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Kein Stau an der Südumfahrung

Trotz Corona-Pandemie gehen die Arbeiten an der Trasse in Pirna weitgehend planmäßig voran. Das nächste Großprojekt steht schon in den Startlöchern.

Nordumfahrung am Pirnaer Autobahnzubringer: Alles vorbereitet, um die Südumfahrung anzubinden.
Nordumfahrung am Pirnaer Autobahnzubringer: Alles vorbereitet, um die Südumfahrung anzubinden. © Deges

Es ist das auf absehbare Zeit größte und teuerste Bauvorhaben in Pirna: die Südumfahrung, jene 3,8 Kilometer lange Trasse, die einmal vom Pirnaer Autobahnzubringer bis zur B172 auf dem Sonnenstein führen wird. Bauherr ist die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges).

Im Herbst 2017 starteten die Arbeiten, inzwischen wird an allen Abschnitten der Strecke gewerkelt, sowohl auf dem Sonnenstein als auch im Gottleubatal, am Kohlberg, im Seidewitztal sowie am Feistenberg. Nach Aussage der Deges wurden nunmehr sämtliche Hauptbauleistungen vergeben. 

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Doch laufen die Arbeiten auch in Zeiten der Corona-Pandemie planmäßig weiter? Gibt es Bauverzug oder Lieferengpässe? Sächsische.de gibt einen Überblick über den aktuellen Stand. 

Ist der Baubetrieb derzeit eingeschränkt?

Nein. Laut der Deges gibt es bislang keine Einschränkungen, die Arbeiten an der Südumfahrung laufen wie geplant. Auch sind der Deges keine Engpässe bei den Bau- und Rohstofflieferungen bekannt. 

Könnte sich das Bauende dennoch verzögern?

Aus derzeitiger Sicht nicht. Generell gilt: Die Deges will die Bauarbeiten wie geplant fortsetzen, auch unter den gegebenen Umständen. Momentan seien Verzögerungen nicht abzusehen, allerdings müsse die Lage auf der Baustelle täglich neu bewertet werden. "Natürlich können wir nicht ausschließen, dass es aufgrund der Corona-Pandemie zu Lieferproblemen und Personalmangel kommen könnte", sagt Deges-Sprecher Lutz Günther. Inwieweit dies jedoch den Termin- und Kostenplan beeinflussen könnte, lasse sich aktuell nicht vorhersagen.

Können die tschechischen Arbeiter weitermachen?

Am Bau der Gottleubatal-Brücke ist die Firma "Metrostav" aus Prag beteiligt. Laut der Deges laufen die Arbeiten vor Ort planmäßig. Tschechische Bauarbeiter waren zwischenzeitlich ohnehin nicht auf der Baustelle eingesetzt. Sofern insbesondere bei Planungsarbeiten tschechische Ingenieure beteiligt sind, haben diese Unterkünfte in Deutschland bezogen oder arbeiten in Tschechien im Homeoffice. Die Grenzschließung habe daher nach Aussage der Deges keinen Einfluss auf den Bau der Südumfahrung. 

Können die Brückenteile weiter gefertigt werden?

Die stählernen Hohlkästen - die Grundkonstruktion für die Gottleubatal-Brücke - werden in Tschechien und Ungarn gefertigt. Auch diese Produktion läuft laut der Deges planmäßig. Ein Großteil dieser Teile ist ohnehin schon fertig, in Prag musste der Bauherr sogar schon zusätzliche Flächen mieten, um die Elemente zu lagern. 

Die ersten Stahlbauteile sollen im Spätsommer dieses Jahres nach Pirna geliefert werden. Sie kommen per Tieflader über die Autobahn und müssen dann durch die Stadt hinauf zum Sonnenstein transportiert werden. Fachleute haben bereits nachgemessen und grünes Licht gegeben, dass die Schwerlaster durch die Serpentinen auf der B 172 passen. 

Ob sich die Anlieferung verzögert, lasse sich laut Deges derzeit nicht sagen. Momentan gehe man aber davon aus, dass die Transporte pünktlich rollen können. 

Gab es in letzter Zeit generell Verzögerungen?

Ja, sie waren allerdings witterungsbedingt. Weil es in der letzten Märzwoche eine Periode mit Nachtfrösten gab, konnte die sogenannte Nordumfahrung am Autobahnzubringer nicht wie geplant vor Ostern asphaltiert werden. Das Problem ist aber inzwischen beseitigt, seit Mitte April rollt der Verkehr über diese vorübergehende Ausweichstrecke. 

Da die Nordumfahrung nun fertig ist, kann der Aushub für das Kreuzungsbauwerk unter der B 172 a beginnen. Ein Teil der Südumfahrung führt später unter dem Autobahnzubringer hindurch. Dieses Bauwerk wird das umfangreichste beim Anschluss der Südumfahrung an den Autobahnzubringer sein. Wenn dieses Bauwerk im Jahr 2022 fertig und die Baugrube wieder verfüllt ist, kann auf der Brücke die B 172 a wieder hergestellt werden. Dann läuft der Verkehr wieder auf der alten Strecke und nicht mehr über die Nordumfahrung.  Anschließend wird der Knotenpunkt "Feistenberg" vollendet.

Welches Großprojekt beginnt jetzt?

Der Bau des Tunnels durch den Kohlberg, er wird etwa 300 Meter lang sein. Der Auftrag wurde bereits im Januar an eine Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus den Firmen "Alfred Kunz Untertagebau" aus München sowie an "Bistra Bau" aus Dohma, vergeben. Den Tunnelaushub sowie weitere Erdmengen vom Zwischenlager am Kohlberg wird die Firma "Amand Bau Sachsen" aus Grumbach entsorgen. 

Bereits im Februar begannen die Arbeiten für den Tunnel mit der finalen Planung und den Erdarbeiten für die Baustelleneinrichtung. Laut der Deges sei vor dem eigentlichen Tunnelbau eine gute Vorbereitungsphase wichtig. 

Der Beton, der für den Tunnel benötigt wird, wird auf der Baustelle in einer Mischanlage hergestellt, sie entsteht derzeit. Da beim Tunnelvortrieb rund um die Uhr und auch am Wochenende gearbeitet wird, müssen für die Mannschaft, die drei Schichten zu besetzen hat, entsprechend viele Unterkünfte und Büros aufgebaut werden. 

Der sogenannte erste Tunnelanschlag ist für Anfang Juli geplant. Der Tunnelbau selbst wird voraussichtlich weit über zwei Jahre dauern, das ist der Bauweise geschuldet.

Da auf dem Kohlberg ein streng geschützter, 150 Jahre alter Mischwald steht, darf der Tunnel nicht in offener Bauweise gebaut werden. So müssen sich die Fachleute im sogenannten bergmännischen Vortrieb durch den Berg arbeiten. Stück für Stück wird herausgesprengt, zwischendurch muss immer wieder mit Beton gesichert werden, weil die Gesteinsschichten über dem Tunnel locker und wenig tragfähig sind.

Finden derzeit Bürgersprechstunden statt?

Zurzeit nicht. Die monatlichen Bürgersprechstunden zur Südumfahrung im Baubüro an der Zehistaer Straße - stets auf den letzten Mittwoch eines Monats terminiert - entfallen laut der Deges wegen der Corona-Epidemie bis auf Weiteres. Über den nächsten Termin will die Deges rechtzeitig informieren.

Wann wird die Südumfahrung fertig?

Zunächst war geplant, dass die Trasse 2022 fertig wird. Aufgrund der längeren Bauzeit für den Kohlberg-Tunnel verschiebt sich das Bauende allerdings auf 2023. Das Projekt kostet insgesamt rund 100 Millionen Euro. 

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