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Kein Platz in Hirschfelde

Entgegen der Hoffnung bietet der Ortsteil keine neuen Flächen zur Ansiedlung von Firmen, aber jede Menge Altlasten.

© Rafael Sampedro

Von Mario Heinke

Die Stadt Zittau sucht freie Flächen zur Neuansiedlung von Unternehmen, weil im Industriegebiet Weinau fast alle Grundstücke von Unternehmen belegt sind. Eine 2013 in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie wies den Bedarf nach. Die Stadt hatte die Industriebrache des ehemaligen Braunkohlekraftwerks und des Leunawerks in Hirschfelde ins Auge gefasst.

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Ein Bebauungsplan sollte die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Entwicklung der Industriebrache zu einem Gewerbe- und Industriegebiet schaffen. 2015 wurde deshalb ein Aufstellungsbeschluss gefasst. Die auf dem Gelände ansässige fit GmbH sowie der Hirschfelder Greifer- und Stahlbau sollten Erweiterungsmöglichkeiten erhalten, gleichzeitig sollte aber auf Nachbargrundstücken die Ansiedlung neuer Unternehmen ermöglicht werden. Planungsrechtlich liegt das gesamte Areal im Außenbereich, daher sind die Erweiterungsmöglichkeiten nur über die Aufstellung eines Bebauungsplanes zulässig.

Nach vier Jahren Prüfung und Entwicklung ist nun klar, dass aus den ursprünglichen Plänen der Stadt nichts wird und in absehbarer Zeit keine neuen Flächen erschlossen werden können. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einerseits befinden sich Teile der Flächen im Hochwasserschutzgebiet. Versuche der Stadt, in Absprache mit der Landestalsperrenverwaltung diese Flächen aus dem Schutzbereich herauszunehmen, sind gescheitert. Anderseits sind in unmittelbarer Umgebung des geplanten Standortes verschiedene altlastenverdächtige Flächen dokumentiert, was auf die frühere Nutzung des Geländes Kraftwerk zurückzuführen ist.

Damit das zeitaufwendige Planungsverfahren doch noch zu einem Ergebnis kommt und die Erweiterungspläne der fit GmbH zur Vergrößerung der Produktionsfläche nicht verzögert werden, verkleinerten die Planer kurzerhand den Geltungsbereich des Bebauungsplanes. Der erstreckt sich nun nur noch auf die bereits genutzte Fläche der fit GmbH und der Hirschfelder Greifer- und Stahlbau GmbH sowie die Anfahrten zum Gelände über die B 99 und die Straße am Kraftwerk.

In Abstimmung mit der Unteren Abfallrechtsbehörde des Landratsamtes erfolgte die Herausnahme von kontaminierten Flächen, die einen Sanierungsbedarf in noch ungeklärtem Umfang aufweisen. Durchgeführte Untersuchungen im Vorfeld ergaben entweder „problematische Flächen“ oder „keine abschließende Gefährdungseinschätzung“. Schädliche Bodenveränderungen und ein daraus resultierender Grundwasserschaden wurden im Planungsgebiet für Teilflächen konkret nachgewiesen. Das ist in der umfassenden Umweltstudie nachzulesen, die dem Bebauungsplan angefügt ist. Der Stadtrat beschloss in der vergangenen Woche die Billigung und Auslegung des Entwurfs des Bebauungsplans für das „Industriegebiet Hirschfelde zwischen Bahnlinie und Neiße“. Den Beschluss begleitende Dokumente wie Umweltberichte, schalltechnische Gutachten, Datenblätter und Planzeichnungen sind auf der Homepage der Stadtverwaltung im Ratsinfo-System abrufbar.

Für die fit GmbH und die Hirschfelder Greifer- und Stahlbau GmH bestehe Planungssicherheit, sollte der Bebauungsplan nach der öffentlichen Auslegung und Abwägung eventueller Einwände endgültig beschlossen werden, kommentierte Wirtschaftsförderin Gloria Heymann.

Die Stadt kann bei der Suche nach Neuerschließungflächen allerdings von vorn beginnen. „Wir prüfen weitere Standorte“, so Frau Heymann, ohne schon konkrete Gebiete nennen zu wollen. Parallel dazu sollen die Altlastenflächen im Hirschfelder Plangebiet weiter untersucht werden, um eine künftige Nutzung nach einer Altlastenbeseitigung vielleicht doch noch zu ermöglichen, so die Wirtschaftsförderin.

Stadtrat Torsten Hiekisch vom Bürgerbündnis in Hirschfelde sah das Ergebnis des Planungsverfahrens weniger gelassen. Er sagte: „Der Stadt Zittau und dem Ortsteil Hirschfelde werden Entwicklungschancen genommen.“ Für die Unternehmen in unmittelbarer Nachbarschaft an der Straße zum Kraftwerk, wie das Betonwerk Hirschfelde, die Lagerplätze der Abfallentsorgung oder für die Tuningfirma ändert sich nichts. Sie alle liegen im Überschwemmungsgebiet und werden bei einer hundertjährigen Flut vermutlich unter Wasser stehen.