merken
PLUS Döbeln

Keine Angst vorm Busfahren

Erstklässler rutschen beim Bremsen vom Sitz. Aber das ist Absicht.

Barbara Göpel ist Busfahrerin. Aber zweimal pro Jahr wird sie zur Pädagogin. Dabei erklärt sie den Erst- und Viertklässlern das richtige Verhalten vor und im Bus. Ihre erste Station war in diesem Schuljahr die Grundschule Mochau.
Barbara Göpel ist Busfahrerin. Aber zweimal pro Jahr wird sie zur Pädagogin. Dabei erklärt sie den Erst- und Viertklässlern das richtige Verhalten vor und im Bus. Ihre erste Station war in diesem Schuljahr die Grundschule Mochau. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Ein erschrockenes Raunen geht durch den Bus und zwei Mädchen rutschen von ihren Sitzen. Dabei hatte Fahrerin Barbara Göpel das Bremsmanöver angekündigt und war zuvor gerade einmal 20 Kilometer pro Stunde gefahren. Passiert ist den Kindern nichts.

Der Bremstest gehört zur Busschule, die vier Busunternehmen im Verkehrsverbund Mittelsachsen zweimal pro Jahr anbieten. Rund 6 000 Schüler erhalten so diese besondere Verkehrserziehung. Regiobus betreut dabei die Döbelner Kunzemannschule, die Grundschulen Großweitzschen, Ostrau, Leisnig, Sitten und Grünlichtenberg, die Schlossbergschule Döbeln und die Förderschule Roßwein. Gestartet wurde die diesjährige Aktion in der Grundschule Mochau.

Autohaus Dresden
Eines der besten Autohäuser in Deutschland
Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Der tragische Tod eines elfjährigen Mädchens bei Penig hat die Schulleitung noch einmal in ihrer Entscheidung bestätigt, die Busschule nach Mochau zu holen. Das Kind war im März auf dem Nachhauseweg aus dem Bus gestiegen und hatte die Straße hinter dem Bus überquert, ohne auf den Verkehr zu achten. Der Fahrer eines Autos, das dem Bus entgegenkam, konnte nicht mehr bremsen und erfasste das Mädchen. Trotz schneller Hilfe starb es wenig später im Krankenhaus. „Nach diesem Vorfall haben wir die Kinder in allen Klassen noch einmal speziell belehrt“, sagt Schulleiterin Petra Seidel.

Die Busschule soll auch helfen, solche Unfälle zu verhindern. Deshalb kommt sie jedes Jahr kurz nach dem Schulanfang an die Grundschule Mochau. Dort werden speziell die Erstklässler für die neue Situation sensibilisiert. „Unsere Schüler kommen aus 23 Ortschaften rund um Mochau und aus Zschaitz-Ottewig“, erklärt die Schulleiterin die Notwendigkeit des speziellen Trainings.

Zum Ende des Schuljahres steht der Bus erneut vor dem Schultor. Diesmal steigen die Viertklässler ein. Denn die Mädchen und Jungen, die in der Nähe wohnen, und bisher zu Fuß zur Schule gehen konnten, werden ab der fünften Klasse auch zu Buskindern. Die weiterführenden Schulen befinden sich in Döbeln, Roßwein oder Nossen.

Immer Abstand halten

Unfälle wie bei Penig seien in der Region Döbeln im Schülerverkehr noch nicht passiert, sagt Barbara Göpel. Trotzdem erklärt sie den 25 Erstklässlern auch, wie sie sich außerhalb des Busses verhalten sollten. Die Fahrerin stellt sich seitlich an die Vorderfront des Busses. „Gibt es Ausbuchtungen an den Haltestellen, kommt der Bus mit diesem Überhang über den Bordstein“, sagt sie. „Deshalb solltet ihr immer Abstand halten.“

Es folgen Informationen zum Ein- und Aussteigen, dem Abstellen von Ranzen und Turnbeutel und dem Verhalten im Bus. Wenn das nicht ordentlich ist, kann das Konsequenzen haben. „Der Fahrer kann dem Kind den Busausweis entziehen und sich mit den Eltern in Verbindung setzen. Im schlimmsten Fall kann das Kind auch von der Busbeförderung ausgeschlossen werden“, so Schulleiterin Petra Seidel. Doch das sei bisher noch nicht vorgekommen.

Auf viele Fragen der Busfahrerin geben die Mädchen und Jungen die richtige Antwort. „Es ist selten, dass die Kinder so gut vorbereitet sind“, meint Barbara Göpel. Sie nimmt ihnen auch die Angst und stellt sich zwischen die sich schließende Tür. Sensoren sorgen dafür, dass sie nicht, wie von den Schülern befürchtet, zerquetscht wird, sondern sich die Tür wieder öffnet. Auch Szenarien mit brennenden oder verunglückten Bussen, die die Kinder aus dem Fernsehen kennen, relativiert sie. Barbara Göpel erklärt, dass der Busfahrer immer eine Möglichkeit findet, den Bus anzuhalten und die Schüler rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Doch manches Kind habe anfangs einfach nur ein Orientierungsproblem. In der ersten Schulwoche habe ein Erstklässler kurz vor Freiberg gesagt, er möchte in Greußnig aussteigen, erzählt die Busfahrerin schmunzelnd.

Mehr zum Thema Döbeln