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Kein Musikschulunterricht, voller Beitrag?

Käbschütztal hat die Kündigung des Vertrages mit der Kreismusikschule zurückgenommen. Viele Fragen bleiben offen.

Musik im Homeoffice. Derzeit findet kein Musikschulunterricht statt.
Musik im Homeoffice. Derzeit findet kein Musikschulunterricht statt. © Symbolfoto: Jürgen Müller

Käbschütztal. Raus aus den Kartoffeln, rein in die Kartoffeln. Im Tauziehen um den Verbleib der Gemeinde Käbschütztal als Mitglied der Kreismusikschule gibt es die erneute Kehrtwende. Zum nun schon zweiten Mal wurde die Kündigung der Mitgliedschaft zurückgenommen. Das hat der Gemeinderat entschieden. Grund ist, dass der Förderverein Kreismusikschule nun doch zumindest die erste Rate des Beitrages, den die Gemeinde an die Schule zahlen muss, zusammengetragen hat. Bis zum 15. August müssen 2.303 Euro an die Schule als Mitgliedsbeitrag überwiesen werden.  Das ist die Rate für das erste Halbjahr 2021. 

Bereits im Jahr 2016 hatte die Gemeinde den Austrott aus der Kreismusikschule beschlossen. Sie war nicht mehr in der Lage, den jährlichen Beitrag von damals rund 6.000 Euro zu zahlen. Der Beitrag richtet sich nach der Anzahl der Musikschüler aus der Gemeinde.  Ein Austritt hätte bedeutet, dass die Musikschule in der Ganztagsschule Krögis keinen Musikschulunterricht mehr durchführt und die Schüler nach Meißen oder Nossen fahren müssten. Auch das Projekt „Jedem Kind ein Instrument“, das in der 1. und 2. Klasse der Ganztagsschule durchgeführt wird, wäre damit gestorben. Schließlich hätten Musikschüler deutlich mehr Beiträge zahlen müssen. Denn für Kinder aus Gemeinden, die Mitglied in der Kreismusikschule sind, werden die Beiträge deutlich reduziert. Bis zu 300 Euro können so im Jahr im Einzelunterricht gespart werden. 

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Neuer Vorsitzender in Sicht

Doch bereits im vergangenen Jahr stieß der Verein an seine Grenzen. Es fehlte an Mitgliedern und damit an Beiträgen, vor allem aber an der aktiven Mitarbeit beim Vorbereiten und Durchführen von Benefizveranstaltungen. Vorstandsmitglieder schieden aus verschiedenen Gründen aus und konnten nicht ersetzt werden. Mit vier Leuten naus dem Vorstand war die Arbeit nicht zu stemmen. Dem Verein drohte das Aus, wenn nicht neue Mitglieder und vor allem Leute, die im Vorstand mitarbeiten, gefunden werden.

Doch das ist jetzt gelungen. Wie Vereinschefin Janet Mütze sagt, konnten elf neue Mitglieder gewonnen werden. Einige haben sich bereiterklärt, im Vorstand mitzuarbeiten.  Der neue Vorstand soll am 24. Juni gewählt werden. Janet Mütze, die sich gänzlich zurückziehen wollte, wird weiter mitarbeiten, aber nicht mehr den Vorsitz übernehmen. Ein potenzieller Nachfolger ist aber gefunden. 

Problematisch wird es dennoch, das Geld für das zweite Halbjahr aufzutreiben. "Durch die Corona-Krise sind uns wichtige Einnahmequellen wie der Frühjahrsmarkt in Barnitz und der für Spendenlauf weggebrochen", sagt Janet Mütze.  Auch aus anderen Quellen kam kein Geld. "Ich habe Corona-Spendenanträge gestellt, die wurden alle abgewiesen. Sportvereine erhalten Geld, wir aber nicht", sagt die Vorsitzende frustriert. Sie hat jetzt Förderanträge gestellt. Eine Antwort hat sie noch nicht bekommen.

Schule beharrt auf vollem Beitrag

Fest eingeplant ist ein Benefizkonzert im September in der Krögiser Kirche. Bei dieser Gelegenheit soll auch in kleinerem Umfang der Frühjahrsmarkt als Herbstmarkt nachgeholt werden. Ob die Veranstaltungen stattfinden können, ist aber eine offene Frage. Eine andere Frage treibt nicht nur die Käbschütztaler um. Seit dem 16. März gibt es wegen Corona keinen Musikschulunterricht mehr. In der Schule Krögis wird weiterhin kein Einzelunterricht durchgeführt, weil es an Möglichkeiten dafür mangelt, um die Hygienebestimmungen einzuhalten.

 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreismusikschule seien in Kurzarbeit geschickt, sie würden also ganz oder teilweise von der Arbeitsagentur bezahlt, so Kritiker gegenüber der SZ. Die Mitgliedsgemeinden fragten sich nun, wieso sie bei nicht erbrachten Leistungen der Kreismusikschule dennoch den vollen Beitrag zahlen sollen, mit dem ja der "Wasserkopf" finanziert werde. Die Schule beharre auf den vollen Beiträgen, spreche von "Solidarität". Die Kritiker verweisen darauf, dass die Elternbeiträge in den Kindereinrichtungen erlassen wurden, als diese geschlossen waren, pochen auf das Gleichbehandlungsprinzip. Dies wird noch eine spannende Frage. Eine entsprechende Anfrage an das Landratsamt Meißen blieb am Freitag unbeantwortet. 

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