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Kein Netz am Bastei-Parkplatz

Der Wohnmobil-Platz an der meistbesuchten Touristenattraktion der Sächsische Schweiz liegt im Funkloch. Eine Lösung wird von Anwohnern blockiert.

Mit etwas Glück ein Balken: Der Wohnmobil-Stellplatz an der Bastei liegt im Funkloch.
Mit etwas Glück ein Balken: Der Wohnmobil-Stellplatz an der Bastei liegt im Funkloch. © Steffen Unger

Joachim Sterz ist rumgekommen diesen Sommer. Gut 4.000 Kilometer durch ganz Deutschland hat er vom rheinland-pfälzischen Haßloch aus im Wohnmobil unter die Räder genommen. Die Urlaubstour führte ihn und seine Frau auch in die Sächsische Schweiz. Hier machten sie auf dem noch jungen Reisemobil- und Caravanplatz an der Bastei halt. 

Feine Sache dieser Wohnmobil-Stellplatz, meint Joachim Sterz. Mit dem Shuttlebus vom benachbarten P+R-Parkplatz ist die Bastei auch für gehbehinderte Besucher wunderbar zu erreichen, das Personal ist freundlich und hilfsbereit. 

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Nur eins hat den Urlaubsgast verwundert: Am P+R-Platz und damit auch am Wohnmobil-Stellplatz gibt es keinen Internetempfang. "Der Parkplatz dürfte einer der am meisten frequentierten touristischen Orte in ganz Sachsen sein – und ausgerechnet hier ist ein gigantisches Funkloch", sagt Joachim Sterz. "Dies ist ein absolutes No-Go in heutiger Zeit." Das Versenden und Empfangen von WhatsApp-Nachrichten und das Surfen im Netz seien unmöglich gewesen. 

In einer E-Mail - die er nach seiner Rückkehr versendete - hat sich Joachim Sterz deshalb an Hohnsteins Bürgermeister Daniel Brade (SPD) gewandt, auf dessen Gemeindegebiet sich der Parkplatz befindet. "Dass die Umgebung von Dresden zu DDR-Zeiten das 'Tal der Ahnungslosen' war, ist ja bekannt. Dass die Hochebene von Hohnstein inzwischen ein würdiger Nachfolger dieser Negativauszeichnung ist – damit hatten wir nicht gerechnet", schreibt Sterz. Weder bei ihm als O2-Kunde, noch bei seiner Frau im Vodafone-Netz habe es funktioniert. Nur vorn direkt an der Bastei-Aussicht hatten sie Empfang.  

"Nirgendwo so ein ausgeprägtes Funkloch erlebt"

Der Bürgermeister und ebenso die sächsische Landesregierung mögen sich doch  unbedingt bei den Anbietern für ein besseres Mobilnetz starkmachen, drängt der Wohnmobil-Urlauber: "Tatsächlich haben wir nirgendwo in ganz Deutschland ein derartig ausgeprägtes Funkloch erlebt wie bei Ihnen." Auf dem Stellplatz würden die Gäste - von denen etliche aus dem Ausland kommen - anschaulich erfahren, was die Digitalwüste Deutschland bedeutet. "Traurig – und irgendwie auch peinlich."

Was für den Touristen nur schwer zu fassen ist, ist für die Einheimischen ein alter Hut. Der Handyempfang ist in der Sächsischen Schweiz schwierig, allein schon geografisch bedingt. In weite Teile des Kirnitzschtals beispielsweise dringt keine Funkwelle vor. Generell ist der Empfang vom Anbieter abhängig: Wer im Netz von Telekom oder von Vodafone unterwegs ist, hat noch bessere Chancen auf Empfang als Kunden von Telefónica (O2). Das bestätigt ein Blick in die Funklochkarte der Bundesnetzagentur

Dass der vordere Bastei-Parkplatz zu den weißen Flecken zählt, ist auch dem angeschriebenen Hohnsteiner Bürgermeister nicht neu. "Da ist ein Funkloch, das ist bekannt", sagt Daniel Brade. Das Problem bestehe auf der gesamten Hochebene vom P+R-Platz und der benachbarten Tankstelle über die Ortschaft Rathewalde bis hin zur Hocksteinschänke. Der nächste Mobilfunkmast steht in Lohmen und reicht nicht über die Fläche.

Mobilfunkmast-Gegner drohen Grundstücksbesitzer

Abhilfe ist schon in Sicht - oder besser: war in Sicht. Spätestens seit Frühjahr 2019 will Vodafone in der Gegend einen zusätzlichen Mobilfunkmasten errichten. Damit wäre das Funkloch zumindest für die Nutzer dieses Netzes gestopft. Der Mast sollte am Ortseingang von Zeschnig unmittelbar an der früheren Rennstrecke entstehen. Dagegen stemmte sich jedoch eine Bürgerinitiative. Die Anwohner fürchten das gesundheitliche Risiko einer angeblichen "Dauerbestrahlung". Zudem kritisieren sie, dass der Mast den Rundumblick von der Hohburkersdorfer Höhe störe. 

Das Ganze ging so weit, dass offenbar sogar Drohungen gegen den privaten  Grundstückseigentümer ausgesprochen wurden, sollte er sein Land an den Mobilfunkkonzern verkaufen. Der trat daraufhin von dem angebahnten Geschäft zurück. Ein von der Bürgerinitiative ins Spiel gebrachter Alternativstandort wiederum erfüllte die Anforderungen von Vodafone nicht. Seitdem hängt das Vorhaben in der Luft. 

Glasfaseranschluss noch Jahre entfernt

Einen weiteren Mobilfunkmast will die Telekom im Nachbarort Stürza am Feuerwehrgerätehaus bauen. Hierfür läuft derzeit das Antragsverfahren, eine Genehmigung gibt es noch nicht. Für das Funkloch an der Bastei dürfte er jedoch kaum Verbesserung bringen, da dazwischen eine Bergkuppe liegt. 

Die Stadt Hohnstein selbst beteiligt sich aktuell an einem Breitbandprojekt mit dem der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge die Internetanbindung auf den Dörfern verbessern will. Im Zuge dessen soll auch das Umfeld der Bastei ans Glasfasernetz angeschlossen werden, kündigt Bürgermeister Daniel Brade an. 

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Dann könnten sowohl die Stadt als Eigentümerin des P+R-Parkplatzes als auch die privaten Betreiber des Wohnmobil-Stellplatzes WLAN-Hotspots für ihre Gäste einrichten. Bis es soweit ist, vergehen aber sicher noch zwei bis drei Jahre. Ein Ersatz für fehlenden  Handyempfang ist auch das nicht.

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