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Kein Zug aus Rumburg

Im Sommer startet bei Sebnitz eine neue, alte Eisenbahnlinie. In der Oberlausitz lässt die aber weiter auf sich warten.

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Von Matthias Klaus

Schluss mit der Lücke. Freie Fahrt von Zittau nach Bad Schandau. So fände es Rainer Franz am besten. „Warum“, fragt er, muss man über Dresden mit dem Zug nach Prag fahren? Hier über das Dreiländereck ginge es doch viel schneller!“ Rainer Franz aus Zittau kennt sich mit Bahnverbindungen aus, arbeitete 42 Jahre bei der Eisenbahn, war in Zittau bei der Aufsicht tätig.

Berechtigte Fragen, die er nun aufwirft. Aber so einfach sind sie nicht zu beantworten. Derzeit steht zumindest der Zug zwischen Sebnitz und Ebersbach bei Politik und Bahnunternehmen zur Debatte, eine Verbindung durch den Schluckenauer Zipfel zwischen Sebnitz und Ebersbach-Neugersdorf. Die Oberlandstadt hatte die Idee, diese Strecke einzurichten. Bei den tschechischen Nachbarn stießen die Verantwortlichen auf offene Ohren. Ebersbach-Neugersdorfs Nachbarort Jirikov kündigte an, das Vorhaben zu unterstützen. Vor allem geht es dabei um den Streckenabschnitt zwischen Ebersbach und Rumburg. Sieben Kilometer und die Staatsgrenze trennen die beiden Orte. Per Bahn ist diese Distanz derzeit nicht zu überwinden. Seit Jahren ist die Strecke stillgelegt. Ebersbach-Neugersdorf möchte sie allerdings wieder beleben – des Tourismus wegen, als Anschluss des Oberlausitzer Oberlandes an die Sächsische Schweiz.

Deshalb hat die Stadt eigene Aktionen gestartet – wie etwa Unterschriftensammlungen für eine Wiederaktivierung des Bahnanschlusses. Listen dazu gab es in Geschäften, öffentlichen Einrichtungen. Das Problem: Auch wenn der Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) dem Vorhaben ebenfalls positiv gegenübersteht: Es bleibt die Frage der Finanzierung des Ganzen. Daran scheitert bisher die Umsetzung. Den größten Teil müsste Tschechien bestreiten. Die Bahnstrecke verläuft nur wenige hundert Meter auf deutschem Gebiet. Der tschechische Kreis Usti, für den öffentlichen Nahverkehr in diesem Bereich verantwortlich, macht klar: kein Geld für ein entsprechendes Bahnprojekt.

Der Landkreis Usti sieht den wirtschaftlichen Aspekt einer entsprechenden Bahnverbindung – der sich aus seiner Sicht nicht lohnt. Bürgermeister der tschechischen Nachbargemeinden Rumburg und Jirikov haben dazu eine andere Meinung.

Der Verkehrsverbund Oberelbe in der Sächsischen Schweiz wiederum will im Sommer eine Bahnverbindung wieder aufleben lassen. Von Decin über Bad Schandau soll es über Sebnitz bis nach Rumburg gehen. Dazu wir die Lücke zwischen Dolni Poustevna und Sebnitz geschlossen. Das hat Auswirkungen auf den Verkehrsbetrieb im gesamten Schluckenauer Zipfel, die Böhmische Schweiz. Für die Anwohner soll sich beispielsweise die Fahrzeit per Zug nach Decin verkürzen, aber auch in Richtung Bad Schandau, Dresden, Pirna. Auf der grenzüberschreitenden Strecke sind acht Zugpaare täglich vorgesehen. Die Leistung beträgt rund 165 000 Zugkilometer pro Jahr. Nach neuesten Informationen soll der Vertrag am 15. Juni in Kraft treten – früher als bisher vorgesehen.

Der Zittauer Eisenbahner Rainer Franz macht sich indes weiter für den Lückenschluss nach Tschechien stark. „Der Tourismus würde belebt“, findet er. Und wenn man in anderthalb Stunden von Zittau nach Bad Schandau durch den Schluckenauer Zipfel mit dem Zug fahren könnte, würde mancher sicher auch sein Auto stehen lassen, findet Franz.

Der frühere Eisenbahner findet die Unterschriftenaktion, die es zum Thema Lückenschluss im Oberland gab, gut. „Wir müssten hier in Zittau auch eine starten“, sagt er. Seine Idee ist eine Art Ringbahn: Bad Schandau–Rumburg–Ebersbach–Eibau. Rainer Franz erinnert sich an Zeiten, in denen Zittau noch mit Rostock verbunden war – per Zug. „Warum sollte es das heute nicht geben können?“, fragt er. Zittau als Mittelpunkt von Ost-West- und Nord-Süd-Eisenbahnlinien.