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Kein Durchkommen

Gleich drei Baustellen gibt es zwischen Keilbusch und Zehren. Im Ernstfall können sie zu einer tödlichen Falle werden.

© hübschmann

Von Jürgen Müller

Im Juli vorigen Jahres kam ein 72-jähriger Urlauber aus Radeburg in Trassenheide auf der Insel Usedom ums Leben. Er hatte beim Baden einen Herzinfarkt erlitten. Der Mann hätte vielleicht gerettet werden können, wenn der Notarzt rechtzeitig eingetroffen wäre. Doch der kam zu spät. Dies lag auch daran, dass das Notarztfahrzeug an einer Baustellenampel mehrere Minuten aufgehalten wurde. Trotz Notsignals und Blaulicht konnte es die Baustelle nicht passieren, weil Fahrzeuge im Gegenverkehr fuhren. Offenbar war man auf einen solchen Notfall nicht vorbereitet.

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Umfahrung nicht möglich

Ein ähnliches Szenario ist derzeit im Landkreis Meißen denkbar und vorhersehbar. Auf der B 6 zwischen Meißen und Zehren wird an gleich drei Stellen gebaut. Die Straße ist einspurig, der Verkehr wird mit Ampeln geregelt. Für Notarztfahrzeuge gibt es keine Möglichkeit, an der Kolonne vorbeizufahren. Peter Welp vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr ist die Problematik schon bewusst. „Der Landkreis prüft und entscheidet, wie die Baustellen und die Verkehrsregelung eingerichtet werden. Auch Polizei und Rettungskräfte reden da mit“, sagt er. Dem widerspricht Eberhard Franke, der Pressesprecher des Meißner Landratsamtes. „In den seltensten Fällen wird das Amt in die Vorbereitung diverser Straßenbaumaßnahmen integriert. Bei größeren Vorhaben, wie der Plossensperrung und dem Bau der B 101 Eula gab es Anlaufberatungen vor Baubeginn zur Sicherstellung der Zufahrten für Einsatzfahrzeuge von Rettungsdienst und Feuerwehr“, sagt er. Hier sei das nicht der Fall gewesen.

Peter Welp sieht keine vernünftige Alternative zu dem Ampelverkehr. „Eine Vollsperrung der Straße während der Bauarbeiten, die bis April nächsten Jahres gehen, ist ausgeschlossen. Es gibt keine Alternativroute“, sagt er. Auch der Bau einer provisorischen Straße wie an der Baustelle der B 6 in Meißen-Siebeneichen sei keine Alternative. Zum einen sei das aus räumlichen Gründen gar nicht möglich, weil auf der einen Seite die Elbwiesen beziehungsweise Hänge sind, auf der anderen ein Abhang. Lediglich in Zehren, dort, wo der Pferdeunfall im vergangenen Dezember passierte, sei theoretisch eine provisorische Umgehungsstraße möglich. Doch dort liege eine Ferngasleitung, die nicht überfahren werden dürfe. Und was ist damit, die Leitplanken abzubauen und für Rettungsfahrzeuge im Notfall den befestigten Radweg freizugeben?

Welp spielt den Ball ans Landratsamt zurück: „Das muss die Verkehrsbehörde entscheiden.“ Doch warum wird überhaupt an drei Stellen gleichzeitig gebaut, so dass die Fahrzeuge an drei Ampeln kurz hintereinander aufgehalten werden? Es gäbe insgesamt elf Baustellen, an denen die Durchlässe erneuert würden, die auf mehrere Abschnitte aufgeteilt sind. „Niemand würde es verstehen, wenn wir immer nur an einer Stelle arbeiten würden. Dann würden sich die gesamten Arbeiten über Jahre hinziehen“, sagt Peter Welp.

Ampelanlagen jetzt abgestimmt

Doch warum sind die Ampeln nicht miteinander gekoppelt, aufeinander abgestimmt, so dass es wenigstens eine „grüne Welle“ gibt? Das seien sie jetzt nach einigen Anlaufschwierigkeiten. Zunächst seien die Ampeln per Funk verbunden gewesen. Dies habe aber nicht funktioniert, weil der Funk offenbar gestört wurde. Jetzt seien die Ampelanlagen per Kabel gekoppelt, seitdem würde es klappen, versichert er.

Durch Baustellen haben Rettungsfahrzeuge derzeit im Landkreis Meißen große Probleme, innerhalb der vorgeschriebenen Zeit am Einsatzort zu sein. Auch am Plossen wird gebaut oder von Meißen in Richtung Niederau, ebenso in Krögis. Teilweise bilden sich lange Schlangen. „Durch Baumaßnahmen im öffentlichen Verkehrsraum gibt es nachweislich Verschlechterungen der Hilfsfristen“, räumt auch Eberhard Franke ein. Vorgeschrieben ist, dass Rettungsfahrzeuge innerhalb von zehn Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort sein müssen. Ein Fall wie in Trassenheide sei im Landkreis Meißen nicht bekannt, sagt Eberhard Franke. Noch nicht, sollte hinzugefügt werden. Auch dort war man auf eine solche Situation nicht vorbereitet. Ein Radeburger büßte dafür mit seinem Leben.