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Dynamos Chefs sprechen Klartext mit Koné

Zuletzt saß er nur noch auf der Tribüne, und trotzdem muss der Torjäger a.D. wohl in Dresden bleiben. Dafür stehen andere Stürmer kurz vorm Absprung.

Bei Dynamo nur noch die Reserve der Reservisten und auf dem Transfermarkt nicht mehr gefragt: Moussa Koné hatte schon erfolgreichere Tage als Fußballer.
Bei Dynamo nur noch die Reserve der Reservisten und auf dem Transfermarkt nicht mehr gefragt: Moussa Koné hatte schon erfolgreichere Tage als Fußballer. © Lutz Hentschel

Auch im Fußball wird gerade das Ende des Schlussverkaufes eingeläutet. Am Montag schließt das Sommer-Transferfenster, Wechselwillige und Unzufriedene müssen sich also beeilen. Zu denen zählt sicher auch Moussa Koné.

An zwei Spieltagen in Folge gehörte der Senegalese nicht zum 20-köpfigen Kader. Für einen Profi mit seiner Vita kommt das einer Degradierung gleich. Gegenüber einem Fan soll er nach SZ-Informationen bereits nach seiner ersten Verbannung auf die Tribüne gesagt haben: „Das schaue ich mir nur einmal an.“ Doch die Chancen auf den vorzeitigen Abschied stehen schlecht.

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„Wir haben lange und mehrfach mit ihm gesprochen“, erklärt Dynamos Sportdirektor Ralf Minge auf SZ-Anfrage. „Für ihn gibt es derzeit kein belastbares Angebot.“ Das Adjektiv ist besonders wichtig, weil man belastbar wohl auch mit lukrativ übersetzen könnte. Anders formuliert: Interesse anderer Klubs gibt es, doch die angebotenen Summen liegen weit unterhalb der Vorstellungen der Schwarz-Gelben.

Dynamo hatte vor anderthalb Jahren für Koné 2,16 Millionen Euro an den FC Zürich überwiesen. Dieser Betrag sollte bei einem Weiterverkauf mindestens herausspringen. In der vergangenen Saison wurde sein Marktwert auf vier Millionen Euro taxiert, inzwischen ist er auf 3,5 Millionen gesunken. Girondins Bordeaux soll Koné, dessen Vertrag noch bis 2022 läuft, intensiv beobachtet haben. Das Interesse ist aber offensichtlich wieder erloschen. Liegt es am geforderten Preis? Oder aber an der Leistungskurve?

Von Februar 2018 bis Januar 2019 erzielte er für Dynamo bei 33 Einsätzen 16 Treffer und gab acht Torvorlagen. „Das ist eine Top-Quote“, findet Minge. Seitdem ist aber nur noch ein einziges Tor dazugekommen – bei der 2:4-Niederlage vor dreieinhalb Wochen in Karlsruhe. „Es ist mit 22 nicht unnormal, dass man mal in ein Tief gerät“, findet Minge. „Er war ja auch im Frühjahr verletzt.“ Eine Partie verpasste er zudem aufgrund einer Suspendierung.

Zuletzt verpflichtete Dynamo mit Alexander Jeremejeff und Luka Stor zwei Angreifer, und für Koné war plötzlich kein Platz mehr im Kader. Trainer Cristian Fiel betonte, zuletzt am Freitag in Darmstadt, dass dies rein sportliche Gründe habe und er ihm nichts vorwerfen könne.

Die Lage ist vertrackt, für beide Seiten. Koné dürfte es schwerfallen, seine Reservistenrolle auf Dauer zu akzeptieren. Die droht, da Fiel an seinem System mit mit einem Angreifer festhält und das Angebot im Sturm auch nach der Ausleihe von Osman Atilgan an Hansa Rostock groß ist. Mit jedem Spiel, bei dem Koné nicht auf dem Platz steht und folglich nicht trifft, sinkt sein Marktwert.

Ganz so düster will Minge das Zukunftsszenario für den Top-Stürmer a.D. aber nicht zeichnen. „Er hat in seinem ersten Jahr bei uns gezeigt, was er kann“, erinnert er. „Und Fielo hat auch schon mit zwei Stürmern spielen lassen.“ Das liegt allerdings schon etwas zurück.

Kurzfristig könnte sich Konés Lage vor allem dann verbessern, wenn sich Dynamo von weiteren Mitarbeitern aus der Abteilung Angriff trennt. Lucas Röser, der neben Stor zuletzt auf der Bank saß und dort vergeblich auf seine Chance wartete, wäre ein Kandidat. „Für ihn gibt es eine lose Anfrage“, erklärt Minge. „Jetzt müssen wir abwarten, ob daraus in den verbleibenden Tagen eine belastbare wird.“ Gerüchten zufolge ist Kaiserslautern ein Kandidat.

Röser konnte sich in den zwei Jahren bei Dynamo nur kurzzeitig als Stammkraft etablieren, musste sich immer wieder mit der Jokerrolle begnügen. Bisher hatte er Wechselangebote stets mit dem Hinweis abgelehnt, nicht in die 3. Liga gehen und sich stattdessen in Dresden durchsetzen zu wollen. Doch mit der Verpflichtung von Jeremejeff und Stor dürfte dem 25-Jährigen klar geworden sein, dass er dies kaum schaffen kann.

Vasil Kusej ist von einem Zweitliga-Einsatz derzeit ganz weit entfernt.
Vasil Kusej ist von einem Zweitliga-Einsatz derzeit ganz weit entfernt. ©  dpa/Robert Michael

Und noch ein Stürmer könnte Dynamo bis Montag verlassen. Vasil Kusej ist von einem Zweitliga-Einsatz derzeit ganz weit entfernt. Da der 19-Jährige für den Nachwuchs zu alt ist, und die U23-Mannschaft längst abgemeldet wurde, kann er keinerlei Spielpraxis sammeln. Eine Ausleihe wäre eine logische Alternative. „Damit beschäftigen wir uns. Aber es muss auch passen und einen Mehrwert haben“, so Minge.

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Um sich für die zweite Liga fit zu machen, wäre die 3. Liga am geeignetsten. Das Interesse der Vereine dort dürfte jedoch überschaubar sein, da Kusej, der vor vier Jahren vom Kooperationspartner FK Usti nad Labem in den Dynamo-Nachwuchs gewechselt war, noch immer auf seine erste Minute bei den Profis wartet. Dabei gilt er als das hoffnungsvollste Talent des Vereins. „Es ist klar, dass es auch mal gegenläufige Entwicklungen geben kann“, sagt der Sportdirektor. Er meint Kusej, es hätte aber auch auf Koné gepasst.

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