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Kein tägliches Baguette – montags bleibt der Ofen aus

Bäckereien in Frankreich müssen an einem Tag pro Woche schließen. Ein südfranzösischer Bäckermeister stellt sich quer.

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© Reuters

Von Birgit Holzer

Er wollte doch nur sein tägliches Brot backen. Zumal es weggeht wie die warmen Semmeln (Brötchen): 2014 hat Bäcker Stéphane Cazenave den Preis für das beste Baguette Frankreichs erhalten, eine renommierte Auszeichnung in einem Land, das mit insgesamt 32 000 Handwerksbetrieben weltweit die höchste Dichte an unabhängigen Bäckereien hat. Täglich zieht sein Laden „Créations Cazenave“ im südwestfranzösischen Örtchen Saint-Paul-lès-Dax viele Kunden an. Seit der Öffnung vor dreieinhalb Jahren gab es keinen Ruhetag – bis die Arbeitsinspektion kam.

Sie erinnerte den 42-jährigen Bäckermeister, der 22 Mitarbeiter angestellt hat, an eine Verordnung aus dem Jahr 1906, die am 25. März 1999 erneuert wurde: Demnach müssen französische Bäckereien und Brot-Verkaufs-Stellen „an einem Tag pro Woche die Aktivität einstellen, der frei vom Unternehmenschef gewählt wird“. Immer wieder klagten Berufsvereinigungen dagegen, die nationale Gewerkschaft der Industriebäcker ging bis vor den Staatsrat, das oberste französische Verwaltungsgericht. Doch es bestätigte die Gültigkeit der Verordnung.

Er fühle sich behandelt wie ein „kleiner Gauner“, dabei schaffe er Jobs und Wohlstand, klagt Cazenave. „Alles, was ich will, ist arbeiten. Und soweit ich weiß, ist Arbeiten kein Verbrechen in Frankreich.“ Trotzdem fügt er sich nun, um hohe Geldbußen zu vermeiden. Auf seiner Homepage heißt es zwar noch „täglich geöffnet bis 20 Uhr“. Doch seit Anfang Februar bleibt der Laden montags zu. „Das bedeutet einen Umsatz-Verlust von rund 250 000 Euro pro Jahr“, schätzt der Bäckermeister.

Neue Hoffnung schöpft er, seit einer seiner Kunden von seinem Problem erfuhr, der als Journalist beim Regionalsender „France Bleu Gascogne“ arbeitet. „Das Radio hat ein Thema daraus gemacht. Am Folgetag war der nächste Sender da. Seither ging es immer so weiter.“

Die konservative Partei UMP hat eine Petition gestartet, in der sie fordert, „lasst Stéphane Cazenave arbeiten“. Ex-Premier François Fillon rief ihn persönlich an, um ihn seiner Unterstützung zu versichern. Dass die Arbeit in unserem Land wie ein Delikt angesehen werden kann und die Leidenschaft eines Handwerks derart gebremst wird, ist ein Warnsignal der Absurdität unseres Systems“, so Fillon.

Zum Politikum wird die umstrittene Verordnung vor allem, weil die Regierung gerade versucht, ein Gesetz durch das Parlament zu bringen, bei dem es unter anderem um eine Ausweitung der Sonntagsarbeit geht und generell um eine Lockerung des rigiden französischen Arbeitsrechts. Befürworter der Regel verweisen auf den Schutz der Arbeitnehmer und kleinerer Betriebe. „Ohne Regeln wie diese können sich nur größere Läden so organisieren, dass sie an sieben Tagen öffnen“, sagt Jean-Louis Mack von der nationalen Bäcker- und Konditoren-Vereinigung. „Wie sollen wir so junge Leute anziehen: Kommt in unseren Beruf: Du wirst nonstop arbeiten?“ Philippe Godard von der Vereinigung der Bäcker- und Konditor-Unternehmen klagt dagegen über einen „Kampf wie aus dem Mittelalter“: „Die Politiker beschweren sich immer, dass die kleinen Geschäfte in den Innenstädten aussterben. Aber das ist genau die Art Maßnahme, die diesen Trend beschleunigt.“