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Warten auf Flüchtlingskinder

Eine Tharandter Tagesmutter will Sprösslinge von Asylbewerbern betreuen. Bisher bemüht sie sich vergebens.

Von Verena Weiß

Gesund und Fit

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In die Leseecke kuscheln sie sich am liebsten. Besonders dann, wenn Arite Hofmann die Tiere vom Bauernhof erklärt. Nur mehr Spielkameraden wären dabei schön. Armin und Melina sind die einzigen Kinder, die derzeit bei der Tharandter Tagesmutter betreut werden. Seit 2007, als die gebürtige Dresdnerin von Rabenau nach Tharandt zog, betreibt sie hier auf der Pienner Straße eine Kindertagespflege, die derzeit einzige in Tharandt. So wenig Kinder um sich wie jetzt hatte aber Arite Hofmann nie. Seit Herbst 2014 schon sind die Ein- und der Zweijährige mit der Tagesmutti allein. Dabei hätte Arite Hofmann gern wieder mehr Sprösslinge um sich. Gefreut hat sich die 52-Jährige deshalb, als sie erfuhr, dass unter den Asylbewerbern in der naheliegenden Herberge auch Kinder sind. Zwei Vierjährige und ein zweijähriges Geschwisterkind hätte sie gern zu sich aufgenommen. „Dann wäre meine Tagespflegestelle mit fünf Kindern auch endlich wieder voll besetzt“, sagt Arite Hofmann. Ganz klar, schließlich gehe es auch um ihre Existenz. Der Umgang mit fremdsprachigen Kindern ist der Wahl-Tharandterin keineswegs fremd. Die Gegebenheiten der Forststadt brächten es mit sich, dass auch ausländische Studenten der TU Dresden, die hier in Tharandt lernen, ihre Kinder gut betreut wissen möchten. So hätte die Tharandter Tagesmutter schon Nachwuchs aus Peru und Malaysia bei sich gehabt. Den Kindern von Asylbewerbern, so ihre Hoffnung, könne sie zudem eine intensivere Betreuung bieten als bisher.

Guten Mutes, dass sie nun auch für Asylbewerberkinder da sein könnte, telefonierte sich Arite Hofmann durch alle Instanzen, stellte ihre Pläne bei Heimleitung, Landratsamt und der Caritas vor. „Sie fanden die Idee alle super“, erzählt Arite Hofmann. Bis zu dem Tag, als sie im Dezember im Tharandter Rathaus durchklingelte, um zu erfahren, wie die Verträge für die Kinder zu gestalten sind. „Plötzlich ging nichts mehr“, sagt die 52-Jährige. Warum, wisse sie selbst nicht genau, fand sich mit ihrem Anliegen stattdessen in bürokratischen Verwirrungen wieder. Wer stellt nun wo und für welches Kind den Betreuungsantrag? Und darf Hofmann die Kinder überhaupt betreuen? Fakt ist: Eltern müssen den Antrag auf einen Betreuungsplatz bei der Kommune stellen. Diese weist unter Berücksichtigung des Elternwunsches den Platz in eine Kita oder Tagespflege zu. Genauso haben auch Flüchtlingskinder einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. In ihrem Fall entscheidet aber der Landkreis über die Platzvergabe. „Die Stadtverwaltung hat hierauf keinerlei Einflussmöglichkeit“, heißt es aus dem Tharandter Rathaus.

Im Pirnaer Landratsamt sah man das wohl anders. Arite Hofmann dürfe zwar nach eigenen Angaben Kinder bis zu sechs Jahren betreuen. Im Bedarfsplan des Landkreises sind aber „Betreuungsplätze in Kindertagespflege im Alter von ein bis drei Jahren vorgesehen“, heißt es auf SZ-Nachfrage, egal, ob es sich dabei um ein Asylbewerberkind handelt oder nicht. In der Sache, ob auch Vierjährige von der Tagesmutter betreut werden können, müsse „bei der Stadt nachgefragt werden“. Doch hier sieht man sich nicht zuständig. Wer ist es dann?

Ein Antrag auf Betreuung eines Flüchtlingskindes ist bereits von der zuständigen Sozialberaterin der Caritas gestellt worden, bei der freien Kita „Kinderland 2000“ in Tharandt, heißt es aus dem Tharandter Hauptamt. Konkret geht es dabei wohl um eine Sechsjährige, die nun seit Kurzem auch in der Kita betreut wird. Eine Entscheidung, die Christiane Körner von der Caritas zur jüngsten Sitzung des Tharandter Integrationsrates damit begründet haben soll, dass diese in der Kita mit einer größeren Anzahl gleichaltrigen Kindern zusammen ist.

Doch was ist mit den Zwei- und Vierjährigen? Sie scheinen noch immer in der Herberge auf eine Entscheidung zu warten. Mehrfache Nachfragen der SZ an die zuständige Sozialberaterin zum Sachverhalt blieben bislang unbeantwortet.

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