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Kein Platz für Hobbyfußballer

Es gibt wenige Schulsportanlagen in Dresden, die frei zugänglich sind. Einige sollen jetzt auch noch gesperrt werden.

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© René Meinig

Von Lars Kühl

Nach Feierabend eine Runde bäbbeln – Ablenkung, Spaß und dazu noch Gutes für die Figur und gegen die Kilos wären beim Kicken mit Freunden garantiert. Doch wer nicht im Fußballverein organisiert ist, hat ein Problem, das er mit Gelegenheitsbasket- oder -handballern teilt. Oft fehlt ein geeigneter Sportplatz in Wohnnähe, der frei zugänglich ist.

Abhilfe könnten Schulsportanlagen schaffen – wenn die Stadt sie für die öffentliche Nutzung freigibt, also für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Bei solch einer Doppelnutzung gibt es neben dem erhöhten Verschleiß allerdings weitere Risiken, beispielsweise durch Verschmutzung, Vandalismus und Lärmbelästigung. In Dresden sind derzeit sieben Schulsportplätze für die Allgemeinheit offen. Die wurden überprüft, ob sie dafür noch geeignet sind. Jetzt liegt das Ergebnis vor: Nicht alle Anlagen sollen demnach öffentlich bleiben.

26. Grundschule „Am Markusplatz“, Osterbergstraße 22

Der Ballspielplatz in Pieschen hatte verstärkt mit Vandalismus zu kämpfen. Verursacht durch Nutzer des benachbarten Spielplatzes „Galvanohof“. Deshalb wurde schon voriges Jahr ein Zaun zwischen Schulgrundstück und Spielplatz hochgezogen. Ohne Genehmigung der Schulleitung kann der Sportplatz inzwischen nicht mehr betreten werden. Das soll künftig auch so bleiben. Die öffentliche Nutzung soll generell wegfallen.

Oberschule Pieschen, Robert-Matzke-Straße 14

Auch die zweite öffentliche Sportanlage im Freien im Stadtteil steht vor dem Aus. Das Schulverwaltungsamt will sie schließen lassen. Weil der Platz versteckt hinter dem Schulhaus liegt, kann er von außen nicht eingesehen werden. Das nutzen Randalierer immer wieder aus.

35. Oberschule, Clara-Zetkin-Straße 20

Die Löbtauer Sportanlage hat einen separaten Eingang von der Bünaustraße aus. Zwar liegen dem Schulverwaltungsamt von Anwohnern Beschwerden über zu viel Lärm in der Nacht und den Morgenstunden vor, dennoch soll die Anlage offen bleiben. Lediglich die Beschilderung soll nachgebessert werden.

121. Oberschule „Johann Georg Palitzsch“, Gamigstraße 28

Der Schulsportplatz in Prohlis wurde vor vier Jahren saniert, trotzdem machen sich immer wieder Vandalen zu schaffen. Streetworker oder die Nutzer der benachbarten Skateranlage könnten künftig mit aufpassen. Denn die Anlage soll offen bleiben. Ihr Vorteil ist die abgeschiedene Lage ohne umliegende Wohnhäuser.

Förderschule „Albert Schweitzer“, Georg-Palitzsch-Straße 42

Der Standort gilt als der problematischste. Die massiven, mutwilligen Zerstörungen wurden schon mehrfach auf Sicherheitskonferenzen an der Schule angesprochen, an denen neben der Verwaltung auch Vertreter des Ortsamtes, der Polizei und Streetworker teilnahmen. Erst als eine Sicherheitsfirma mit der Überwachung beauftragt wurde, hat sich die Situation verbessert. Ein weiteres Problem ist die Lautstärke, da sich der Ballspielplatz mitten im Prohliser Wohngebiet befindet. Außerdem hat die Verschmutzung in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Einen öffentlichen Zugang soll es künftig auf keinen Fall mehr geben.

Grundschule Langebrück, Friedrich-Wolf-Straße 7

Die Langebrücker Schulsportanlagen im Freien werden in diesem Jahr saniert. Probleme sind nicht bekannt. Da der Platz direkt neben Wohnhäusern liegt, soll ein Lärmschutzgutachten erstellt werden. Eine Schließung ist aber nicht zu befürchten.

Berufsschulzentrum „Franz Ludwig Gehe“, Leutewitzer Ring 141

Vereinzelt treten auf dem Platz in Gorbitz Vandalismusschäden auf. Außerdem soll ein Gutachten zeigen, ob eine Lärmbelästigung für die Nachbarn vorliegt. Der Bolzplatz soll aber möglichst offen bleiben, allerdings wird ein separater Zugang vorgeschlagen. Zudem ist eine Ausbesserung des Belages notwendig.

Pilotprojekte im unterversorgten Ortsamtsgebiet Blasewitz

Wenn gleich drei Schulsportplätze in Dresden für die Öffentlichkeit gesperrt werden, müssen neue Anlagen geprüft werden. Für das Ortsamtsgebiet Blasewitz, in dem es viel zu wenige Spielmöglichkeiten gibt, werden vom Frühjahr bis zum Herbst zwei Pilotprojekte getestet: die 25. Grund- und Oberschule „Am Pohlandplatz“ in der Pohlandstraße 40 in Striesen sowie die 32. Grund- und Oberschule „Sieben Schwaben“ in der Hofmannstraße in Blasewitz.

Standortvorschläge für die jeweiligen Ortsämter

Für die nachfolgenden Standorte erhofft sich die Verwaltung eine unproblematische öffentliche Nutzung. Je Ortsamt werden ein bis zwei Vorschläge gemacht. Favorit für Cotta ist der Dahlienweg 19, wo die 36. Oberschule ihren Sitz hat. Alternativ wäre die Cämmerswalder Straße 41 denkbar. In Leuben ist die Anlage an der 93. Grundschule am Dobritzer Weg 1 angedacht. Für Prohlis ist die Boxberger Straße 1 im Gespräch, wo ein Gymnasium eingerichtet werden soll. Allerdings sind dort zurzeit noch Asylbewerber untergebracht. Am Weißen Hirsch ist die 59. Grundschule „Jürgen Reichen“ in der Kurparkstraße 12 denkbar. Das Bertolt-Brecht-Gymnasium in der Lortzingstraße 1 in der Johannstadt wäre ebenfalls ein möglicher Standort. In der Südvorstadt werden die Flächen an der Andreas-Schubert-Straße/Lukasplatz vorgeschlagen. In Pieschen ist die 8. Grundschule an der Konkordienstraße 12 im Gespräch. Zudem werden die Freiflächen am Gymnasium Pieschen an der Gehestraße für die öffentliche Nutzung vorbereitet.

Der Vorschlag für die Neustadt ist die 15. Grundschule in der Görlitzer Straße 8. In Striesen ist es die 51. Grundschule „An den Platanen“ in der Rosa-Menzer-Straße 24. Zudem soll der neue Schulkomplex auf dem Gelände des ehemaligen Straßenbahnhofes Tolkewitz in der Kipsdorfer Straße öffentlich zugängliche Sportfreiflächen bekommen. Die Grundschule Weixdorf Am Zollhaus 1 wird ebenfalls geprüft.

Wenn der Stadtrat dem Konzept zustimmt, wird es eine einjährige Testphase geben, bevor es endgültig umgesetzt wird.