten zu finden und zu organisieren – im Stadtrat eigentlich Aufgabe des Oberbürgermeisters – könnte in der neuen Wahlperiode zunehmend Sache solcher erfahrener Stadträte wie Hackenberg werden. Denn das neue Stadtparlament könnte ziemlich bunt und interessant werden, sagt der Schulleiter schmunzelnd und meint das bitterernst.

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Kostenkontrolle für Bauprojekte

Mehr Gruppierungen als früher, und durch den Weggang von fünf bisherigen Stadträten von der CDU und das Hinzukommen von Bürgerlisten und AfD ist das menschlich eine völlig neue Situation. „Ich rede mit jedem“, sagt der parteilose Hackenberg, der der CDU in der jetzigen schwierigen Situation die Treue hält. Was nicht heißt, dass es keine klare Ansage in Richtung Stadtspitze gibt. „Der Stadtrat muss die Möglichkeit haben, sauber zu entscheiden“, sagt er mit Blick auf fast eine Million Euro Mehrkosten im Naturbad und den Umstand, dass der Stadtrat Gelder für Bauvorhaben, die bereits begonnen wurden, im Nachgang genehmigen sollte.

Hackenberg fordert deshalb wie andere ein Kosten-Controlling für Großprojekte. „So was wird der Stadtrat nicht noch mal mit sich machen lassen“, ist er sicher. Bei der Gelegenheit bedankt er sich ausdrücklich bei der Stadtkämmerei. „Wie solide die Kämmerei arbeitet, ist schon eine Meisterleistung“, sagt er. Die Finanzen im Blick hat auch die CDU.

Manches würde durch die letzte Debatte fast vergessen. Zum Beispiel, dass der Vorschlag, die Kitagebühren zu deckeln, aus den Reihen der CDU kam. Oder dass es CDU-Betreiben war, die Straßenbaubeiträge in Großenhain abzuschaffen. „Bei dem, was an Baumaßnahmen ansteht, hätten sich die Großenhainer sonst gewundert, was da auf sie zurollt an Kosten“, erklärt er ganz ruhig. Lebenswert soll Großenhain bleiben und werden, wünscht sich Hackenberg, falls er zum dritten Mal als Stadtrat gewählt werden sollte. Das schließt Großes, ganz Großes, die erhoffte Superansiedlung im Industriepark Nord am Flugplatz ein – und scheinbar Kleines, wie die vorbeiplätschernde Röder.

Bei Ersterem treibt Hackenberg zunehmend die Frage um, was da auf Großenhain zukommen kann. Da geht es bei Weitem nicht nur um Geld, sondern auch darum, ob das kleine Großenhain mit völlig neuen Belastungen konfrontiert wird. Die Stadtverwaltung führt dahingehend erste Vorgespräche mit dem Freistaat im Sinne der Großenhainer. Da will er genauer nachfragen. Immerhin hat die Stadt mit dem B-Plan hoffentlich Einfluss auf die Investorensuche des Freistaates Sachsen, die er sich im Übrigen ganz dringend wünscht.

Zum Einen, weil der Weg Goßenhain zukünftig beflügeln kann. Zum anderen, weil viele Themen, die die Großenhainer in den letzten Jahren gegrämt haben – Ämterweggang, medizinische Versorgung, Leerstand – nur dann wieder auf den Tisch kommen, wenn Großenhain wirtschaftlich etwas im Landkreis Meißen zu melden hat. Davon ist Axel Hackenberg überzeugt.

Wohnen an der Röderaue

Das kleine Problem, auf das er aufmerksam macht, bleibt hoffentlich auch ein geringes: die Röder. Gelbe Schaumkronen, die häufig sichtbar sind, ärgern ihn. Er würde es gern sehen, wenn sich die Stadt Großenhain mit anderen Röderanrainern zusammentut und das blaue Band zum Thema macht. Das würde er gern befördern, übrigens auch, um den Hochwasserschutz nicht zu vergessen.

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Die immer noch ausstehenden Radwege fordert er vehement. Denn da geht es stellenweise nicht um Lebensqualität, sondern ums unversehrte Überleben auf der Straße. Als Schulleiter ist ihm das wichtig, wenn er seine Jugendlichen mit Rädern und Mopeds ankommen und wegfahren sieht. Hackenberg ist mittlerweile der dienstälteste Schulleiter, 1991 hat er an der „Pesta“ angefangen, damals als erster gewählter Schulleiter. 1992 kam er dann an die Schachtschule. Was sich dort seitdem entwickelt hat, macht ihn recht zufrieden.

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