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Kein Nachfolger: Fahrrad-Laden schließt

Nach 30 Jahren geben Angelika und Sigmar Nixdorf ihr traditionsreiches Geschäft in Hirschfelde auf. Das hat nichts mit der Corona-Krise zu tun.

Angelika und Siegmar Nixdorf schließen ihr Geschäft in Hirschfelde.
Angelika und Siegmar Nixdorf schließen ihr Geschäft in Hirschfelde. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Wie ein Lauffeuer macht die Nachricht schon die Runde: Nixdorfs schließen! "Und das ist unwiderruflich", sagt Angelika Nixdorf. "Es war ja von Anfang an so geplant. Und es hat auch gar nichts mit Corona zu tun."

Angelika und Sigmar Nixdorf sind jetzt beide Mitte 60. Zeit, das Rentnerleben zu genießen, sagen sie. Aber so einfach, wie das aus dem Mund der beiden Dittelsdorfer klingt, ist es tief in ihnen drinnen wohl doch nicht. Denn dieser schon ziemlich kuriose Laden an der Hauptstraße in Hirschfelde, dieses wunderbare Sammelsurium an Werkzeugen, Farben, Nägeln, Schrauben, Sägeblättern, Gartengeräten, Eisenwaren, Lottoannahme, Paketshop - und natürlich Fahrrädern, dieses Geschäft, in dem es fast nichts nicht gibt, das ist ja inzwischen ihr halbes Leben. 30 Jahre! Eine lange Zeit.

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Gleich nach der Wende haben sie den traditionsreichen Hirschfelder Eisenwarenladen übernommen und sich in die Selbstständigkeit gestürzt. "Was für eine verrückte Zeit", erinnert sich Sigmar Nixdorf. Und erzählt, wie sie damals mit dem Dacia losgefahren sind, bei Glatteis übern Hohwald, um aus der Drahtfabrik in Heidenau Nägel zu holen. "Weil doch alle plötzlich bauen wollten und Nägel brauchten." 

Oder wie sie ihre erste große Fahrrad-Messe organisiert haben. Mit Radiowerbung! Und dann hatten die Leute vom Diamant-Werk das groß angekündigte Original-Rennrad von Täve Schur vergessen. Sigmar Nixdorf schüttelt lachend den Kopf. Was könnte er nicht alles erzählen. 

Diamant-Räder gibt es immer noch. Nixdorfs haben immer viel Wert auf die Ostprodukte gelegt. Rasenmäher aus Treuenbrietzen, Handkreissägen aus Neustadt - die halten alle heute noch. Sigmar Nixdorf, gelernter Elektriker, wartet und repariert sie auch, genauso wie Fahrräder. Den Reparaturservice will er auch weiter anbieten.

Aber das Geschäft, das wird jetzt unwiderruflich geschlossen. Einen Nachfolger für das Sammelsurium zu finden, sei aussichtslos gewesen, sagt Angelika Nixdorf. So richtig sei das ja auch nicht mehr zeitgemäß. Obwohl die Kunden wegen mancher Dinge von sonst woher gekommen sind.

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Am 2. Juni beginnt der Ausverkauf von allem, was noch im Geschäft steht und liegt. "Und das machen wir so lange, bis der Laden leer ist", sagt Angelika Nixdorf. So lange sie noch da sind, können Kunden bei Ihnen auch noch Katalog-Bestellungen aufgeben. Danach soll das Haus verkauft werden. Und Nixdorfs freuen sich darauf, endlich Zeit zu haben für sich und die fünf Enkelkinder, für den Garten, schöne Fahrradtouren und Reisen. "Uns wird bestimmt nicht langweilig ", sagt Sigmar Nixdorf. Ein bisschen Wehmut klingt da aber schon mit.

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