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Kein Schlamm, kein Kompost

Im Kompostier- undErdenwerk in Weißwasser stehen die Anlagen still, weil kein Klärschlamm aus Stadtwerken mehrangeliefert werden darf.

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Von Wolfgang Nagorske

Das Umweltamt in Niesky hatte es mehrmals angedroht, jetzt hat es die Drohung durchgesetzt. Auf den Lagerplätzen des Kompostier- und Erdenwerkes in Weißwasser darf kein Klärschlamm mehr angeliefert werden.

Der Klärschlamm kam aus den Stadtwerken in Görlitz und Weißwasser und wurde hier in einem biothermischen Verfahren zu hochwertiger Komposterde verarbeitet. Nicht das Verfahren ist dem Umweltamt ein Dorn im Auge, sondern die Art und Weise der Lagerung des angelieferten Klärschlammes.

Überkapazität nicht abgebaut

Der Lagerplatz hat eine Kapazität von 10 000 Tonnen, doch hier lagert seit Jahren fast die doppelte Menge. „Mehrmals haben wir das Erdenwerk aufgefordert, die Überkapazitäten abzubauen. Das ist nicht geschehen. Das Bundes-Immissionschutzgesetz zwang uns zum Handeln“, sagt Norbert Müller, Chef des Umweltamtes in Niesky.

Ein Teil der Auflagen erfüllt

Für Axel Eckart, Geschäftsführer der Bergbaugesellschaft Niederschlesien (BNS), die das Erdenwerk betreibt, kommt dieser Anlieferungsstopp von Klärschlamm einem wirtschaftlichen Aus des Erdenwerkes nahe.

„Von den erteilten Auflagen des Umweltamtes, die Überkapazität zu reduzieren haben wir einen Teil erfüllt. Von den 10 000 Tonnen sind 3 000 Tonnen verarbeitet. Wir können aber nur weiter reduzieren, wenn wir laufende Einnahmen erzielen. Und die kommen aus der Verarbeitung des Klärschlammes.“ Das Werk ist derzeit geschlossen.

Die Stadtwerke Görlitz und Weißwasser liefern jetzt ihren Klärschlamm in das Kraftwerk Boxberg. Dort wird er verfeuert. Für die Stadtwerke keine kostengünstige Angelegenheit. Kostet die Verarbeitung im Erdenwerk 22 Euro pro Tonne, so liegt der Preis nach SZ-Informationen rund dreimal so hoch bei der Verfeuerung im Kraftwerk.

Helmut Rohmann, Geschäftsführer der Görlitzer Stadtwerke sagte der SZ: „Wir dürfen nach den Auflagen des Umweltamtes nicht mehr nach Weißwasser liefern und mussten neue Partner finden.“

Grenzwerte eingehalten

Immer wieder gab es Beschwerden über Geruchsbelästigungen durch den kompostierten Klärschlamm und Vermutungen, die ausgelieferten Erden entsprächen nicht den qualitativen Anforderungen. Das könen Recherchen der SZ nicht bestätigen.

Proben aus dem Erdenwerk gehen an das Analytische Zentrum in Berlin-Adlershof. Laborleiter Andreas Zimmermann hat bei regelmäßigen Untersuchungen keine Grenzwertüberschreitungen festgestellt. Zu den Kontrolleuren gehört auch das PLF-Projekt Schleife. Auch hier alles im grünen Bereich. Geschäftsführer Michael Penk: „Es hat noch nie Beanstandungen gegeben.“

Norbert Müller ist weiterhin mit der Firma BNS im Gespräch und sucht nach Lösungen, um den Anlierungsstopp aufzuheben.